26.11.2012

Neue Software

Von Görig, Carsten

Hotline Miami (Dennaton)

"Miami Vice", Tarantino und durchtanzte Nächte im Bunker kombinieren zwei schwedische Entwickler zu "Hotline Miami", einem Low-Budget-Spiel über einen Auftragskiller. Fiebrig, brutal und aufregend. Es sieht aus, als ob es 1989 programmiert wurde, in dem Jahr, in dem es spielt. Das Bild wackelt und flimmert, die Farben sind verschoben, die Figuren kaum zu erkennen. Erfolg misst sich hier an groben roten Flecken, die Blutlachen darstellen sollen. "Hotline Miami" komprimiert das Prinzip von Actionspielen: Tür eintreten, schießen, erschossen werden, neu starten. Immer wieder. Zusammen mit der treibenden, knarzenden Musik ergibt das einen Rausch, eine sehr sinnliche Erfahrung. Nach jedem Auftrag allerdings fragt man sich verstört, was sich da auf dem Bildschirm - und im eigenen Gehirn - eigentlich abgespielt hat. Großartig böse.

Call of Duty: Black Ops 2 (Activision)

Warum eigentlich ist die Ego-Shooter-Serie "Call of Duty" so unglaublich erfolgreich? Weil der Spieler sich im Multiplayer-Teil online mit anderen messen kann. Leider erzählt das Spiel aber eine Geschichte, die zwischen Geschmacklosigkeit, Hurrapatriotismus und B-Movie-Action schwankt. Und so sieht man im neuen Serienteil "Black Ops 2" in den ersten Minuten, wie jemandem ein Messer in den Hals gerammt wird und ein Mensch im Auto verbrennt. Man mäht Hunderte Afrikaner nieder, schießt vom Pferd aus russische Panzer kaputt, kämpft gegen Kubaner und Cyber-Terroristen. Springt wild zwischen diversen Schauplätzen und Jahrzehnten hin und her und hat trotzdem das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben. "Black Ops 2" ist amoralisches Spektakel ohne Tiefgang, so atem- wie gedankenlos.


KulturSPIEGEL 12/2012
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