25.02.2013

AB 28.2.

Hyde Park am Hudson.Regie: Roger Michell. Mit Bill Murray, Laura Linney, Samuel West.

Bill Murray charmiert als Franklin D. Roosevelt, der seit Kindertagen im Rollstuhl sitzt und als Opa in den dreißiger Jahren am liebsten aus der grünhügeligen Idylle im Norden des Bundesstaats New York regiert. Regisseur Michell tut erst so, als erzählte er vom unzüchtigen Flirt des Staatsmanns mit seiner hübschen Cousine. Dann lässt er den britischen Stotterkönig George VI. auf Staatsbesuch kommen, weshalb es kurz um den drohenden Kriegsirrsinn in Europa geht. In Wahrheit aber ist dieser Film bloß stumpfe Tourismuswerbung.

AB 7.3.

Nachtzug nach Lissabon.Regie: Bille August. Mit Jeremy Irons, Charlotte Rampling, Martina Gedeck.

Gnadenlos gediegene Verfilmung von Pascal Merciers Bestseller über einen verschnarchten Schweizer Lehrer, der nach Lissabon reist, um das Leben eines unbekannten portugiesischen Philosophen aus Zeiten der Diktatur zu erforschen.

No!Regie: Pablo Larraín. Mit Gael García Bernal, Antonia Zegers, Alfredo Castro.

Verspielter, sehr unterhaltsamer Auslands-Oscar-Kandidat aus Chile über den eigentlich aussichtslosen, letztlich triumphalen Versuch, das chilenische Volk 1988 per Werbekampagne von der Abwahl des Diktators Pinochet zu überzeugen.

Safe Haven - Wie ein Licht in der Nacht.Regie: Lasse Hallström. Mit Julianne Hough, Josh Duhamel.

Junge Frau mit Geheimnis auf der Flucht vor der Polizei findet neues Leben und neues Glück im malerischen Southport, North Carolina. Bis die gemeine Vergangenheit auftaucht und beinah alles verdirbt. Routiniertes Schnulzodram nach dem Roman von Nicholas Sparks.

Shootout - Keine Gnade.Regie: Walter Hill. Mit Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Jason Momoa.

Nachdem sich schon Arnie Schwarzenegger kürzlich einen fiesen Action-Flop geleistet hat, ist nun Kollege Stallone dran: Als Profikiller jagt er hier gemeinsam mit Klassenfeind Detective Kwon den Killer ihrer jeweiligen Partner. Regie-Veteran Walter Hill kommt über Altherren-Gemetzel und schlichten Humor nicht hinaus.

Take This Waltz.Regie: Sarah Polley. Mit Michelle Williams, Luke Kirby, Seth Rogen.

Verzagte und verheiratete 28-Jährige verknallt sich auf Dienstreise in einen charmanten Lebenskünstler, was ja nicht so schlimm wäre, wenn der zu Hause nicht gerade gegenüber eingezogen wäre. So aber rätselt sie einen Sommer lang, ob sie bereit ist, eine große, aber eingeschlafene Liebe für glühende Leidenschaft mit ungewissem Ausgang zu opfern. Ein typischer Sarah-Polley-Film: lyrisch und melancholisch und auf seltsam pessimistische Weise romantisch. Entzückend.

AB 14.3.

Hai-Alarm am Müggelsee.Regie: Leander Haußmann & Sven Regener. Mit Uwe Dag Berlin, Anna-Maria Hirsch, Frank Castorf, Jürgen Flimm, Tom Schilling.

Vor allem in den Nebenrollen sensationell gut besetzter Blödelfilm aus der sommerlichen Berliner Vorstadt, in dem leider kein einziger richtiger Hai vorkommt. Das Regiedebüt des Autors und Musikers Sven Regener, der hier gemeinsam mit Kumpel Haußmann inszenierte, ist nicht der wüste Trash geworden, den sich viele erhofften: Der Film plätschert so nett und lauwarm vor sich hin wie der reale Müggelsee im Hochsommer.

Hitchcock.Regie: Sacha Gervasi. Mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, James D'Arcy.

Spießige Filmbiografie, die mit lahmen Witzchen und wenigen guten Argumenten behauptet, dass der Schwerenöter Hitchcock eigentlich nur seine Frau Alma liebte. Etwas gelungener sind die Szenen vom chaotischen "Psycho"-Set, das hilft aber auch nicht mehr viel. Ein Jammer, bei so einer Edelbesetzung.

Immer Ärger mit 40.Regie: Judd Apatow. Mit Paul Rudd, Leslie Mann, Jason Segel, Megan Fox.

Erwachsenen-Komödien-Spezi Apatow verfilmt mit seiner Frau in der Hauptrolle und seinen beiden Töchtern als Nebendarstellerinnen mehr oder weniger das eigene Leben: Ein verwöhnter Spät-Hipster hadert in Los Angeles mit dem Altern und seiner Furie von Gattin. Teilweise außergewöhnlich nervige Nabelschau mit treffsicheren Pointen.

Rubinrot.Regie: Felix Fuchssteiner. Mit Maria Ehrich, Laura Berlin, Jannis Niewöhner.

Mit großer Kitschbegeisterung stürzt sich dieser deutsche Jugendfilm nach einem Bestseller von Kerstin Gier auf Vampirfilmfreunde. Die jungen Darsteller fechten und schmachten sich tapfer durch eine sehr wackelige Handlung, während Musikdonner und süße Zaubereffekte für Dramatik sorgen. Pferde kommen auch vor. Ein Jungmädchenfilm, der die meisten Jungs garantiert kaltlässt.

AB 21.3.

Kon-Tiki.Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg. Mit Pål Sverre Hagen, Anders Baasmo Christiansen.

Großer Abenteuer- und Biografiefilm über Thor Heyerdahl und sein berühmtes Experiment von 1947: Zum Beweis, dass schon vorkolumbianische Südamerikaner nach Polynesien schippern konnten, segelte der norwegische Universalgelehrte per Holzfloß selbst über den Pazifik. Nur sein eigener, oscargekrönter Dokumentarfilm von 1950 ist authentischer.

Paradies: Glaube.Regie: Ulrich Seidl. Mit Maria Hofstätter.

Eine fanatische Katholikin verbringt ihre Ferien auf missionarischem Kreuzzug durch Wien, bis plötzlich ihr lange verschwundener muslimischer Gatte auftaucht und auf die Einhaltung ehelicher Pflichten pocht. Seidls zweiter Teil der "Paradies"-Trilogie hat bei seiner Premiere in Venedig dank einer Kruzifix-Masturbationsszene schon für einige Aufregung gesorgt und steht auch sonst dem verstörenden Œuvre des Berufsprovokateurs in nichts nach.

Der Nächste, bitte!Regie: Pascal Chaumeil. Mit Diane Krüger.

Diane Krüger, angeblich zum ersten Mal als Heldin einer astreinen Romantic Comedy, verliebt sich hier aus schauerlich zusammenphantasierten Gründen in einen Volltrottel, den Dany Boon als Reisejournalist hinkaspert. Selbst für passionierte Verehrer von Krügers wunderbar sprödem Charme eine Prüfung: Gefühlskino für Gehirntote.


KulturSPIEGEL 3/2013
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