28.01.2013

Die Mutterrolle

Von Dehoust, Johan

Julia Jentsch ist zurück aus der Babypause. Und spielt eine falsche Schwangere.

J ulia Jentsch ist sich sicher: "Mein Kind hat als Mensch etwas mit mir gemacht." Was genau? Da muss sie lange überlegen. Na ja, ihre Tochter sei ja erst zwei Jahre alt, das könne man so konkret dann doch noch nicht sagen. Fest steht: Sie spielt nach knapp vier Jahren erstmals wieder in einer Neuinszenierung am Theater mit, in Tennessee Williams' "Die Katze auf dem heißen Blechdach", unter der Regie von Stefan Pucher am Schauspielhaus Zürich. Und: Zumindest was sich rund um ihre Arbeit verändert hat, das weiß die Gewinnerin zahlreicher Filmpreise (etwa für "Sophie Scholl - Die letzten Tage") auf Anhieb.

Sie müsse sich, gemeinsam mit ihrem Ehemann, ständig Gedanken darüber machen, wer sich um ihr Kind kümmere: "Ich kann nicht mehr so oft meinen spontanen Impulsen folgen, sondern muss mir die Zeiten gut organisieren. Aber das macht auch Spaß", sagt die gebürtige Berlinerin, 34, die erst zum zweiten Mal in ihrem derzeitigen Schweizer Wohnort auftritt. Trotzdem: Nachdem sie lange nur wenige Filmrollen angenommen habe, etwa die der Assistentin Lotte in "Hannah Arendt", sei sie froh, sich wieder "intensiv mit einem Stück zu beschäftigen". In Williams' Gesellschaftsdrama ist ein reicher Farmer todkrank, seine Nachkommen trauen sich aber nicht, ihm das zu sagen. Dafür streiten sie umso couragierter um sein Erbe. Jentsch spielt mal wieder eine kraftvolle, energische Frauenrolle: Maggie, die Schwiegertochter, die vortäuscht, sie sei schwanger, um das Familienoberhaupt milde zu stimmen. Vielleicht merkt sie ja in dieser Szene, was ihre Mutterrolle mit ihr gemacht hat.

Die Katze auf dem heißen Blechdach. Premiere am 22.2. im Schauspielhaus Zürich, Tel. 0041/44/ 258 77 77.


KulturSPIEGEL 2/2013
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