28.01.2013

Randnotizen

Babyfotos auf Facebook stellen

DARF MAN DAS?

Von Gantenbrink, Nora

Die Zahl der Geburten ist 2011 auf den niedrigsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik gesunken. Dies vermeldete das Statistische Bundesamt. Das bedeutet: 15000 Babys weniger in Deutschland als 2010.

Doch gefühlt gibt es immer mehr Babys. Zumindest auf Facebook. Freunde posten dort stolz Scans ihrer Ultraschallbilder. Es folgt: Marie, 3258 Gramm, mitsamt blutiger Nabelschnur. Sogar für Ungeborene wird vorsorglich ein eigenes Profil angelegt. Anschließend dürfen die Facebook-Freunde Neles erstes Mal auf dem Töpfchen betrachten oder Paul, rosa verschmiert vor der Erdbeersahne-Geburtstagstorte. Mehr "Gefällt mir" bekommen im Netz, wenn überhaupt, nur Katzenbilder. Das eigene Kind als Klickgarant. Die Frage ist, ob das in Ordnung ist.

Offensichtlich haben Mama und Papa in ihrem Kinderglück vergessen, wie peinlich es ihnen damals war, als ihre eigenen Eltern dem neuen Freund das Familienalbum mit den lustigen Babyfotos auf die Knie legten. Aber wenigstens steht das traditionelle Familienalbum mit Pappseiten und Knisterpapier nicht im Internet. Das moderne hingegen schon, für alle und für immer verfügbar. Massenhaft sind Kleinkinder heute mit Fotos im Internet vertreten. Der Unternehmer Stefan Freise hat die Initiative "Keine Kinderfotos im Social Web" gegründet. Er rät Eltern zum vernünftigen, mündigen Umgang. Mündigkeit leitet sich von dem althochdeutschen Wort "Munt" ab. Munt bedeutet Fürsorge nach innen, Schutz nach außen. "Mündig ist der, der für sich selbst spricht, weil er für sich selbst gedacht hat und nicht bloß nachredet", formulierte Theodor Adorno. Somit ist klar: Erst wer für sich selbst sprechen kann, darf auch bei Facebook sein.


KulturSPIEGEL 2/2013
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