31.12.2012

Die Moderatorin Franziska Reichenbacher plant ihren Januar

Bis Dreikönig bin ich immer in einer Art Winterstarre und verkrieche mich ein bisschen. Ich habe mich lange gefragt, was ich da habe, bis ich irgendwann von den Raunächten erfahren habe, das ist die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig. Nach heidnischem Brauchtum soll in dieser Zeit die Grenze zur Geisterwelt durchlässig sein. Man soll ruhig sein, so wenig geschäftig wie möglich. Einfach mal die Klappe halten, die Unterbewusstseinsfühler ausstrecken, Ideen kommen lassen. So halte ich es nun seit Jahren in dieser Zeit, und es funktioniert - Geisterwelt hin oder her.

Im Januar werde ich wie alle Menschen noch in den Weihnachtsgeschenken stöbern. Ein Band mit Erzählungen von T. C. Boyle lag unter dem Baum und ein etwas anderes Architekturbuch für Erwachsene, "Baumhäuser" von Philip Jodidio. Ein Bildband holz- und steingewordener Kindheitsträume, ziemlich abgefahren und jenseits aller Bausätze aus dem Baumarkt.

Seit einiger Zeit versuche ich, an meine Dienstreisen einen Theaterabend anzuhängen. In Berlin habe ich neulich die Dramatisierung von Hans Falladas Roman "Der eiserne Gustav" gesehen. Mich hat die Aktualität dieser alten Geschichte fasziniert, in der sich um einen Menschen herum die ganze Welt verändert und der eisern am Bisherigen festhält. Deswegen habe ich jetzt auch Lust, mir am Schauspiel Frankfurt die Bühnenfassung von Falladas "Kleiner Mann, was nun?" anzuschauen (s. Seite 43), Michael Thalheimer inszeniert. Die Premiere am 12.1. werde ich nicht schaffen, weil ja samstags immer meine Sendung ist. Aber sobald ich Zeit habe, gehe ich hin.

Mitte Januar habe ich Termine in München, da werde ich auch ins Theater gehen. Während meiner Studentenzeit war ich sehr oft im Residenztheater und in den Kammerspielen. Was ich mir anschauen werde, entscheide ich kurzfristig, aber ich möchte jedem die "Hedda Gabler"-Inszenierung von Martin Kušej am Residenztheater empfehlen. Ein düsteres, tiefschwarzes Stück, beeindruckend gespielt und inszeniert.

Einen kühnen Plan habe ich auch noch: Ich fahre nach Paris! Jedenfalls wenn ich es schaffe, mir Ende des Monats freizunehmen. Ich liebe die Stadt und versuche jedes Jahr hinzufahren. Bis zum 17. März läuft dort in der Pinacothèque noch eine Doppelausstellung über van Gogh und den japanischen Meister Hiroshige, die zeigt, wie sehr van Gogh von japanischer Kunst inspiriert wurde. Das will ich sehen.

AUFGEZEICHNET VON DANIEL SANDER

Reichenbacher,45, moderiert samstags in der ARD die Ziehung der Lottozahlen. Im Januar erscheint ihre erste Glückwunschkartenkollektion "Grüße vom Glück".


KulturSPIEGEL 1/2013
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