31.12.2012

Neue Jazz-CDs

Von Hielscher, Hans

Rusconi: "Revolution" (Bee Jazz)

Auf der Suche nach Klangfarben geht Stefan Rusconis Trio über das hinaus, was Klavier, Bass und Schlagzeug normalerweise hergeben: Die drei präparieren ihre Instrumente, bilden einen Background-Chor, pfeifen, klatschen und nutzen Feedback-Effekte. So wird ein Jazz-Trio in eine Band à la Sonic Youth verzaubert. Faszinierend!

Jacqui Naylor: "Lucky Girl"

(Ruby Star Records)

Der Sängerin aus San Francisco ist anzuhören, dass sie in einem schwarzen Baptistenchor war. Mit ihrem Stimmumfang beherrscht Naylor die Gospel-Phrasierung. Die Orgel in ihrem Begleittrio sorgt für die passenden Grooves. Naylor hat sich stilistisch nicht festgelegt und überzeugt auch bei jazzigen und poppigen Stücken.

Heinz Sauer/ Michael Wollny: "Don't Explain"

(ACT)

"Seiltanz ohne Netz" nennt Saxofonist Sauer das freie Zusammenspiel mit dem Pianisten Wollny. Zuletzt wagten sie es in der Stadtkirche Darmstadt, wo dieses Album entstand. Ein Hörerlebnis, wie Sauers verhaucht suchende Töne und Wollnys Piano-Tupfer schließlich zusammenfinden - im Miles-Davis-Gassenhauer "All Blues".

Paul Motian: "On Broadway - 5 CD-Set"

(Winter & Winter)

"Denkt nicht an die Noten, spielt einfach den Text", instruierte der Drummer seine Musiker. Motian nahm zwischen 1988 und 2008 mit diversen Bands Broadway-Songs auf; die Serie gilt als Beispiel für sensible Destruktion und Rekonstruktion von Melodien. Der stilbildende Jazz-Schlagzeuger starb 2011.


KulturSPIEGEL 1/2013
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