25.02.2013

Ralf Husmann schreibt dem Piraten Johannes Ponader das Vorwort zur Autobiografie

Von Husmann, Ralf

Geboren wurde ich in München, dann zog ich nach Bayreuth. Das ist eine Tatsache, aber aus Gründen der Transparenz könnt ihr auf #ponaderbayreuth darüber diskutieren und abstimmen. Solltet ihr euch mehrheitlich für eine andere Stadt entscheiden, dann bin ich gerne bereit, meine Biografie dahingehend zu ändern. Gerade weil ich (wahrscheinlich) aus Bayern komme, weiß ich, was es heißt, wenn man Demokratie nur vom Hörensagen kennt.

Schon als Kind hab ich am liebsten Pirat gespielt. Das ist bis heute so geblieben. Schon damals in Bayreuth wollte ich anders sein als die anderen Kinder und trug beim Piratspielen zwei Augenklappen. Deswegen bin ich öfter vor Bäume und Mauern gelaufen. Es tat weh, vor allem, weil die anderen Kinder mich auch noch ausgelacht haben, aber das ist der Preis, wenn man anders sein will. Diesen Preis zahle ich gerne.

Nicht so gerne zahle ich 3,70 Euro für einen laktosefreien Milchkaffee in einem Straßencafé im Prenzlauer Berg. Schließlich bekleide ich ein Ehrenamt und habe keine Kohle. Ja, gut, ich weiß, bekleiden ist in meinem Fall ein schwieriger Begriff. Meine Schals lehnen sich modisch ans Turiner Grabtuch an, meine Strickjacken haben selbst einige Schafe schon als Provokation gewertet, und die Sache mit den Sandalen ist grenzwertig. Aber das hat man damals über die Turnschuhe von Joschka Fischer auch gesagt, und der wurde später sogar Außenminister, wohnt heute im Grunewald und hat eine Art Filmproduzentin zur Frau.

So sehe ich mich eigentlich auch. Nur ohne die alberne Frau, und ohne dass meine Themen schnarchiges Umweltpillepalle und öder Kriegseinsatz der Bundeswehr auf dem Balkan sind, sondern stattdessen grundloses Bedingungseinkommen, beziehungsweise wahrscheinlich andersrum und irgendwas mit Urheberrecht. Um mal zum Beispiel meine einzigen Beispiele zu nennen. Und natürlich ich. Ich als Mensch und Mann und alles. Diese Rolle fülle ich sicher besser aus als Marina Weisband, die meinen unbezahlten Job vorher gemacht hat. Bei der ging es ja wohl nur um Äußerlichkeiten. Bei mir geht es eben auch um mich. Und um frischen Wind. Den kann ich machen. Wobei man selbstkritisch sagen muss, dass bei den Piraten schnell aus frischem Wind ein Sturm wird, ein Scheißesturm. Dieses Buch soll dazu beitragen, das alles zu ändern. Ich weiß, dass euch Dinge ohne Strom und Internetzugang nicht so interessieren. Deswegen ist ein Buch vermutlich das falsche Medium. Diskutiert das gerne unter #buchoderwas. Je nachdem, kann ich meine Meinung auch tanzen oder hochladen. Hauptsache, ich kann den Vorschuss behalten, denn ich komme in das Alter, wo es nervt, wenn man auf Spenden angewiesen ist. Da hätte ich auch Theaterpädagoge bleiben können. Jedenfalls wäre es schade, wenn die Piraten politisch nicht mal halb so lange mitmischen wie die Republikaner oder die Schill-Partei. Und wenn man Bayreuth weiter nur wegen Wagner kennt.

Ralf Husmann,48, schreibt in seiner Kolumne für Menschen, die dringend einen Ghostwriter brauchen. Husmann wurde als Drehbuchautor von "Stromberg" und "Dr. Psycho" ausgezeichnet und veröffentlichte zuletzt mit Sonja Schönemann das Buch "Die Kiste der Beziehung".


KulturSPIEGEL 3/2013
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