26.11.2012

Der Sänger Rod Stewart, 67, über Schüchternheit und missglückte Weihnachten

Von Dallach, Christoph

KulturSPIEGEL: Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich?

Rod Stewart: Ich wollte Fußball-Profi werden. Mit 16 Jahren hatte ich bei dem Verein Brentford ein Probetraining absolviert. Entgegen weitverbreiteter Gerüchte war ich aber nie im Begriff, ein Fußballstar zu werden. Nachdem ich vorgespielt hatte, hörte ich nämlich nie wieder von Brentford. Zu dieser Zeit entdeckte ich mit zunehmender Begeisterung die Musik für mich. Meine Ambitionen als Sänger erwachten so langsam.

Stimmt es, dass Sie zu Weihnachten mal bitter enttäuscht waren, weil Sie statt der gewünschten Modelleisenbahn eine Gitarre bekamen?

Ja, das war typisch für meinen Vater. Ich war 14, kurz davor, die Schule zu verlassen und vernarrt in Modelleisenbahnen, was mein Vater wusste, und ich habe bis heute keinen Schimmer, was ihn dazu trieb, mir diese Gitarre zu schenken. Vermutlich fand er sie auf der Straße oder so. Ich war unglücklich über das Instrument, aber ohne diese Gitarre wäre ich wohl nicht Musiker geworden. Denn ich war viel zu schüchtern, um irgendwo aufzutreten. Es schien unvorstellbar, dass ich vor Publikum singe. Es war für mich bereits ein Alptraum, im Musikunterricht vor der versammelten Klasse aufzutreten, aber ich hatte einen unbarmherzigen Lehrer, der kein Pardon kannte und mich zwang: "Sing, Stewart, sing!"

Wann überwanden Sie Ihre Schüchternheit?

Eigentlich nie vollkommen. Ich habe mich gut damit arrangiert, mich auf einer Bühne zu bewegen. Aber wenn ich irgendwo einen vollen Raum betrete, eine Party oder so, fühle ich mich oft noch unwohl und bin zögerlich.

Stimmt es, dass Sie seit Teenager-Zeiten Ihre Frisur kaum geändert haben?

Das kommt hin. Damals war das ein Statement, lange Haare fielen auf und signalisierten, dass man nichts auf Konventionen gibt. Ich fühlte mich als Beatnik, dazu passte die Haarlänge, die man wie einen Orden trug. Damals verweigerte ich auch jegliche Körperpflege. Ich stank regelrecht, was allerdings auch als Statement gedacht war.

Sie wurden dann von dem Blues-Musiker Long John Baldry auf einem Bahnhof singend entdeckt. Tragen Sie sein Bild noch in der Brieftasche?

Ich könnte es Ihnen zeigen, aber meine Brieftasche liegt nebenan. Ich habe ihm alles zu verdanken. Er hat mich damals in seine Band geholt und mir sehr viel beigebracht: den Job als Musiker ernst zu nehmen, mich anständig zu kleiden und mich gewählt auszudrücken. Ich denke immer noch jeden Tag an ihn.

Sie haben die Schule ohne Abschluss verlassen. Haben Ihre acht Kinder Ihnen das mal vorgehalten, wenn es Debatten um schulische Leistungen gab?

Zum Glück nicht, weil ich solche Gespräche mit keinem meiner Kinder geführt habe. Ich war faul und nicht besonders schlau, also war es nur konsequent, dass ich mich aus dem Staub machte und die Schule hinter mir ließ. Meine Kinder sind alle viel klüger als ich und wussten, seit sie klein waren, was sie im Leben wollen. Einer meiner Söhne ist dabei, professioneller Hockey-Spieler zu werden, einer ist Tänzer, ein anderer Sänger. Diese Zielstrebigkeit haben sie von mir geerbt.

Verkleiden Sie sich für Ihre Kinder als Weihnachtsmann?

Das habe ich vergangenes Jahr das erste Mal getan. Ich bin kein Freund von Festen, bei denen man auf Befehl fröhlich sein muss. Aber meine Frau hatte das Kostüm gekauft, ich schlüpfte hinein und kam dann Heiligabend in der Dämmerung aus dem Unterholz des Gartens hervor. Die Kinder flippten aus. Aber der Sack mit den Geschenken war so schwer, dass ich ausrutschte und mich voll hinlegte. Dieses Jahr werde ich das lassen und einen Profi engagieren.

VonRod Stewarterschien gerade die CD"Merry Christmas, Baby"(Universal) und die Autobiografie"Rod - Die Autobiografie"(Heyne Verlag).

Der nächste KulturSPIEGEL erscheint am 31. Dezember 2012.

INTERVIEW: CHRISTOPH DALLACH


KulturSPIEGEL 12/2012
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