28.01.2013

Neue CDs

Von Saltzwedel, Johannes

Johannes Brahms: "Cellosonaten" (CAvi)

Es musste mal sein. Trotz riesiger Konkurrenz bei den Meisterwerken in e-Moll (op. 38) und F-Dur (op. 99) haben Tanja Tetzlaff und Gunilla Süssmann ihre eigene Aufnahme gewagt. Bei der dreitägigen Studioproduktion sei ihnen der fugierte Schlusssatz des früheren Stücks plötzlich "wild um die Ohren geflogen", gesteht die Cellistin heiter. Man hört es: Dieser leidenschaftlich-konsequente Brahms macht einfach Freude.

Johannes Ockeghem: "Missa prolationum" (Agogique)

Beim gewöhnlichen Kanon setzen alle Stimmen nacheinander ein. Mensurationskanons lassen die Stimmen durch länger gesungene Noten auseinanderdriften und verwenden zudem meist verschiedene Tonlagen. Ockeghems um 1480 entstandene Messe gilt als Gipfelwerk dieser vertrackten Kompositionsart - und die neun Sänger des Ensemble Musica Nova werden der kontrapunktischen Höchstleistung kongenial gerecht.

Carlo Gesualdo: "Sesto libro di Madrigali" (Glossa)

Ein Jahrhundert nach Ockeghem trieb Gesualdo, Fürst des süditalienischen Venosa, die Kunst der Chromatik ins buchstäblich Unerhörte. Zu seinem 400. Todestag hat die Compagnia del Madrigale den 1611 erschienenen, für seine Schwierigkeiten berüchtigten sechsten Teil seiner fünfstimmigen Kunstgesänge aufgenommen: verblüffende, mitunter schier entrückte Harmonien, deren tonale Kühnheit in ferne Zukunft weist.

"Helmut C. Jacobs - Wolkengedichte"

(Es-Dur)

Unermüdlich entdeckt der Akkordeonvirtuose Helmut C. Jacobs Raritäten. Zwar entstanden die - zum Teil sogar ungedruckten! - Tonballaden des Schweden Bror Beckman (1866 bis 1929) für das Harmonium, ebenso die Stücke op. 103 seines deutschen Zeitgenossen Sigfrid Karg-Elert. Aber bei Jacobs sind ihr eingängiger Klangfarbenzauber und ihre Charaktervielfalt bestens aufgehoben.


KulturSPIEGEL 2/2013
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