25.02.2013

Reduziert und fragil

Von Dallach, Christoph

Schon die ersten Singles machten Daughter zu Stars. Zu Recht, wie das Debütalbum zeigt.

V iele Debütanten träumen davon, in eine große TV-Show wie die von David Letterman eingeladen zu werden. Als das Londoner Trio Daughter im vergangenen Jahr so ein Angebot erreichte, winkte deren Sängerin entsetzt ab: "Meine Plattenfirma hielt mich ernsthaft für verrückt", erinnert sich Elena Tonra amüsiert, aber es sei ihr nicht darum gegangen, cool zu sein: "Ich hatte einfach furchtbare Angst, vor einem Millionenpublikum aufzutreten." Letztlich ließ sich die Sängerin und Songwriterin der Band doch überreden. Aber wer den Daughter-Auftritt bei Letterman ganz aufmerksam bei YouTube betrachte, könne sehen, wie ihre Beine schlackerten, behauptet die Künstlerin.

Wenn die 22-Jährige von ihrer Band Daughter berichtet, klingt das, als wenn sie das alles auch nicht so recht glauben könne. Denn um das Trio, dessen kreative Chefin die dezente junge Frau ist, wurde schon im vergangenen Jahr viel Bohei gemacht. Dabei erscheint das Daughter-Debütalbum "If You Leave" erst jetzt. Es waren die ersten zwei Singles, die für erhöhte Aufmerksamkeit sorgten. Daughters reduzierte, fragile New-Wave-Balladen erinnern an The XX und The Cocteau Twins und fanden schnell ein großes Publikum. Songs wie "Home" und "Medicine" surrten bereits in US-TV-Serien wie "Vampire Diaries" und "Grey's Anatomy". Selbst die deutschen Daughter-Konzerte waren im vergangenen Herbst rappelvoll mit erhaben dreinblickenden und Texte murmelnden Verehrern. Die Songtexte über zerstörte Beziehungen und sinnlose Liebe sind allerdings verdächtig finster. Sollte man sich Sorgen machen? "Nein, das ist alles Fiktion, solange ich nicht im Fernsehen auftreten muss, geht es mir blendend."

Daughter: "If You Leave"

(4AD). Ab 15.3.


KulturSPIEGEL 3/2013
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