28.01.2013

Kulturtipp

Der Regisseur Oskar Roehler plant seinen Februar

Ich lese diese Rubrik immer und bin jedes Mal ganz überrascht, wie kulturell aktiv all diese interessanten Menschen sind und wie viel sie jeden Monat machen. Das ist bei mir nicht so. Und zwar nicht, weil ich was Prätentiöses, Besonderes machen will, sondern weil ich so viel in eigenen Angelegenheiten forsche und unterwegs bin. Vor allem weil im Februar die Weltpremiere meines Films Quellen des Lebens stattfindet, am 4. in Köln und am 5. in Berlin.

Im Februar gibt es zwei kulturelle Großereignisse für mich. Das eine ist ein traditionelles Apfelkuchen-Essen in Oberfranken bei der Mutter einer Kindheitsfreundin. Dieses Apfelkuchen-Essen ist einmal im Jahr, das ist mit irgendeinem katholischen Feiertag Ende Februar verbunden, aber fragen Sie mich bitte nicht, mit welchem. Es werden immer 20 bis 50 Leute eingeladen, die zum Teil schon sehr alt sind und die ich von Kindesbeinen an kenne. Zum Teil haben die schon bei meinem Großvater in der Fabrik gearbeitet.

Das andere kulturelle Großereignis ist ein Besuch bei einem Freund in Erlangen. Der arbeitet bei der Bayerischen Schlösserverwaltung. Mit ihm zusammen will ich mir ein paar Barockkirchen angucken. Wir wollen beispielsweise ins Kloster Ettal, nach Schloss Weltenburg, und dann wollte ich mir möglicherweise noch die Gemälde von Albrecht Altdorfer in der Alten Pinakothek in München ansehen.

Und noch zwei andere Freunde will ich unbedingt im Februar treffen - Gerhard Falkner und Ludwig Fels. Das sind beides Schriftsteller, die ich schon lange kenne. Ludwig Fels besuche ich in Wien. Ich möchte mit ihm über provinzhistorische Kleinstereignisse und Erinnerungen sprechen. Ich recherchiere für ein Buch, das ich schreiben möchte. Der Arbeitstitel ist: "In den Niederungen der Rotarschpaviane". Es handelt davon, wie sich ein Schriftsteller mit seinen hehren Gedanken in die Niederungen der Filmindustrie verirrt. Von den Unterschieden in den Denkstrukturen und zwischen der konzentrierten, zurückgezogenen Geistesarbeit und dem parvenühaften Selbstdarstellerdasein in der Filmindustrie. Haupt-Alter-Ego des Protagonisten ist meine Wenigkeit.

Die Berlinale (7.-17.2.) muss man sich ja immer geben, wenn man in Berlin ist, weil man da gut Leute treffen kann. Aber ich reduziere diese Sachen auch stark. Diese Branchentreffs laufen sich irgendwann tot. Da begegnen sich 20-mal im Jahr immer wieder die gleichen 500 Leute. AUFGEZEICHNET VON MAREN KELLER

Roehler,54, ist Schriftsteller und Regisseur. Zuletzt erschien sein Buch "Herkunft" (Ullstein), das im Ort des Apfelkuchen-Essens spielt.


KulturSPIEGEL 2/2013
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