28.01.2013

Verdrehte Winkel

Von Wiensowski, Ingeborg

Die Georgierin Thea Djordjadze baut fragile Skulpturen mit verwirrendem Sinn.

K eine Ahnung, wie diese Frau das schafft: Allein im vergangenen Jahr war Thea Djordjadze, 41, mit ihren Skulpturen und Installationen bei der Documenta, sie war an acht Gruppenausstellungen beteiligt und bespielte drei Einzelschauen. Stress scheint sie trotzdem nicht zu kennen, obwohl sie gerade für ihre Kölner Einzelschau neue Arbeiten produziert. Freundlich, ruhig und ernsthaft erklärt Djordjadze ihre Kunst, gibt Auskunft über Materialien und ihre Arbeitsweise, nämlich Gegenständen neue Funktionen zu geben. Sie spricht über Referenzen zu Architektur und Design und über ihre Theorie zur Moderne. Und über unterschiedliche "kulturelle Praktiken", ein Thema, das mit Djordjadzes Biografie zu tun hat: 1993 verließ sie während des Bürgerkrieges ihre georgische Heimatstadt Tiflis, wo sie Malerei studiert hatte, und kam über Amsterdam an die Düsseldorfer Akademie. In der Klasse von Rosemarie Trockel, mit der sie oft zusammenarbeitet, malte und fotografierte die Künstlerin, baute Skulpturen, schuf Videoarbeiten, machte Performances und Musik, vieles zusammen mit Kommilitonen. Lange galten ihre Arbeiten als Geheimtipp, aber spätestens seit sie bei der 5. Berlin Biennale ihre Skulpturen zeigte, erinnert man sich an ihre fragilen, geometrischen Figuren mit verdrehten Winkeln, die an gezeichnete Umrisse von Stuhl, Tisch und Bett erinnern und die aus dünnem Metall, bemalten Holzprofilen, Glas, Papier, Gips und Stoffen hergestellt oder gefundene Alltagsgegenstände sind. Und immer wieder grübelt man, warum die über und unter Skulpturen liegenden Fransenteppiche nicht nach Folklore aussehen.

Thea Djordjadze. Kölnischer Kunstverein, 16.2.- 31.3., www. koelnischer kunstverein.de


KulturSPIEGEL 2/2013
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