31.12.2012

Rumänischer Barock

Von Saltzwedel, .johannes

Dinu Lipatti ist als Pianist eine Legende. Nun sind endlich auch seine faszinierenden Kompositionen zu hören.

G randios klarer Anschlag, gestalterischer Weitblick und ein Tiefgang der Interpretation wie bei den wenigsten: Das hat den Rumänen Dinu Lipatti, der 1950 mit nur 33 Jahren der Hodgkinschen Krankheit erlag, zur Legende werden lassen. Kenner hüten die wenigen Aufnahmen des Pianisten wie Schätze. Aber kaum jemand weiß, dass Lipatti, Patensohn und später Klavierpartner des großen George Enescu, auch komponiert hat, und nicht bloß beiläufig. Gleich zu Beginn ihrer neuen Doppel-CD stellt Luiza Borac, vielgerühmte Enescu-Expertin und immer für eine Entdeckung gut, ein "Concertino en style classique" vor, dessen barockisierende Raffinesse es mit Prokofjews frecher "Symphonie classique" aufnehmen kann, ja sie in Melodik und Farbenreichtum bisweilen übertrifft. Auch die Solowerke können sich hören lassen: Schwelgt eine dreisätzige Sonate des 15-jährigen Lipatti noch in spätromantischer Tonartenfülle, entdeckt die ziemlich vertrackte Sonatine für die linke Hand (1941) Rhythmen und Klänge rumänischer Prägung für sich. Glanzstück der Kollektion aber - und eine von drei Ersteinspielungen - ist die "Fantaisie" von 1940: 30 Minuten suggestive Klaviermeditation, fünf Sätze voll erstaunlicher harmonischer Effekte und Taktbrechungen bis hin zu Jazz-Andeutungen. Auch beim Instrument hat Luiza Borac an alles gedacht, denn sie spielt auf einem Bechstein-Flügel, der Marke, die Lipatti stets bevorzugt hat

Dinu Lipatti: "Klaviermusik". Mit der Academy of St. Martin in the Fields, Jaime Martin (Avie)


KulturSPIEGEL 1/2013
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