31.12.2012

Wer's glaubt, wird selig

Ein magischer Blick ins Jahr 2013 - mit sieben Geschichten über Glück und Unglück.

JETZT SCHLÄGT'S 13.

Beim Abendmahl saßen13 Männer am Tisch. Einer von ihnen war ein Verräter. Die Geschichte einer Unglückszahl.

VON MAREN KELLER

Die Zahl 13 ist tatsächlich eine Unglückszahl. War- um es so weit kommen musste, kann man an einer Hand abzählen - und das ist nicht metaphorisch gemeint. Dazu muss man den Daumen als Zähler verwenden und mit ihm auf jedes Glied der Finger tippen, den kleinen Finger herunter, macht drei, den Ringfinger hoch, sechs, Mittelfinger runter, Zeigefinger hoch. Macht zwölf. Es gibt Orte auf der Welt, an denen heute noch so gezählt wird (in Indonesien beispielsweise).

Ein Rechensystem, in dem die Zwölf die Basis bildet, nennt man Duodezimalsystem. Und dieses System und die Zwölf tauchen in der Kulturgeschichte so oft auf wie die englische Königsfamilie in Frauenzeitschriften. Zwölf Monate, zwölf Tierkreiszeichen, zwölf sind ein Dutzend, zwölf Dutzend sind ein Gros, zwölf Zoll sind ein Fuß, der Tag hat (ohne astronomische Notwendigkeit) zwölf Stunden, die Nacht auch, zwölf ist das Maß für Zeit und Raum. Zwölf Titanen sitzen im griechischen Olymp, es gibt zwölf Raunächte, die zwölf Stämme Israels, zwölf Halbtöne pro Oktave, zwölf Dur- und zwölf Moll-Tonarten, und dann sogar Arnold Schönbergs komplette Zwölftonmusik. Der Farbkreis teilt sich in zwölf Grundfarben, die Typografie hat 12 Punkt als gebräuchliche Schriftgröße gewählt. Die Dozenal Society of Great Britain und ihre US-Kollegen von der Dozenal Society of America sind Aktivisten für die universale Einführung des Duodezimalsystems. Man kann von der Zwölf als "pattern number" sprechen, als eine jener Zahlen, die unsere Kultur strukturieren.

Und warum sind auf der europäischen Flagge zwölf Sterne? (Sie müssen jetzt nicht über die Gründungsstaaten nachdenken) - es ist ein Symbol. Für Vollständigkeit, Vollkommenheit und Einheit.

Und wo bleibt die 13? Eben. Die 13 hat das Pech des Außenseiters. Sie gehört nicht dazu zur Zwölfer-Gang. Um zu wissen, was das bedeutet, braucht man keinen Schulabschluss, es reicht als Blidung, lediglich eine einzige Highschool-Komödie gesehen zu haben. Die ersten zwölf Zahlen sind die fundamentalen Zahlen, die ein eigenes Wort haben und nicht nur als Ziffer geschrieben werden. Man muss sie nur nebeneinander schreiben, um alle Ungerechtigkeit der Zahlenwelt zu ahnen: zwölf - 13.

Wenn die 13 mit dabei ist, ruiniert sie die Idee von Vollständigkeit, Vollkommenheit und Einheit. Vorbei ist es mit der Harmonie.

So aufgeklärt, abgeklärt und zweitausendzwölf wir auch sind, gefühlt bleiben wir alle Bewohner von Vondervotteimittiss, jenes Dorfes, das der Schriftsteller Edgar Allan Poe in einer Kurzgeschichte erschaffen hat, und das im Chaos versinkt, als die Turmuhr 13 schlägt.

Dabei ist die Zahl 13 nicht natürlicherweise eine Unglückszahl. Noch im Mittelalter galt sie als vollkommen unbescholten, wenn nicht sogar als Glückszahl. Viele Klöster wurden damals von 13 Mönchen gegründet. Der Unglückszahl 13 hat die gleiche Herkunft wie die romantische Liebe oder die Vorstellung der Nationen: Das 19. Jahrhundert hat sie sich ausgedacht.

Das vage Gefühl der mathematischen Disharmonie ist in so viele kulturelle Narrationen übersetzt, dass man es ganz nach Vorliebe für Christliches, Prinzessinnen oder nordische Götter wählen kann: Judas verrät Jesus; als die 13. Fee erscheint, fällt Dornröschen in ihren Schlaf; und in einer altnordischen Sage taucht der böse Gott Loki uneingeladen bei einer Feier für zwölf auf und verursacht den Tod Balders.

Die Moral der Geschichte ist in allen Fällen die gleiche: Sitzen 13 bei einer Tischgesellschaft, wird einer von ihnen innerhalb eines Jahres sterben. Aus diesem Grund gab es im Frankreich des 19. Jahrhunderts einen bezahlten Beruf - den Quatorzième, dessen Aufgabe einzig und allein darin bestand, als 14. Gast eine Tischgesellschaft zu vergrößern.

Zur Rehabilitierung der 13 Tischgäste (und zum Kampf für die Aufklärung) gründete sich am 13. Januar 1881 ein Club: Der Thirteen Club, der sich an jedem 13. des Monats zum Dinner traf, beim ersten Mal im Saal 13 des Knickerbocker House in New York unter Führung von Captain William Fowler, einem reichen New Yorker und Bürgerkriegsveteranen. Um an ihre Plätze zu kommen, mussten die Gäste unter Leitern durchlaufen, und kurz vor dem Essen war es gute Sitte, etwas Salz zu verstreuen. Es dauerte nur wenige Jahre, bis der Club so populär geworden war, dass auch der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt zu seinen Mitgliedern gehörte.

Doch alle Aufklärung hat wenig geholfen, denn auch in der Moderne flößt die 13 so viel Furcht ein, dass es in den Flugzeugen der Lufthansa keine 13. Reihe gibt und bei 40 Prozent aller US-Hochhäuser die Etage 13 fehlt(*).

Im 20. Jahrhundert kam plötzlich eine neue Idee auf und überdeckte den Tischgesellschafts-Aberglauben wie die zweite Schicht eines restaurierten Gemäldes. Die 13 und der Unglückstag Freitag fanden als Unglückspärchen zueinander und verstärkten gegenseitig ihren miesen Ruf. Ob tatsächlich der Schriftsteller Thomas W. Lawson mit seinem 1907 erschienenen Roman "Friday, the Thirteenth" schuld daran war oder ob er nur eine Idee festschrieb, die eh schon in der Welt herumgeisterte, kann nicht mehr ganz geklärt werden. Seitdem verfestigt sich der Mythos mit jedem Freitag, dem 13., weiter, an dem die Medien Statistiken und Glossen drucken. Am 1. Januar beginnt der große Auftritt der Jahreszahl 13, aber niemand, der in seinem Leben auch nur eine Highschool-Komödie gesehen hat, muss sich vor einem pechschwarzen Jahr fürchten. Denn kurz bevor das Schicksal besiegelt ist, kommt immer noch der Moment, in dem die unglückselige Außenseiterin die Hornbrille abnimmt und alle endlich ihre Schönheit erkennen.

(*) In diesem Heft gibt es sicherheitshalber keine Seite 13.

BETEN HILFT.

Der Psychologe Eckart Straube erklärt die Macht der reinen Phantasie.

INTERVIEW: TOBIAS BECKER

KulturSPIEGEL: Herr Straube, können Magie und Glauben heilen?

Eckart Straube: Sie können einem Kranken einen Extra-Push zur Heilung geben. Studien zeigen: Wer regelmäßig in die Kirche geht, wer regelmäßig in der Bibel liest und regelmäßig betet, fühlt sich körperlich gesünder.

Weil Gott ihm hilft?

Das kann ich als Wissenschaftler weder beweisen noch ausschließen. Aber allein die Annahme eines positiven Effektes könnte eine positive Wirkung nach sich ziehen. Egal zu welchem Gott man betet. Hier greift ein psychosomatisches Phänomen: Die Psyche kann den Körper beeinflussen, das Immunsystem, das Hormonsystem.

Der Glauben verleiht Zuversicht.

Ja. Wer glaubt, sein Schicksal steuern zu können, fühlt sich besser. Wir nennen das in der Psychologie Kontrollüberzeugung. Entscheidend ist dabei nicht, ob man tatsächlich Kontrolle über sein Leben hat, sondern ob man das Gefühl hat, Kontrolle zu haben. Das ist ein essentieller Mechanismus. An etwas Positives zu glauben, hilft uns dabei, zuversichtlicher durchs Leben zu gehen.

Das heißt: Wer glaubt, ist immer auf Pille? Der Glaube als immerwährender Placeboeffekt?

So könnte man es sagen, aber das klingt sehr abwertend. Damit verletzt man die Menschen, die tiefgläubig sind. Und man tut ihnen auch Unrecht. Der Glaube ist evolutionär sinnvoll.

Inwiefern?

In frühen Zeiten gab es keine spezifische Medizin, außer ein paar Kräutern. Trotzdem haben die Menschen überlebt - mit Hilfe religiöser Rituale von Heilern oder Schamanen. Der Mensch hat einen eingebauten Mechanismus, sich durch Glauben sicherer zu fühlen. Und diesen Mechanismus braucht er nicht nur in Krankheitsphasen. Seine Phantasie setzt der Nüchternheit des Intellekts etwas entgegen: Wäre er auf sich allein gestellt, mit all seinen Fähigkeiten, die Welt wahrzunehmen und zu beurteilen, aber ohne den Glauben an Götter und Geister, dann wäre er längst tieftraurig ausgestorben. An Depressionen zugrunde gegangen.

Warum gibt es dann heutzutage so viele Atheisten?

Das ist der Erziehung zur Sachlichkeit seit der Zeit der Aufklärung geschuldet. So gesehen ist es erstaunlich, dass trotz der Moderne alternative Formen der Spiritualität im Trend liegen. Jeder hat heute die Freiheit, sich sein Glaubenssystem individuell zusammenzustellen: ein bisschen Feng Shui, ein bisschen Schamanismus, ein bisschen Astrologie. Pluralismus ist eben der andere Effekt der Moderne.

Der Glaube an welchen Gott hilft am besten?

Von den psychologischen Effekten her betrachtet, macht es keinen Unterschied, an welchen Gott man glaubt.

Oder welchem Aberglauben man anhängt.

Mit dem Begriff Aberglaube kommt man in Teufels Küche, denn was Aberglaube ist und was nicht, definieren die herrschenden Religionen. Unabhängig davon gilt hier dasselbe: Psychologisch betrachtet, ist nur die Stärke des Glaubens relevant.

Wer seinen Schornsteinfeger anfasst oder ein vierblättriges Kleeblatt hegt, erzielt einen psychologischen Effekt?

Natürlich auf einer ganz laschen Ebene, aber ja. Man geht eventuell nur spielerisch damit um, aber es gibt einem ein gutes Gefühl. Das ist wie mit dem Talisman, der am Rückspiegel baumelt: Man steigt eventuell etwas zuversichtlicher ins Auto.

Fährt man dadurch auch sicherer?

Man ist unter Umständen ruhiger, weniger nervös.

Viele Schauspieler schwören auf abergläubische Rituale, damit eine Vorstellung gelingt.

Oh, das kenne ich gut, Verwandte von mir haben in der Oper gearbeitet. Die haben mir immer davon berichtet, dass man sich über die Schulter spuckt, um sich Glück zu wünschen. Das war dort gang und gäbe. Das musste man machen, damit die Vorstellung gelingt, damit man sich sicher fühlt auf der Bühne.

Wenn unsere Imaginationsfähigkeit so stark ist, dass sie uns heilen kann, ist sie auch stark genug, um uns zu schaden?

Durchaus. Wenn man in den falschen Kult gerät, etwa in einen okkultistischen, kann einen das in Verzweiflung stürzen. Oder nehmen Sie Voodoo-Zauber: Der kann zu schweren psychosomatischen Erkrankungen führen, im Extremfall zum Tod, wie manche Forscher berichten. Das beweist die Macht der reinen Phantasie.

Um ein harmloseres Beispiel zu nehmen: Ein Freitag, der 13., bringt tatsächlich Unglück?

Eher nicht, da müsste jemand schon extrem fanatisch dran glauben. Er würde sich an diesem Tag nicht so sicher fühlen und sich daher nicht so sicher verhalten, etwa bei einer riskanten Autofahrt.

Eckart R. Straube, 68, ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie und Autor des Buches "Heilsamer Zauber. Psychologie eines neuen Trends" (Spektrum Akademischer Verlag).

INTERVIEW: TOBIAS BECKER

TOI, TOI, TOI.

An keinem anderen Ort sind die Menschen so abergläubisch wie im Theater. Sie haben ihre Gründe.

VON ANKE DÜRR

Die linke Schulter muss es sein, unbedingt. Da sitzt der Teufel, der "Affe Gottes", den man herunterspucken muss, damit er die Theaterpremiere nicht sabotieren kann. Ein kräftiges "Toi, toi, toi" verscheucht ihn - der Ausdruck geht entweder auf das Wort "Teufel" zurück, oder er steht lautmalerisch für das dreimalige Spucken, da sind sich die Etymologen nicht einig. Einig sind sich aber alle, dass man auf "Toi, toi, toi" niemals "Danke" antworten darf. Man kann "Wird schon schiefgehen" entgegnen, "Hals- und Beinbruch" oder einfach schweigen.

Das "Toi, toi, toi" ist der bekannteste Aberglaube, an dem Theatermitarbeiter bis heute festhalten. Aber wie viele wissen heute noch, dass man einem Schauspieler erst über die Schulter spucken darf, wenn er bereits ein Teil seines Kostüms trägt?

Die Schauspielerin Elisabeth Orth hält sich auch an dieses Ritual. Der Ausdruck Ritual ist ihr lieber als "Aberglaube", sie kennt sehr viele dieser Bräuche. Orth, 76, stammt aus einer Theaterdynastie: Sie ist die Tochter der Burgschauspieler Attila Hörbiger und Paula Wessely und selbst seit 1965 fast ununterbrochen am Wiener Burgtheater engagiert. Auch ihre Nichte und ihr Sohn sind hier im Ensemble.

Die Kammerschauspielerin bedauert es, dass viele der Jungen "nicht mehr um die Rituale wissen". Immer häufiger komme es zum Beispiel vor, dass im Theater gepfiffen werde. "Ich zucke da innerlich zusammen und denke, um Himmels willen", sagt Orth mit ihrer tiefen, resoluten Stimme. "Es gibt auch Kollegen, die reißen dann die Tür auf und rufen den Gang hinunter: ,Wer pfeift denn da schon wieder?'"

Der Aberglaube beruht auf einer simplen Logik: Wer pfeift, wird ausgepfiffen. Dahinter steht aber, wie bei vielen Bräuchen, ein rationales Argument: Pfeifen bedeutete früher im Theater Gefahr. Wenn Gas ausströmte und der Sauerstoffgehalt stark sank, begannen die Gaslampen im Theater zu pfeifen. Und auch die Techniker, die hoch oben im Schnürboden arbeiteten - früher waren das oft Seeleute, deren Schiffe gerade im Hafen lagen, sie waren schwindelfrei und beherrschten die nötigen Knoten - verständigten sich mit Pfiffen. Ein Pfiff war deshalb oft eine Warnung für die Leute auf der Bühne, dass ein Kulissenteil von oben herunterkam.

Der Schauspieler Philipp Hochmair, 40, pfeift ohne Bedenken im Theater und erinnert sich noch gut daran, wie er als junger Kollege von der Hamburger Schauspielerin und Theaterintendantin Gerda Gmelin deshalb zurechtgewiesen wurde. "Aber für mich ist Theater ein Ort der Entgrenzung, nichts Sakrales", sagt Hochmair, Mitglied im Ensemble des Hamburger Thalia Theaters. "Deshalb sind diese Rituale Schmarrn." Er gibt aber zu, dass auch die Jüngeren ihre Rituale haben, etwa wenn sich das ganze Team im Kreis aufstellt und sich wie eine Basketballmannschaft an den Schultern hält, bevor der Vorhang hochgeht.

Frank Baumbauer, 67, schon heute legendärer Theaterintendant, in Basel, in Hamburg, dann bis 2009 an den Münchner Kammerspielen, hat viele Typen wie Hochmair erlebt: "Da hat man einen Dramaturgen mit gelben Haaren und Baseballkappe geholt und sich dann gedacht: Du hast es so gewollt", sagt er. Er habe es aber noch allen beigebracht, sich an die Rituale zu halten. Wer pfeift, wird ausgepfiffen, das galt auch in Baumbauers Häusern. "Aber wer pfeift, nimmt auch keine Rücksicht auf die anderen. Es ging mir immer darum, die Künstler, ihre Arbeits- und Denkräume zu beschützen." Eine andere Regel besagt, dass man auf der Bühne nicht essen soll - außer als Schauspieler in seiner Rolle. Auch das hat für Baumbauer vor allem mit Respekt zu tun: "Wenn vorn jemand arbeitet, kann man hinten nicht Würstchen essen."

Die Schauspielerin Elisabeth Orth durfte ihren Vater schon als Kind ins ehrwürdige Burgtheater begleiten. Bevor er die Bühne betrat, und sei es nur, um sie zu überqueren, nahm er den Hut ab. "Man hat auf der Bühne keinen Hut zu tragen, das ist wie in der Kirche", erklärte Attila Hörbiger seiner Tochter und setzte den Hut, kaum hatte er den heiligen Boden verlassen, gleich wieder auf.

Einige der Rituale seien ganz schön verrückt, sagt Orth. Sie kenne Regisseure, die sich vor der Premiere nicht die Haare schneiden ließen. "Aber eigentlich ist das alles auch nicht so irrsinnig wichtig", sagt sie. Dennoch freut sie sich immer, wenn sich auch unter den Jüngeren noch jemand findet, der bei den Bräuchen begeistert mitmacht: "Es geht ums Mit-Spielen, um das Gefühl, eine Theaterfamilie zu sein." Zwingen könne man dazu aber niemanden: "Der Zauber des Theaters besteht aus vielen Ängsten und Glücksmomenten. Das spürt man, oder man spürt es nicht."

Einer der abergläubischsten Theatermenschen sei Ingmar Bergman gewesen, erzählt Frank Baumbauer. Bergman inszenierte Anfang der achtziger Jahre am Münchner Residenztheater. "Er musste zum Beispiel unbedingt als Erster auf der Probebühne sein. Wenn die Probe um zehn Uhr begann, war er spätestens um neun Uhr da, damit ja kein anderer ihm zuvorkam", sagt Baumbauer, der damals Schauspieldirektor war. "Das ist aber nicht nur Aberglaube, es ist logisch: Wenn du der Erste im Raum bist und der sich dann langsam füllt, hast du die Dinge im Blick, du kannst die Welt gestalten, sie gehört dir."

DAS IST SCHICKSAL.

Gabriele Hoffmann gilt als die berühmteste Wahrsagerin Deutschlands. Ein Hausbesuch.

VON TOBIAS BECKER

Gabriele Hoffmann blickt in die Zukunft, aber wer die Wahrsagerin besucht, betritt die Vergangenheit: einen knarzenden Holzboden in einem Gründerzeithaus in Charlottenburg, unweit des Ku'damms. Die Decken stuckverziert, die Möbel dunkel und mondän.

Einer der sieben Räume ist kardinalrot gestrichen. Er ist das Herz im Reich jener Frau, die die "Bunte" einmal "Deutschlands berühmteste Wahrsagerin" genannt hat. Unter einem mächtigen Kronleuchter steht ein alter brauner Ledersessel. "Da saßen alle", sagt Hoffmann. Alle, die was waren im alten West-Berlin und darüber hinaus: Hildegard Knef, Helga Feddersen, Klausjürgen Wussow, Ivan Rebroff, Dunja Rajter, Curd Jürgens, Howard Carpendale, Udo Lindenberg, Roy Black. Eine Geisterparade.

255 Euro nehme sie für eine einstündige Sitzung, sagt sie, und die Geschäfte liefen gut, noch immer. "Als die Regierung diese Steuer-CDs aus der Schweiz gekauft hat - was meinen Sie, was da los war?" Die Klienten hätten Schlange gestanden und gefragt, ob sie auf der Steuersünderliste stünden, sich selbst anzeigen sollten. Auch Promis kämen nach wie vor: "Heute gebe ich aber ihre Namen nicht mehr raus. Das ist peinlich, so angeberisch." Ihr Hund aber, eine Mischung aus Dobermann und Dogge, heißt Udo. Weil Udo Walz ihn ihr geschenkt hat. Udo Walz, der Promi-Friseur.

Udo, der Hund, streift um die Tischbeine, während Hoffmann Kaffee kocht. "Wie trinken Sie ihn? Schwarz oder mit Milch?" - "Das wissen Sie nicht?" - "Haha". Es ist ein müdes Lachen über einen müden Scherz. "Ich bin eigentlich ein normaler Mensch", sagt sie, "und möchte das außerhalb einer Sitzung auch sein. Ich möchte Gabi sein, ganz unbekümmert." Ohne Dauergrinsen und ohne entrückten Blick, dafür bodenständig berlinernd. "Ich kenne Esoteriker, die immer so om sind", sagt sie. "So bin ich nicht." In der Regel habe sie nur eine Vision, wenn sie in Trance gehe.

Hoffmann trägt einen Angela-Merkel-Blazer, bedruckt mit bunten Blumen, ihre Haare sind orangerot gefärbt. Das mag farbenfroh sein für eine 58 Jahre alte Finanzberaterin, für eine 58 Jahre alte Wahrsagerin ist es dezent. "Ich will nicht aussehen wie eine Jahrmarktsseherin", sagt sie. "Und ich will auch nicht, dass meine Wohnung aussieht wie eine Jahrmarktsbude." Aberglauben-Accessoires gibt es nur vereinzelt. Die auffälligste Ausnahme: eine Glaskugel, thronend auf drei metallenen Kobraköpfen. "Das ist ein Gag", sagt sie. "Ich habe schon mal hineingeschaut, aber - ganz ehrlich - ich habe nichts gesehen." Wenn ein Fotograf komme, packe sie die Kugel weg. Bloß keine Klischees bedienen.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass Hoffmann die Kugel häufig wegpacken muss. Hoffmann ist ein Medienprofi, und so diktiert sie einem die Geschichten, die sich dutzendfach bewährt haben, in fast identischen Worten in den Block, wie den Kollegen zuvor.

Sie referiert die Geschichte ihrer Uroma Louise, die Gürtelrosen und Warzen besprach. Sie malt die Geschichte ihres Vaters aus, der ihr nicht glaubte, dass sie hellsehen kann, und ihr eine scheuerte, als sie ihn mit zehn Jahren vor versammelter Familie mit seiner Geliebten konfrontierte. Sie trägt die Geschichte ihrer Tante vor, der sie mit zwölf sagte, dass deren Sohn nicht von ihrem Mann sei, wofür sie 20 Mark Schweigegeld kassierte. Gewissermaßen ihr erstes Honorar. Sie erzählt, wie sie sich mit 19 Jahren bei der Industrie- und Handelskammer offiziell als Wahrsagerin eintragen ließ, als erste in Deutschland.

Warum, zum Teufel noch mal, ist sie bis heute so erfolgreich?

"Ich bin kein Wahrsager wie Nostradamus", sagt Hoffmann, "meine Prognosen sind immer an den einzelnen Menschen gebunden." Natürlich könne sie manches ableiten aus den Einzelschicksalen, etwa dass der Euro bald Geschichte sein werde. Im Kern aber leiste sie individuelle Hilfe: 65 Prozent des Lebens seien durch Schicksal vorherbestimmt, etwa ein Bankrott oder eine Scheidung. Ihre Vorhersage könne an dem Ereignis nichts ändern, aber der Klient könne den Weg dahin fröhlich oder sorgenvoll gehen. "Das Wichtigste im Leben ist schließlich nicht das Schicksal, sondern die Einstellung zum Schicksal."

Hoffmann benutzt Karten als Hilfsmittel, aber nur um sich zu konzentrieren; ihre Augen sind während der Sitzungen geschlossen. Sie tauche ein in den "Schicksalsstrom" des Klienten, sagt sie, und sehe dessen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft "ähnlich wie einen Film". Schwer zu glauben. "Natürlich gibt es in der Branche viele Scharlatane", sagt Hoffmann, "aber die lassen sich meist leicht erkennen." Die Grundregel: "Wer seriös arbeitet, stellt seinen Klienten keine Fragen." Aus den Antworten ließe sich mit etwas Menschenkenntnis eine Vorhersage zusammenbasteln. "Ich hingegen sehe das Motiv, aus dem der Klient kommt, die Lebenssituation, in der er sich befindet, ohne dass er mir etwas erzählt." Manche Anfragen lehnt Hoffmann ab. Wer mit einer Vorhersage konfrontiert werde, müsse gefestigt sein. Wobei gefestigt nicht glücklich heiße: "Ein Klient sollte nicht nur aus Neugier zu mir kommen, er sollte ein Problem haben. Denn wer einigermaßen zufrieden ist, belastet eventuell nur seine unbeschwerte Zeit."

Es ist ein Abschied zum Angst bekommen.

GLÜCK IM SPIEL, PECH IN DER LIEBE.

Lohnt für Menschen mit Liebesunglück der Besuch eines Spielcasinos? Ein Feldexperiment.

VERSUCHSLEITUNG: MAREN KELLER

Versuchsfrage

Stimmt das bekannte Sprichwort: "Glück im Spiel, Pech in der Liebe"?

Versuchsmaterial

Für diesen Feldversuch werden zwei Testpersonen über 18 Jahre, Geld und ein Spielcasino benötigt. Testperson A hat nach eigenen Angaben Pech in der Liebe. Sie ist seit mehreren Jahren ungewollt allein. Zuletzt war sie unglücklich in die WG-Mitbewohnerin verliebt. Testperson B hat nach eigenen Angaben Glück in der Liebe und befindet sich in einer harmonischen Beziehung.

Versuchsort

Der Feldversuch findet am 13.12.2012 im Spielcasino Hamburg statt.

Versuchsaufbau, -skizze, -durchführung

Testperson A und Testperson B besuchen an diesem Abend das Casino. Beide erhalten 100 Euro Versuchskapital, die gegen Jetons einzutauschen sind und vollständig eingesetzt werden müssen. Das Glück wird in drei verschiedenen Disziplinen getestet:

1. an den Spielautomaten (Dolphin Treasure, Wicked Winnings und Samurai's Honor),

2. beim Black Jack (die Testpersonen dürfen sowohl selbst spielen, als auch auf andere Mitspieler setzen),

3. beim Roulette (die Teilnehmer entscheiden frei, ob sie auf Zahl, Farbe, Dutzend etc. setzen).

Nach Abschluss der 3. Disziplin werden die Jetons gezählt.

Versuchsbeobachtung

1. Zu Beginn des Versuchs wählt Testperson A den Automaten Dolphin Treasure und Testperson B Wicked Winnings. Testperson A verliert fünf Euro, Testperson B gewinnt Spielmünzen im Wert von sieben Euro.

In einem zweiten Durchlauf wählt Testperson A Wicked Winnings, gewinnt knapp sechs Euro. Testperson B wechselt zu Samurai's Honor und verliert fünf Euro.

2. Beim Blackjack verzichtet Testperson A auf den Einsatz - zu verwirrend scheinen die Spielregeln. Testperson B setzt zehn Euro auf das Spiel eines spielerfahrenen Geschäftsreisenden, der mit zur Schau gestellter Gleichgültigkeit große Geldmengen setzt. Person B verliert zehn Euro.

3. Beim Roulette setzt Testperson A kleine Beträge, die sie letztlich alle verliert. Testperson B bleiben bei ähnlicher Strategie zum Schluss 40 Euro. Am Ende des Abends fahren Testperson A und Testperson B von dem Geld mit dem Taxi in eine Kneipe und trinken Gin Tonic.

Versuchsergebnis

Testperson A hat 100 Euro im Casino verspielt. Testperson B hat 60 Euro verspielt.

Versuchsdeutung

Testperson A hatte an diesem Abend Pech im Spiel und kein Glück in der Liebe. Testperson B hatte geringfügig weniger Pech im Spiel. Die Kneipe ist für die Liebe, was die Bank für das Spiel ist: Am Ende gewinnt immer sie.

SCHORNSTEINFEGER BRINGEN GLÜCK.

Warum Wolfgang Jahn auf der Straße dauernd angefasst wird

INTERVIEW: ANKE DÜRR

KulturSPIEGEL: Herr Jahn, erkennt man Sie bei der Arbeit noch als Schornsteinfeger? Tragen Sie noch Schwarz?

Ja, ich bin noch in der Kluft. Mit lederbesetzter Zunftkleidung und Zylinder und weißem Halstuch, immer frisch gewaschen.

Und wie sind die Reaktionen auf der Straße?

Immer positiv. Es sind immer noch ganz viele, die einen antatschen, einem auf die Schulter klopfen. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs durch meinen Bezirk, wegen der Parkplatzprobleme, und ich muss oft anhalten. Manche muss ich sogar umarmen, oder die Leute wollen an meinem Jackenknopf drehen.

Selbst in der Weltstadt Hamburg ist man noch abergläubisch?

Ja, sogar bei der jungen Generation, so ab dreißig, ist das noch bekannt, dass wir Glück bringen. Bei den noch Jüngeren nur selten, die lachen darüber, die sind ganz anders drauf. Die sind ja auch gar nicht mehr draußen, die sitzen nur noch im Büro.

Nervt das nicht, immer angefasst zu werden?

Nein, warum soll das nerven? Ich hatte mal einen Lehrling, der war zuvor Polizist. Der sagte, das sei wie ein neues Leben. Vorher war er nicht so gern gesehen. Als Schornsteinfeger hat man immer einen Schritt gut.

Glauben Sie selbst daran, dass Sie Glück bringen?

Den anderen Leuten auf jeden Fall, ja. Ich selbst habe aber auch das Gefühl, ich komm ganz gut über die Runden.

Bedanken sich die Leute auch bei Ihnen, wenn Sie ihnen geholfen haben?

Ja, gerade hat mich eine Frau zum Kaffee eingeladen, die hatte im Sommer eine Prüfung und hat mir jetzt erzählt, dass sie bestanden hat. Der hatte ich so einen kleinen Schornsteinfeger aus Plastik mitgegeben, die kaufe ich im Tausender-Pack, da hab ich immer welche bei mir.

Und haben Sie auch das Gefühl, Sie haben Ihren Anteil am Erfolg - allein schon, weil die Menschen dank Ihnen optimistischer in ihre Prüfung gegangen sind?

Schon möglich, ich bin ja kein Psychologe.

Woher kommt es eigentlich, dass ausgerechnet der Schornsteinfeger als Glücksbringer gilt?

Wir kommen ja eigentlich vom Brandschutz, und wir passen auch heute noch auf die Bevölkerung auf. Zum Beispiel kontrollieren wir, dass die Abgase bei den Heizungsanlagen immer ordentlich abziehen und niemand vergiftet wird. Früher war die Hauptgefahr, dass ein verrußter Schornstein ganz schnell zu einem Brand führen konnte. Wir haben also Gutes gebracht, es war ganz wichtig, dass wir pünktlich kamen. Natürlich haben wir auch Ruß und Dreck gebracht, aber das war nicht so dramatisch.

Vielleicht hat sich das ja ein Schornsteinfeger vor langer Zeit mal ausgedacht, aus Image-Gründen, damit die Leute sich nicht mehr so über den Dreck ärgern und die Kinder keine Angst mehr haben vor dem schwarzen Mann.

Nein, damit hat es gar nichts zu tun. Wir waren damals einfach wichtig, und wir sind es heutzutage immer noch. Wir werden zwar ein bisschen unterschätzt, bei den ganz Jungen, aber die Älteren, die wissen das noch.

Wolfgang Jahn, 53, ist Bezirksschornsteinfeger in Hamburg-Eimsbüttel

INTERVIEW: ANKE DÜRR

ES STEHT IN DEN STERNEN.

Welches Kultur-Event passt zu welchem Monat? Die Voraussage für 2013.

HOROSKOP: TILL AHRENS

WASSERMANN

19. JANUAR BIS 18. FEBRUAR

Der Wassermann-Neumond fällt in diesem Monatshoroskop in den letzten Bereich: Es ist gut, das Jahr behutsam anzugehen und sich genug Zeit für sich zu nehmen. Der Alltag fällt schwerer als sonst, denn der Fokus geht nach innen. Altes will verarbeitet werden. Meditation und Yoga können dabei behilflich sein.

Klassik: Am 30.1. singt Christine Schäfer in der Alten Oper Frankfurt Schuberts "Winterreise" live; sonst auf CD (Onyx Classics). Die perfekte Musik zur inneren Einkehr.

WIDDER

20. MÄRZ BIS 20. APRIL

Mit Widder beginnt das eigentliche astrologische Jahr. Dunkelheit und Kälte weichen. Es ist Zeit, Neues zu beginnen. Ein sehr dynamischer Mars und eine kreative Venus gesellen sich zum Neumond, der in den beruflichen Bereich fällt. Kreative Impulse verbinden sich mit interessanten Projekten.

Kino: "Machete Kills", der zweite Teil von Robert Rodriguez' Rächer-Epos "Machete" (Start: 11.4.). Ein kreativ-dynamisches Gemetzel.

ZWILLINGE

20. MAI BIS 21. JUNI

Am 21. Mai bilden Uranus und Pluto bereits den dritten Spannungsaspekt, der sich zuerst 2011 andeutete. Als Auswirkung kam es weltweit vermehrt zu politischen Protesten. Der ausgelöste Prozess wird weitergehen: Einengende Machtstrukturen werden zunehmend als unerträglich empfunden. Durch diese neue Freiheit gewinnt das Leben an Lebendigkeit.

Multimedia: "GTA V", der neueste Teil des Erfolgsspiels, ist angesiedelt in der fiktiven Version von Los Angeles und dreht sich, gesellschaftskritisch, um Geld und soziale Spannungen in den USA. Und um wilde Verfolgungsjagden mit Autos, Motorrädern und Quads natürlich.

FISCHE

18. FEBRUAR BIS 20. MÄRZ

Ein außergewöhnlicher Monat: Sechs Planeten versammeln sich in den Fischen im Bereich der Gesundheit. Die Zeit steht optimal dafür, sich mit den Zusammenhängen von Körper und Geist zu beschäftigen und gegebenenfalls das eigene Verhalten zu verändern. Welche Gewohnheitsmuster schaden uns, welche sind uns zuträglich?

Kunst: Meret Oppenheim beschäftigt sich mit Androgynität. Chance zur Reflexion über Sex-Muster bietet ihre Schau "Über den Bäumen" im Sprengel Museum, Hannover. 20.2.-5.5.

STIER

20. APRIL BIS 20. MAI

Merkur dominiert diesen Monat und fällt in den Bereich "Familie". In dieser Zeit drehen sich die Gedanken um familiäre Themen. Austausch und Aktivität innerhalb der Familie rücken in den Vordergrund. Es ist die beste Zeit im Jahr, latente Konflikte zu klären und die Anforderungen von Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Buch: Peter Schneider, Wortführer der 68er-Bewegung, enthüllt eine Dreiecksbeziehung: "Die Lieben meiner Mutter" (Kiepenheuer & Witsch, ab 16.5.).

SKORPION

23. OKTOBER BIS 22. NOVEMBER

Saturn steht in direkter Verbindung mit dem Neumond im Skorpion. Saturn in dieser Konstellation erzwingt, sich längerfristig bestehenden Problemen zu stellen und ggfs. schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Dieser Prozess wird durch einen freundlich gestellten Mars unterstützt.

Kino: Die Doku "One Direction" porträtiert die gleichnamige Boyband, die zum längerfristigen Problem wird (Start: 14.11.).

KREBS

21. JUNI BIS 22. JULI

Der Neumond fällt zusammen mit Merkur in den Bereich "Freunde", und auch Uranus und Pluto haben beträchtlichen Einfluss. Offene und intensive Kommunikation ist gefordert, um Wünsche und Vorstellungen zu vermitteln. Neue spannende Freundschaften und Bündnisse entstehen. Unerwartete Wendungen stehen an.

Theater: Eine spannende Koproduktion zwischen dem Young Vic London und dem Residenztheater steht in München ab Juni auf dem Spielplan: Tina Lanik inszeniert Max Frischs "Stiller"; ihr Ensemble wird unterstützt von der Handspring Puppet Company.

JUNGFRAU

23. AUGUST BIS 22. SEPTEMBER

Sonne, Mond und Merkur vereinen sich am höchsten Punkt des Monatshoroskops, und Jupiter im Krebs ist ihnen freundlich gesonnen. Jupiter begünstigt die Auseinandersetzung mit weltanschaulichen und philosophischen Themen. Es geht darum, durch das Gespräch mit anderen, neue Ziele zu definieren. Wohin führt der eingeschlagene Weg?

Kino: Der philosophische Blockbuster: In "Elysium" (Start: 22.8.) lebt die Oberschicht auf einer Weltraumstation, während der Rest auf der Erde darbt und den Aufstand probt.

SCHÜTZE

22. NOVEMBER BIS 21. DEZEMBER

Uranus steht im harmonischen Aspekt zum Neumond im Zeichen Schütze. Uranus sorgt für frische Impulse und Ideenreichtum. Dazu kommt ein Waage-Aszendent, der für Harmonie und Kontaktfreudigkeit steht. Eine gute Zeit für neue Kontakte und inspirierende Begegnungen.

Pop: Katie Melua, Expertin für harmonische Glückseligkeit, startet am 21.11. ihre Tour. Wer weiß, wem man bei so einem Konzert begegnet.

WAAGE

22. SEPTEMBER BIS 23. OKTOBER

Der Neumond in der Waage fällt in den Bereich "Lernen und Studieren". Ihm gegenüber steht Uranus, der radikale Erneuerungen auf allen Ebenen provoziert. Diese Zeit eignet sich auch besonders gut dafür, sich mit Ästhetik und Kunstgeschichte auseinanderzusetzen, um Hintergründe und Zusammenhänge besser zu erfassen.

Kunst: Louise Lawler interessiert sich für das System Kunst und analysiert es in Fotos. Museum Ludwig, Köln. 12.10.2013-27.1.2014.

LÖWE

22. JULI BIS 23. AUGUST

Diese Zeit steht unter einem Stier-Aszendenten, der kulinarische Vergnügung und sinnliche Unterhaltung in den Vordergrund stellt. Die Venus fordert in diesem Monat auf, es sich gutgehen zu lassen und Spaß zu haben. Der Monat für Gourmets, Genießer und solche, die es werden wollen.

Theater: Die Salzburger Festspiele (19.7.- 1.9.) setzen auf Unterhaltung - etwa beim "Jedermann", dieses Jahr gleich in zwei Inszenierungen. Falls die nichts sind: Kulinarisch empfehlen sich die Gasthöfe im Umland.

STEINBOCK

21. DEZEMBER BIS 20. JANUAR

Zum Jahresende ergibt sich eine brisante Konstellation: Pluto in Verbindung mit dem Neumond, zusätzlich stehen Mars und Uranus im Quadrat. Es geht darum, in Bezug auf konfliktreiche interkulturelle Probleme klar Stellung zu beziehen, Neuerungen anzugehen und gleichzeitig Achtsamkeit und Mitgefühl zu entwickeln.

Kino: Keanu Reeves fügt sich in "47 Ronin" (ab 25.12.) als gesetzloser Samurai in eine japanische Kämpfer-Truppe ein. So geht interkulturelle Verständigung.

Illustrationen: Katharina Gschwendtner

ORAKELSCHWEINE? FLUGSALBE? WISSENSWERTES AUS DER WELT DES ABERGLAUBENS.

HUFEISEN

Sie sind eigentlich nicht als Glücksbringer gedacht, sondern sollen vor Dämonen und Unwettern schützen.

FARBE

Der Anblick gelber Gegenstände soll bei der Heilung von Gelbsucht helfen. Rotweinfarbene Amethysten bei Alkoholsucht.

SCHWALBE

Die meisten Tiere können sowohl Glück als auch Unglück bringen. Als ganz sichere Bank gilt aber immerhin die Schwalbe.

GLÜCKSPFENNIG

Vorsicht mit Glückspfennigen und Glücks-Cents: Nur die aufsammeln, die man selbst verloren hat. Alle anderen bringen Unglück!

BÖSER BLICK

Er kommt angeblich von schlechten Körpersäften, die über die Augen verdunsten. Deswegen ist er auch vererbbar.

REGENBOGEN

Wer das Ende entdeckt, findet Gold, heißt es. Wer darunter durchläuft, könnte allerdings das Geschlecht wechseln.

EPILEPSIE

Im älteren Christentum glaubte man, Epilepsie mit Exorzismus heilen zu können. Die alten Römer versuchten es mit Blut von Gladiatoren.

MARIENKÄFERMORD

Eine alte Weisheit aus der Pfalz erklärt Migräne so: Für jeden getöteten Marienkäfer schlägt einem der Herrgott einen Nagel in den Kopf.

BRUNNEN

Münzen hat man früher vor allem deshalb in Brunnen geworfen, um die leicht reizbaren Wassergeister gnädig zu stimmen.

DAUMENDRÜCKEN

Der Daumen ist der Dämonenfinger. Daumendrücken bringt also deshalb Glück, weil es die Dämonen an der Arbeit hindert.

FREITAG

Freitags sind die Hexen unterwegs: deshalb besser nicht heiraten, umziehen, reisen und schon gar keine Kriege anzetteln.

LEBER

Sie galt in der Antike als Sitz der Seele. Im Mittelalter und in der Neuzeit wurden dort eher Wollust und Zorn verortet.

HORNGESTE

Das Herausstrecken des zweiten und fünften Fingers gilt vielen als Teufelsgeste, ist aber ein altes Mittel gegen den bösen Blick.

STINKEFINGER

Er war schon im alten Rom verbreitet. Als Phallus- und damit Fruchtbarkeitssymbol wollte man damit Dämonen in die Flucht schlagen.

KOBOLDE

Diese Hausgeister halten sich meist drinnen auf. Sie gelten als hilfreich und fleißig, können aber bei Lärm sehr ungemütlich werden.

HANDLESEN

Das Handlesen hielt schon Aristoteles für aufschlussreich. Der Fachbegriff ist Chiromantie.

TOTBETEN

Um jemanden totzubeten, galt der 109. Psalm als wirkungsvoll. Um Heinrich III. auszuschalten, wurden angeblich 40 Messen gelesen.

GLÜCKSSCHWEINE

Neben vielen anderen Dingen wissen Schweine angeblich lange im Voraus, wer wann wen heiratet.

BAUMSCHATTEN

Wirken unheimlich und verheißen damit meist nichts Gutes - am Schlimmsten ist der vom Nussbaum, denn darin sollen Hexen feiern.

TÜRSCHWELLEN

Beliebte Aufenthaltsorte von Hausgeistern. Deswegen lieber nicht drüber stolpern und die Braut unbedingt darüber tragen.

ANIMISMUS

So nennt man allgemein den Glauben an Seelen- und Geistwesen. Allmächtige Götter treten hier nicht auf.

KATZEN

An Land eher gefürchtet, gelten sie auf See als gerngesehene Glücksbringer (und Schädlingsbekämpfer). Selbst die schwarzen.

NOTWEHR

Letzte Abwehrmöglichkeiten eines Hexenangriffs: ausspucken, auf Holz klopfen, Eisen berühren, sich bekreuzigen. Viel Glück!

KLEEBLATT

Probleme mit der Partnersuche? Ein vierblättriges Kleeblatt unterm Kopfkissen offenbart im nächsten Traum den oder die Richtige.

HEXENSALBE

Essentiell zur Verbesserung der Flugkünste. Vermutete Inhaltsstoffe u. a. Eisenhut, Ruß und das eingekochte Fett eines Knaben.

ZAHLEN

In der westlichen Kultur haben sich vor allem die 7 und die 12 als Glückszahlen durchgesetzt. In China ist es die 8.

ATZMANN

Die hiesige Version der Voodoo-Puppe. Er wurde vorzugsweise aus Wachs gefertigt. Lehm, Teig und Holz taten es auch.

MASKOTTCHEN

"Maskottchen" leitet sich aus dem provenzalischen Wort "masco" ab. Das bedeutet: Hexe.

DANKE SAGEN

Eigentlich ein Muss. Wer aber einer Hexe nach einer vermeintlich netten Tat das Danke verwehrt, soll sie so unschädlich machen können.



KulturSPIEGEL 1/2013
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