DER SPIEGEL



Ralf Husmann schreibt der Alternative für Deutschland das Gründungsmanifest

Von Husmann, Ralf

Schluss mit Feierabend! Das sind die Fakten: Vor vier Jahren konnten sich 18 Prozent der Wähler vorstellen, Horst Schlämmer zu wählen, noch mehr Leute waren für Thilo Sarrazin, obwohl das nur eine Kunstfigur von Hape Kerkeling war. Das zeigt, man muss es nicht ernst meinen, um Erfolg zu haben. Dieses Potential wollen wir nutzen!

Was interessiert die Menschen? Ficken, Fußball und Finanzen. Wir, als potentielle Politiker, sind naturgemäß schlecht in den ersten beiden Kategorien, deswegen Geld. Wir wollen ein anderes Geld. Und mehr davon. Das ist nicht populistisch, sondern anbiedernd, aber im positiven Sinn.

Gerade junge Wähler, die die Mark nicht mehr erlebt haben, wollen sie zurück, das ist ähnlich wie mit den Neonazis und dem "Dritten Reich". Von beidem distanzieren wir uns natürlich bis auf weiteres. Andere heißen Mark oder waren in der Schule schlecht im Rechnen. An diese Leute müssen wir ran.

Wir sind aber auch für Akademiker interessant, denn davon haben wir schon etliche (Zumindest noch. Wir lassen gerade checken, ob Titel wackeln könnten, wenn der Online-Mob nachguckt. Falls jemand einen kennt, der sich mit Internet auskennt, gern melden. Prophylaxe kann man gar nicht früh genug betreiben).

Kompetenz und Charisma schließen sich aus. Deswegen entscheiden wir uns für Bernd "Lucky" Lucke und Konrad Dings als unsere Spitzenkräfte. Ihre Blässe ist unsere Stärke! Leute wie Jörg Haider oder Ronald Schill haben es andersherum probiert, und wo sind sie jetzt? Tot bzw. in Rio. Das kann es doch nicht sein! Wir setzen deswegen auf die intellektuelle Elite, aber auch auf Ökonomen, also Menschen, die im Nachhinein schon immer die Finanzkrise vorhergesagt haben. Das unterscheidet uns von den Piraten. Campus statt Computer.

Entsprechend komplex ist unser Programm. Wo die Piraten sich monothematisch mit Demokratie, Urheberrecht und Transparenz vergaloppieren, reden wir über den Euro. Der Euro ist der Hauptschuldige. Der Arabische Frühling zum Beispiel war nur möglich, weil die beteiligten Länder den Euro nicht hatten (hier noch mal die Fakten checken!). Die Klimaerwärmung lässt sich ebenso auf den Euro zurückführen wie die Bildungsmisere oder Katja Riemann. Das muss eigentlich jedem einleuchten.

Trotzdem sollte der Mitgliedsbeitrag für unsere Partei nicht in Kopeken, Dukaten oder Wertmarken erfolgen. Das ist erstens albern, und zweitens bringt es uns finanziell nicht weiter. Und das ist jetzt das Wichtigste. Wie man an Angela Merkel sieht, ist das Parteiprogramm ja ohnehin wurscht, sobald man mal die Macht hat. Insofern wollen wir uns programmatisch auch gar nicht weiter verzetteln, sondern es griffig formulieren, so dass auch CDU-Wähler es verstehen: Die Alternative für Deutschland - alternativlos!

Ralf Husmann,48, schreibt in seiner Kolumne für Menschen, die dringend einen Ghostwriter brauchen. Husmann wurde als Drehbuchautor von "Stromberg" und "Dr. Psycho" ausgezeichnet und veröffentlichte zuletzt mit Sonja Schönemann das Buch "Die Kiste der Beziehung".


KulturSPIEGEL 5/2013
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