28.01.2013

Neue Filme im Februar

AB 31.1.

The Impossible.Regie: Juan Antonio Bayona. Mit Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland.

Eine britische fünfköpfige Familie auf Thailand-Urlaub wird Weihnachten 2004 vom Tsunami auseinandergespült und versucht sich danach - teilweise schwer verletzt -, im postapokalyptischen Chaos wieder zusammenzukämpfen. Regisseur Bayona schildert die unfassbare Katastrophe, bei der damals etwa 230000 Menschen starben, aus rein touristischer Perspektive, das aber auf höchstem filmemacherischem Niveau. Spannend, bewegend und in jeder Hinsicht mitreißend.

The Last Stand.Regie: Jee-woon Kim. Mit Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker.

Ein Drogen-Dealer entkommt dem FBI und rast in einer Spezial-Corvette durch Arizonas Wüste in ein Grenzkaff, wo seine Flucht nach Mexiko schon blutig geplant wird. Dort allerdings sammelt Sheriff Alt-Arnie seine Artillerie und erledigt die Bösen damit leichenreich - und sich selbst gleich mit in diesem Action-Werbefeldzug für die US-Waffenlobby.

Vergiss mein nicht.Regie: David Sieveking.

Nach dem amüsant-bissigen David-Lynch-Porträt "David Wants to Fly" dokumentiert Filmemacher David Sieveking den geistigen Verfall seiner Alzheimer-kranken Mutter. Das tut er einfühlsam und würdevoll, aber gerade wegen der großen Intimität vor allem gegen Ende wirkt der Film auch wie ein voyeuristischer Eingriff in die Privatsphäre.

Zero Dark Thirty.Regie: Kathryn Bigelow. Mit Jessica Chastain, Jennifer Ehle.

Mit fast schon unheimlicher Perfektion inszenierter Thriller über die zehnjährige Jagd auf Osama Bin Laden aus Sicht einer jungen CIA-Agentin. Dafür gab es fünf Oscar-Nominierungen, was noch viel zu wenig ist.

AB 7.2.

Parker.Regie: Taylor Hackford. Mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Nick Nolte.

Verfilmung einer berühmten Schundromanreihe, die vom Rachefeldzug des Gentleman-Gangsters Parker gegen viele schlechterzogene Kollegen erzählt. Elegantes, absolut ironiefreies Genrekino - ein Fest für Freunde des Prügelkinos und eine Zumutung für wackere Pazifisten: Denn die Fäuste und die Faustfeuerwaffen des Rächers verrichten ihre Arbeit mit erbarmungsloser Wucht.

Cirque du Soleil: Traumwelten.Regie: Andrew Adamson. Mit Erica Linz, Igor Zaripov.

Der kanadische Edelzirkus stellt Teile aus sieben Sonnenzirkus-Shows in eine schmale Rahmenhandlung: Zu Musikbombast irren zwei Liebende wortlos durch bunte, surreale 3-D-Hochglanzszenerien, um sich in einem luftigen Pas de deux zu finden. Phänomenale Akrobatik ohne viel Seele.

Inuk.Regie: Mike Magidson. Mit Gaba Petersen, Ole Jørgen Hammeken.

Von der Alkoholiker-Mutter vernachlässigt wird ein junger Inuit vom Jugendamt aus der grönländischen Hauptstadt in ein abgelegenes Heim verfrachtet, wo er mit Hilfe eines angeknacksten Seehundjägers zu seinen Wurzeln findet. Wunderschön gefilmter, manchmal etwas geschwätziger Debütspielfilm mit herzerwärmender Botschaft.

Kokowääh 2.Regie: Til Schweiger. Mit Til Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat.

Die unausweichliche Fortsetzung von Til Schweigers gigantisch erfolgreicher Patchwork-Familienkomödie wurde nach alter Schweiger-Tradition der kritischen Presse nicht gezeigt, weswegen wir an dieser Stelle nur ganz wertfrei spekulieren können, dass die rätselhaft zahlreichen Anhänger des ersten Teils wahrscheinlich wieder auf ihre Kosten kommen werden.

AB 14.2.

Findet Nemo 3-D.Regie: Andrew Stanton, Lee Unkrich.

Die Entscheidung, einige der großen Pixar-Klassiker noch einmal in nachbearbeiteter 3-D-Fassung herauszubringen, ist natürlich in erster Linie dreiste Geldschneiderei. Da "Findet Nemo" mit seiner grundguten und zeitlos witzigen Fischvater-sucht-Sohn-Geschichte aber immer noch einer der besten Animationsfilme überhaupt ist, lohnt es sich in diesem Fall durchaus, das Werk einer nachgerückten Kindergeneration mal auf großer Leinwand zu zeigen.

Quellen des Lebens.Regie: Oskar Roehler. Mit Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel, Meret Becker, Lavinia Wilson.

Unberechenbar wie immer fiktionalisiert Oskar Roehler (s. S. 4) seine eigene Familiengeschichte, um ein außerordentlich schillerndes Bild der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1980 zu entwerfen. Herausgekommen ist eine knapp dreistündige Kino-Orgie mit entfesselten Schauspielern und spektakulärer Maskenarbeit. Überbordend, überkandidelt und überladen und auf merkwürdige Weise ziemlich toll.

AB 21.2.

Der Hypnotiseur.Regie: Lasse Hallström. Mit Mikael Persbrandt, Lena Olin.

Nach dem ersten Roman der Joona-Linna-Reihe des schwedischen Autorenduos mit dem Pseudonym Lars Kepler: Persönlichkeitsfreier Kommissar aus Stockholm zieht zwecks Mordaufklärung einen Hypnotiseur mit fragwürdigem Ruf und nervigen Eheproblemen zu Rate, was in dieser hoffnungslos unglaubwürdigen Krimi-Bestseller-Verfilmung nur die erste von vielen absurden Ermittlungsentscheidungen ist.

The Master.Regie: Paul Thomas Anderson. Mit Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams.

Als Scientology-Metapher gehypte, letztlich auf jeden religiösen Kult übertragbare Kinoparabel über einen seelisch verwundeten Kriegsheimkehrer, der zum Lieblingsprojekt eines dubiosen, aber charismatischen Sekten-Gurus wird. Regie-Meister Anderson ("There Will Be Blood") zeigt einmal mehr, dass er handwerklich in einer eigenen Liga spielt, auch wenn sich die Geschichte etwas zu oft ins Vage und Kryptische flüchtet.

Les Misérables.Regie: Tom Hooper. Mit Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway.

Komplett gesungene Verfilmung des berühmten Bühnen-Musicals um die gnadenlose Jagd auf den ehemaligen Brotdieb und späteren Gutmenschen Jean Valjean im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Mit dem Romanklassiker von Victor Hugo hat das, abgesehen vom groben Handlungsgerüst, nicht mehr viel zu tun, die Fans der Bühnenfassung dürfen sich aber über viel Pomp und Spektakel freuen. Die gesanglichen Leistungen der Darsteller reichen von grandios (Hathaway) bis eher peinlich (Crowe).

Westerland.Regie: Tim Staffel. Mit Burak Yigit, Wolfram Schorlemmer.

Ein junger, labiler Rumtreiber und ein Ordnungsamt-Azubi finden auf dem winterlichen Sylt zufällig zusammen und schlittern in eine zunehmend toxische gegenseitige Abhängigkeit. Lyrisch-sanfte Studie einer Beziehung ohne Zukunft.

FESTIVAL

BERLIN

63. Internationale Filmfestspiele.7.-17.2.; www.berlinale.de

Endlich Berlinale! Das bedeutet Kino ohne Ende, diesmal u. a. von Richard Linklater, Gus Van Sant und Ulrich Seidl.


KulturSPIEGEL 2/2013
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