31.12.2012

Gebrochene Seelen

Von Sander, Daniel

Marion Cotillard verteidigt in "Der Geschmack von Rost und Knochen" ihren Ruf als beste Schauspielerin Frankreichs.

E s ist eine Rolle, mit der man Oscars gewinnt: eine schöne Frau, die nach einem Unfall beide Beine verliert, sich ins Leben zurücktastet und dabei noch einen anderen Verlorenen rettet. Da Marion Cotillard, 37, schon einen Oscar hat (seit 2008 für "La Vie en Rose"), braucht sie eigentlich keinen mehr - doch was sie als traurige Wal-Trainerin Stéphanie in Jacques Audiards neuem Film "Der Geschmack von Rost und Knochen" leistet, ist einfach zu gut, als dass es die Academy nicht wenigstens mit einer Nominierung würdigen wird. Es ist, als ob man durch ihre Augen hindurch direkt ins Innerste schauen könnte.

Als Stéphanie nach der Amputation nicht mehr mit ihren Schwertwalen arbeiten kann, macht sie sich an die Zähmung einer anderen Bestie: Der grobschlächtige Straßenboxer Ali (Matthias Schoenaerts) wird ihr zum Sexpartner und später zu irgendetwas anderem, das sie beide nicht definieren können. Er gibt ihr neues Selbstvertrauen, sie lässt ihn an die eigene Menschlichkeit glauben. Zwei gebrochene Seelen, die sich gegenseitig zu kitten versuchen. "Der Geschmack von Rost und Knochen" wagt in der Handlung ein paar fragwürdige Wendungen und Edelkitsch-Schlenker, aber dieser Film kann es sich leisten. Denn er hat eine Hauptdarstellerin, der man alles glaubt.

Der Geschmack von Rost und Knochen

Start: 10.1.


KulturSPIEGEL 1/2013
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