31.12.2012

Herzbube, nicht Weichei

Von Michalzik, Peter

Der Frankfurter Schauspieler Nico Holonics ist ein Mann für extreme Emotionen - als König genauso wie als kleiner Mann.

E r ist der Total-Sympath, Dreitagebart, markante Züge, aber sensibel wirkend. Ein Mann, der sich hingeben kann, denkt man, freundlich, emotional. Nico Holonics - den Nachnamen verdankt er ungarischen Vorfahren - ist der Mann für die Frau im Mann.

Der junge Schauspieler ist neu im Frankfurter Ensemble. Er kommt aus München, wo er am Volkstheater und an den Kammerspielen gespielt hat. Könige waren dort seine großen Rollen, Richard III. bei Christian Stückl und Xerxes bei Johan Simons. Nicht unbedingt Figuren, die man als Weicheier bezeichnen würde.

Jetzt also Frankfurt. Friedrich Wetter Graf vom Strahl in Kleists "Käthchen", inszeniert als glitzernde, esoterische Bühnenballade, war hier seine erste große Rolle. Man sah einen innigen Herzbuben, der komplett in einem Gefühl versinken kann. Holonics, 29, hat in der Tat nichts gegen Gefühle. "Es geht im Theater doch darum, sich für einen guten Text und extreme emotionale Zustände zur Verfügung zu stellen", sagt er und klingt, als ob er gleich wieder loslegen möchte. Nun ist er Johannes Pinneberg, der Wirtschaftskrisenverlierer in Hans Falladas "Kleiner Mann, was nun?". Regie bei der Romanadaption führt Michael Thalheimer, ein klarer, konzentrierter, wuchtiger Regisseur. Was Nico Holonics extrem spannend findet: Eine Geschichte, die man so leicht sentimental lesen kann, nimmt Thalheimer trocken und nackt.

Kleiner Mann, was nun?

Premiere am 12.1. im Frankfurter Schauspielhaus, Tel. 069/21 24 94 94.


KulturSPIEGEL 1/2013
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