Von Dallach, Christoph
S eit Jahren quälen sich große Plattenfirmen mit allerlei PR-Bohei, um ein junges Publikum für klassische Musik zu begeistern. Aber die DJs, die in Clubs Klassik auflegten oder Mozart & Co. remixten, wurden eher belächelt. Trotzdem hat sich eine Menge bewegt. Jenseits aller Trends und Kampagnen wurden einige junge Künstler mit einer Musik erfolgreich, die Spezialisten Neo-Klassik nennen. Schöngeister wie Dustin O'Halloran, Nils Frahm, Max Richter, Ludovico Einaudi, Hauschka und Ólafur Arnalds. Insbesondere der 26-jährige Arnalds gilt derzeit als aufregende Hoffnung der Szene. Der junge Isländer begann als Schlagzeuger einer Metal-Band mit dem vielsagenden Namen Fighting Shit und entdeckte dann seine Faszination für Streicher, Klavier und getragene Melodien. Seitdem veröffentlichte er vier Alben und diverse Singles mit fragilen, instrumentalen Klängen, die er gern mal mit Elektronik ausschmückt. Auf seinem aktuellen Album "For Now I Am Winter" ist erstmals Gesang zu vernehmen - wenn auch sehr diskret. Arnalds Musik ist in Film-Soundtracks und Werbe-Clips zu hören, seine Konzerte in großen Hallen sind ausverkauft, auch auf Indie-Rock-Festivals kann er punkten - weshalb er nun bei einem jener Labels unter Vertrag ist, die Klassik verjüngen wollen. Große Unterschiede zum Metal sieht Arnalds nicht: "Man schreibt eine Melodie und einige Akkorde. Eigentlich ist es überall dasselbe, oder?"
Ólafur Arnalds: "Broadchurch"
(Universal, digital). Tournee ab 12.5. Infos: www.land streicher-booking.de
KulturSPIEGEL 5/2013
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