25.02.2013

Der Schauspieler Samuel Finzi plant seinen März

Am 7. März dirigiert Andris Nelsons, ein junger aufsteigender Dirigent aus Lettland, die Berliner Philharmoniker, den will ich unbedingt sehen. Ich finde Dirigent einen der großartigsten Berufe der Welt. Mit Oper kann man mich allerdings jagen, das ist eine gesellschaftliche Verabredung, die für mich nicht mehr funktioniert. Die lächerlichen Bewegungen der Sänger oder des Chors, die Kostüme, das kann ich nicht sehen. Deswegen gehe ich lieber in konzertante Aufführungen. Das Singen steht für mich über dem Theater. Da, wo die Worte keine Kraft mehr haben, wo der Körper keinen Ausdruck mehr findet, da fängt es an, interessant zu werden.

Ich interessiere mich auch sehr für Jazz. Ich komme aus einer Musikerfamilie, mit dieser Musik bin ich aufgewachsen. Am 6. März spielen Oregon in Potsdam, das ist eine amerikanische Band, ihre Musik geht so in Richtung Pat Metheny. Die gibt es schon ewig, ich würde sie mir aus rein nostalgischen Gründen anhören. Und die norwegische Sängerin Rebekka Bakken (s. S. 36) interessiert mich. Ich selbst singe auch manchmal. Am Deutschen Theater Berlin habe ich einen kleinen Abend gemacht, "A Night at the Movies", zusammen mit zwei Musikern, über Filmmusik und berühmte Filmmonologe, von Chaplin bis Lynch. Ich hätte Lust, damit mal auf Tour zu gehen.

Den Hitchcock -Film von Sacha Gervasi (s. S. 46) will ich unbedingt sehen, wegen Anthony Hopkins - und wegen Hitchcock. Man sagt mir immer wieder, dass ich eine gewisse Ähnlichkeit mit Hopkins habe. Hitchcock soll ja nicht sehr sympathisch gewesen sein, aber Hopkins ist mir sehr sympathisch.

Und Glaube, den zweiten Teil von Ulrich Seidls "Paradies"-Trilogie, schaue ich mir an, weil ich Seidl für einen der konsequentesten Filmemacher Europas halte. An der Berliner Volksbühne hätte ich beinahe mal mit ihm gearbeitet, da ging es auch um Religion. Er wollte, dass sich die Schauspieler auf der Bühne mit dem Glauben auseinandersetzen, mit dem sie groß geworden sind; er selbst war ja auf einer Jesuitenschule. Ich bin aber absoluter Atheist und in keiner Religion aufgewachsen. Ich habe ihm gesagt, wenn es um Glauben geht, dann muss ich spielen, und das möchte ich nicht. Er wollte das auch nicht, so arbeitet er nicht.

Im Theater ist für mich die neue Inszenierung von Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater Pflichtprogramm, Leeres Theater, das ist hoffentlich nur der Titel. Gotscheff ist der Mensch, der mir in diesem Land künstlerisch am meisten Raum geschaffen hat.

AUFGEZEICHNET VON ANKE DÜRR

Finzi,46, ist einer der gefragtesten Schauspieler im deutschen Film ("Kokowääh 2"), Fernsehen und Theater. In Berlin ist er u.a. am Deutschen Theater und am Gorki zu sehen.


KulturSPIEGEL 3/2013
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