31.12.2012

Neue Filme im Januar

AB 3.1.

Jack Reacher.Regie: Christopher McQuarrie. Mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Werner Herzog (!), Richard Jenkins.

Super-Antiheld Reacher, Ex-Elite-Militärpolizist und Gerechtigkeitssucher ohne Anhang, Besitz oder Regeln, entdeckt hinter einer Amokschießerei ein Komplott. Und den eiskalten Bösewicht Werner Herzog. Traditioneller Actionthriller mit Autojagd, Nahkämpfen und rabiatem Finale in finsterer Kiesgrube, schlichtsinnig, doch präzise gemacht.

The Loneliest Planet.Regie: Julia Loktev. Mit Gael García Bernal, Hani Furstenberg.

Alex und Nica reisen kurz vor ihrer Hochzeit neugierig und abenteuerbereit mit Rucksack und einem netten wortkargen Bergführer durch die schroffen Landschaften Georgiens, bis jemand mit einer Waffe auf sie zielt und Alex seine Verlobte für einen Moment in die Schusslinie schiebt. Interessantes, langsam vor sich hin brodelndes Filmexperiment für Hardcore-Cineasten und solche, die es werden wollen.

Paradies: Liebe.Regie. Ulrich Seidl. Mit Margarethe Tiesel.

Ulrich Seidl ("Hundstage"), österreichischer Fassadeneinreißer kleinbürgerlicher Spießigkeit, beginnt seine "Liebe, Glaube, Hoffnung"-Trilogie mit der Geschichte einer einsamen, alternden Frau, die in Kenia ein bisschen Zuneigung sucht und schnell zur eiskalten Sextouristin wird. Pessimistischer, erschreckend realistischer Blick in eine brutale Welt, in der Liebe nur noch ein abstrakter Wunsch oder eine billige Ware ist. Handwerklich und schauspielerisch perfektes Kino ohne Gnade.

The Sessions.Regie: Ben Lewin. Mit John Hawkes, Helen Hunt, William H. Macy.

Gelähmter und von eiserner Lunge abhängiger Poet wünscht sich endlich die Entjungferung und lernt eine Dienstleisterin kennen, die sich auf ähnliche Fälle spezialisiert hat, sich aber eher als Therapeutin und nicht als Prostituierte definiert. Die wahre Geschichte, auf der das Drehbuch basiert, dürfte etwas weniger flockig-amüsant ausgefallen sein als die sehr unterhaltsame, aber etwas zwanghaft gutgelaunte Filmversion. Die Auftritte von Hawkes und Hunt sind als Oscar-Bewerbungen zu verstehen.

Silver Linings.Regie: David O. Russell. Mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Jacki Weaver.

Nach Psychiatrie-Aufenthalt versucht ein Football-Fan mit Neigung zu Gewaltausbrüchen, seine Frau zurückzugewinnen. Helfen soll ihm die verwitwete und ebenfalls ziemlich labile Nachbarin. Herzlich melancholisches Komödien-Drama, das an die Intelligenz seines Publikums glaubt, durchweg erstklassig besetzt. Volltreffer.

AB 10.1.

Der Schlussmacher.Regie: Matthias Schweighöfer. Mit Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Nadja Uhl.

Und wieder ein neuer Film mit und von Matthias Schweighöfer, der neuen und verbesserten Version von Til Schweiger. Als erfolgsgeiler Mitarbeiter einer Trennungsagentur, dem plötzlich der lebensunfähige Ex-Freund einer Klientin an den Fersen klebt, kommt er allerdings etwa so sympathisch rüber wie Josef Ackermann. Wenig hilfreich ist auch das atemberaubend stupide Drehbuch, das sich qualvoll von einer misslungenen Pointe zur nächsten hangelt.

AB 17.1.

Django Unchained.Regie: Quentin Tarantino. Mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio.

Ein deutscher Kopfgeldjäger und Wanderzahnarzt befreit in den US-Südstaaten kurz vor dem Bürgerkrieg einen Sklaven von seinen Peinigern und macht danach mit ihm gemeinsam Jagd auf mieses Rassisten-Pack. Überlanger, aber spaßiger History-Real-Cartoon nach dem bewährten Muster von "Inglourious Basterds", diesmal mit einem kräftigen Schuss Spaghetti-Western.

Die Nacht der Giraffe.Regie: Edwin. Mit Ladya Cheryl, Nicholas Saputra.

Die kleine Lana wird von ihrem Vater im Zoo von Jakarta ausgesetzt, wo sie von den Tierpflegern aufgenommen wird und zu einer melancholischen jungen Frau heranwächst, die sich in der Nähe von Giraffen und Elefanten wohler fühlt als unter Menschen. Ein rätselhafter Cowboy lockt sie trotzdem in die echte Welt, die mit Lana aber nicht viel anzufangen weiß. Sanfte, vor sich hin mäandernde Träumerei über die Sehnsucht nach Heimat und Nähe. Ein Fest für Fans surrealer Poesie, schwere Geduldsprobe für eher sachliche Gemüter.

Sleepless Knights.Regie: Stefan Butzmühlen, Cristina Diz. Mit Raúl Godoy, Jaime Pedruelo.

Carlos reist im Sommer wie immer von Madrid in seine ländliche Heimat, kann sich diesmal aber vorstellen, länger zu bleiben - zum einen, weil es in Madrid keine Arbeit mehr gibt, und zum anderen, weil er dem hübschen Dorfpolizisten Juan näherkommt. Das klingt nach mehr Handlung, als in dieser radikal entdramatisierten Fragmentesammlung tatsächlich erzählt wird. Hier sind die Bilder die Geschichte, und die haben eine bemerkenswert eigene Sprache.

House at the End of the Street.Regie: Marc Tonderei. Mit Elizabeth Shue, Jennifer Lawrence, Max Thieriot.

Bevor Jennifer Lawrence mit "Die Tribute von Panem" zum Superstar wurde und mit "Silver Linings" (s. o.) zur baldigen Oscar-Favoritin, drehte sie noch diesen außergewöhnlich langweiligen Gruselhaus-Horror, was ihr heute bestimmt so leid tut wie den Zuschauern.

Valley of Saints.Regie: Musa Syeed. Mit Mohammed Afzal, Gulzar Ahmed Bhat, Neelofar Hamid.

Bootsmann Gulzar hat genug von der Perspektivlosigkeit und den ständigen Gewalteskalationen am Dal-See in Kaschmir und will sich mit seinem besten Freund nach Delhi absetzen. Daran hindern ihn eine mal wieder kurzfristig ausgerufene Ausgangssperre und eine junge Wissenschaftlerin, die den ökologisch angeschlagenen See untersucht und Gulzar dabei so schöne Augen zu machen scheint, dass er doch von einer Zukunft in der Heimat zu träumen wagt. Ein liebenswerter kleiner Film aus einer Gegend, von der man nur noch wenig mitbekommt. Gern mehr davon.

AB 24.1.

Flight.Regie: Robert Zemeckis. Mit Denzel Washington, John Goodman, Kelly Reilly, Don Cheadle.

Pilot mit Alkohol- und Drogenproblem verhindert zugedröhnt bei einem Crash das Schlimmste und versucht danach zunehmend verzweifelt, seine Sucht zu verheimlichen, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. Solides, eigentlich eher konventionelles Süchtigenporträt, dessen spektakulär gefilmte Flugzeugabsturz-Szene in der Filmgeschichte allerdings ihresgleichen sucht. Sollte man sich allein deswegen schon ansehen.

Yossi.Regie: Eytan Fox. Mit Ohad Knoller, Lior Ashkenazi.

Vor knapp zehn Jahren wurde Eytan Fox' traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen zwei israelischen Soldaten zu einem kleinen Klassiker des schwulen Kinos. Nachdem es Jagger im ersten Teil dahingerafft hat, gibt es jetzt immerhin ein Wiedersehen mit Yossi, der mittlerweile zu einem recht rundlichen Oberarzt geworden ist und immer noch nicht mit sich selbst und seiner Homosexualität klarkommt. Knoller spielt die verklemmte Trantüte wie zuvor sehr überzeugend, dass jemand aber so unbelehrbar unentspannt ist, nimmt man auch ihm irgendwann nicht mehr ab.

Frankenweenie.Regie: Tim Burton.

Schwarzweiß Stop Motion Animation - 29 Jahre nach dem Kurzfilm mit echten Darstellern jetzt der Trickfilm. Mit Lieblingshund Sparky, leider tot, den Klein-Victor Frankenstein repariert und ins Leben rückelektrifiziert. Ein morbides, hochfeines, lustiges Meisterwerk um Forschergeist und Freundschaft. Wer sich im Horror-Genre auskennt, hat noch mehr davon.

Lincoln.Regie: Steven Spielberg. Mit Daniel Day-Lewis, Tommy Lee Jones, Sally Field, David Strathairn.

Für Spielberg-Verhältnisse angenehm unsentimentales, souverän packendes Porträt des wohl beliebtesten aller amerikanischen Präsidenten. Daniel Day-Lewis spielt den Mann, der die Sklaverei in den USA abschaffte und wie niemand anderes das Ideal des edlen Politikers verkörperte, gewohnt virtuos als nachdenklichen, ruhigen Pragmatiker. Lehrreich und spannend. Hat man in der Kombination ja auch nicht so oft.

Quartett.Regie: Dustin Hoffman. Mit Maggie Smith, Pauline Collins, Michael Gambon, Tom Courtenay.

Ein herz- und milde boshafter Film aus einer englischen Seniorenstätte für fossile Musiker, die sich mit einer Verdi-Gala finanziell senkrecht halten will. Da trifft Ex-Diva Joan ein und sorgt für Unruhe. Den begnadeten Insassen in diesem Alten-Traumheim zuzusehen und zuzuhören ist blankes Vergnügen.

FESTIVALS

PARK CITY

Sundance Film Festival.17.-27.1. www.sundance.org

Seinen Geist als sympathisches Independent-Festival hat Sundance ob seiner schieren Größe und Umsatzstärke längst verloren, Entdeckungen kann man hier trotzdem immer machen. Besonders gespannt wird die Filmbiografie von Apple-Guru Steve Jobs erwartet, mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle.

SAARBRÜCKEN

34. Filmfestival Max-Ophüls-Preis.21.-27.1., www.max-ophuels-preis.de

In Saarbrücken werden jedes Jahr die spannendsten jungen Talente des deutschen Kinos entdeckt, immer in der Hoffnung, dass sie danach nicht im Fernsehsumpf enden. Ehrengast ist diesmal Oskar Roehler, was natürlich mit einer Roehler-Filmreihe gefeiert wird.


KulturSPIEGEL 1/2013
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