25.02.2013

Europas Monster

Von Dürr, Anke

Das "Frankenstein-Projekt" des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó ist eine Familientragödie - und ein politischer Kommentar.

D ieser Frankenstein sieht nicht aus wie ein Monster. Er scheint, im Gegenteil, wie die Idealbesetzung, nach der der Regisseur für seinen Film gesucht hat. Aber der Schein trügt.

Das "Frankenstein-Projekt" des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó, 37, beginnt mit einem Casting, und der junge Mann, den der Regisseur im Stück auswählt, stellt sich bald als sein Sohn heraus. Aus der Satire wird eine Familientragödie. "Ödipus in der Unterschicht" nannte das ein Kritiker. Und niemand entkommt hier: Akteure und Publikum sitzen zusammengedrängt in einem Container. Mundruczó brachte sein Projekt, mit dem er jetzt an der Berliner Schaubühne im Rahmen des "Festivals Internationale Neue Dramatik" (F.I.N.D.) gastiert, bereits 2007 in Ungarn heraus, als die politische Krise in seinem Land schon begonnen hatte, die sich mit dem Rechtsruck 2010 noch einmal verschärfte. Er müsse das Stück immer wieder den aktuellen Entwicklungen anpassen, berichtet er am Telefon. Für Mundruczó, der sich als Film- wie als Theaterregisseur in Europa etabliert hat, hat der Frankenstein-Mythos vor allem eine Botschaft: "Wenn wir uns nicht mit den Monstern auseinandersetzen, die wir erschaffen haben, kommen sie zu uns zurück." Das betreffe nicht nur Ungarn, sondern auch Europa als Ganzes: "Ungarn ist ein europäisches Problem." Die Frage sei dabei auch, sagt Mundruczó, "wer eigentlich das Monster ist: die Kreatur selbst oder der, der sie erschaffen hat?"

Berlin: F.I.N.D. 2013

Schaubühne, 16.-24.3., Tel. 030/89 00 23, www.schau buehne.de


KulturSPIEGEL 3/2013
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