31.12.2012

Die Londoner Pub-Musikanten

Von Dallach, Christoph

Der Produzent Trevor Horn gilt als Erfinder des Achtziger-Jahre-Sounds. Nun steht er endlich wieder selbst auf der Bühne.

P roduzenten sind Studiozauberer, die im Schatten der Bühnenstars arbeiten. Und vermutlich denkt jeder Produzent irgendwann, dass er das, was seine Klienten machen, eigentlich genauso gut kann. Producers nennt sich nun dezent das Bandprojekt, hinter dem vor allem der Star-Produzent Trevor Horn steckt - diesmal allerdings als Musiker.

Der zum Ritter geschlagene Brite war früher schon mit eigenen Bands erfolgreich (The Buggles: "Video Killed the Radio Star" und Art of Noise: "Moments in Love"), aber erst als Produzent wurde er zum Superstar hinter den Kulissen. Bei Wikipedia wird der immerhin auch schon 63-Jährige als "Mann, der die Achtziger erfand" geführt, wegen seiner Produktionen für ABC, Frankie Goes To Hollywood oder Grace Jones. Später arbeitete er noch mit Paul McCartney, Robbie Williams und den Pet Shop Boys.

Vor sechs Jahren startete er Producers als eine Art Hobbyband mit gelegentlichen Auftritten in Pubs. Zur Hand gehen Horn da sein Produzenten-Kumpel Stephen Lipson, der Studiomusiker-Star Ash Soan und der Musiker Lol Creme, der mal mit 10cc berühmt war. Nun ist ihr Debütalbum "Made in Basing Street" erschienen. Ein wundersames Album, das wie aus der Zeit gefallen klingt. Der Sound erinnert an den Kunst-Rock der Siebziger, die Produktion an den Bombast-Pop der Achtziger. Dass allen Beteiligten der kommerzielle Erfolg schnuppe sei, wie Lol Creme behauptet, ist glaubhaft, denn Geld braucht da keiner. Dass sich die Producers im neuen Jahr auf Konzertreise wagen, liegt auch an Trevor Horn, der nach einer familiären Tragödie Ablenkung sucht. Das Rampenlicht hat er lange genug gemieden.

Producers: "Made in Basing Street" (India/Big Lake)


KulturSPIEGEL 1/2013
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