31.12.2012

Tauschgeschäfte

Weniger Ausstellungen, längere Laufzeiten: eine Vorschau auf die wichtigsten Kunst-Events im Jahr 2013.
M useen müssen sparen, trotzdem gibt es wunderbare, interessante Ausstellungen. Wie das geht? Sie laufen einfach länger. Das kann man als Sparmaßnahme oder als Chance sehen, wirklich hinzugehen. Zum Beispiel zu einer der drei Meret-Oppenheim-Ausstellungen, mit denen der Surrealistin zu ihrem 100. Geburtstag gedacht wird. So zeigt das Sprengel Museum Hannover 60 Werke zu Erotik und Oppenheims Verhältnis zu Natur und zum Unbewussten (20.2.-5.5.), das Bank Austria Kunstforum in Wien präsentiert eine umfassende Retrospektive (21.3.-14.7.), die anschließend nach Berlin wandert (Martin-Gropius-Bau, 16.8.-1.12.). Wer in Wien ist, darf die Retrospektive von Franz West "Wo ist mein Achter?" nicht verpassen (Mumok, 23.2.-26.5.). West, der im Juli 2012 starb, hat noch selbst an der Präsentation seiner spielerischen skulpturalen "Kombi-Werke" mitgearbeitet. In Düsseldorf pflegt man einen anderen Skulpturenbegriff. Das zeigt die große Schau "Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf 1945 bis heute" (K20, 20.2.-28.7.) mit Werken von Lehrenden wie Ewald Mataré, Joseph Beuys oder Katharina Fritsch und von ehemaligen Studenten - eine lange Liste bekannter Namen. Das Museum Kunstpalast widmet dem gegenständlichen Maler Konrad Klapheck und seinen pop-surrealen Maschinenbildern eine Retrospektive (28.4.-4.8.). Im Juni beginnt für die Kunstszene die Reisezeit: nach Basel zur Messe (13.-16.6.) und nach Venedig zur 55. Kunst-Biennale, die der junge Kurator Massimiliano Gioni verantwortet. Und, Achtung, der deutsche Pavillon tauscht mit dem französischen den Ort, dort stellen die für Deutschland eingeladenen Künstler Ai Weiwei, Romuald Karmakar, Santu Mofokeng und Dayanita Singh aus (1.6.-24.11.). Nicht verpassen darf man die große Albert-Oehlen-Überblicksschau in Wien (Mumok, 14.6.-6.10.) mit Gemälden von den frühen achtziger Jahren bis heute, deren Werkgruppen, so der Künstler, sich in einem ständigen "Widerstreit der Ideen" befinden. Ein ganz großes Highlight bietet die Frankfurter Schirn mit "Philip Guston - das große Spätwerk" (6.11.-2.2.2014). Der abstrakte Expressionist brach Ende der sechziger Jahre mit seinem Stil und brachte als Erster die Figur in die amerikanische Malerei zurück - ein Verrat und Skandal aus der Sicht von Kritikern und Kollegen. Solche Probleme haben Kerstin Brätsch, Mariana Castillo Deball, Simon Denny und Haris Epaminonda nicht. Sie sind die Nominierten für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst (Berlin, Hamburger Bahnhof, 30.8.-12.1.2014).
Von Ingeborg Wiensowski

KulturSPIEGEL 1/2013
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