26.11.2012

Königin der Sümpfe

Von Sander, Daniel

Ein Mädchen rettet seine sterbende Welt: Benh Zeitlins finsteres, wunderschönes Märchen "Beasts of the Southern Wild".

H ushpuppy ist die Einzige, die das Ende ahnt. Sie ist erst sechs oder sieben Jahre alt, aber trotzdem, oder deshalb, weiß nur sie vom Untergang ihrer kleinen Welt in den Sümpfen des Mississippi-Deltas. Sie sieht den Sturm, bevor er kommt, sie sieht das Eis der Polkappen in sich zusammenfallen, und sie sieht die riesigen, wildschweinartigen Monster, die alles niedertrampeln werden, was sie liebt. Aber sie hat keine Angst. Denn wenn sie die Einzige ist, die es weiß, wer soll sonst die anderen retten?

Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) mag ein kleines Mädchen sein, aber in Benh Zeitlins Spielfilmdebüt "Beasts of the Southern Wild" wird sie zur überlebensgroßen Heldin, zur Königin der Sümpfe, die bedingungslos bereit ist, für ihre verschworene Gemeinde überzeugter Hinterwäldler zu kämpfen. Und weil Zeitlin seine Geschichte aus der Perspektive einer unschuldigen, aber zu allem entschlossenen Sechsjährigen erzählt, ist dies kein Film, der sich um eine stringente Handlung kümmert, sondern die Welt wie aus einem riesigen Kaleidoskop wahrnimmt, so bunt wie finster. Hier gibt es schwimmende Bordelle, verdreckte Flüchtlingsheime, mit Dynamit ausgestopfte Alligatoren, viel Leid und Unglück. Aber mehr als alles andere gibt es unerschütterliche Hoffnung und unendliche Phantasie. Ein kleines Kino-Wunder.

Beasts of the Southern Wild

Start: 20.12.


KulturSPIEGEL 12/2012
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