DER SPIEGEL



Fremd im eigenen Land

Von Dürr, Anke

Mit ihrem Stück über eine Migrantin der zweiten Generation ist die Autorin Azar Mortazavi beim Mülheimer "Stücke"-Wettbewerb dabei.

E s ist eine komplizierte Beziehung. Ein Drama eben: Leila ist jung, George könnte ihr Vater sein. Sie ist optimistisch, er glaubt an nichts mehr. Leila sucht Liebe und Geborgenheit, George hat nur Sex und anschließende Zurückweisung zu bieten. Gemeinsam ist ihnen nur, dass sich beide fremd in ihrem Leben fühlen. Leila sehnt sich deshalb nach einem Kind und nach der unbekannten, fernen Heimat ihres Vaters.

Leila ist die Hauptfigur in "Ich wünsch mir eins", dem erst zweiten abendfüllenden Stück der Dramatikerin Azar Mortazavi, 28, uraufgeführt in Osnabrück (Regie: Annette Pullen) - und nun eingeladen zum wichtigsten Wettbewerb für deutschsprachige Dramatiker, dem Mülheimer "Stücke"-Wettbewerb. Als "erfreulich unsentimental" lobte es die Jury, die in diesem Jahr gleich drei junge Autorinnen nominiert hat.

Mortazavi ist in Rheinland-Pfalz geboren und aufgewachsen. Ihr Vater stammt aus Iran, ihre Mutter aus Deutschland. Das beherrschende Gefühl ihrer Figur Leila, "dass man zum Fremden erklärt wird, ohne wirklich fremd zu sein", gehe auf eigene Erfahrung zurück, sagt die Autorin, die in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert hat. "Man ist vertraut mit diesem Land, man beherrscht die deutsche Sprache perfekt, und trotzdem wird einem das Fremdsein übergestülpt." Mortazavi liest gern Autoren mit ähnlichen Erfahrungen, Melinda Nadj Abonji zum Beispiel. "Sich in anderen Geschichten wiederzufinden, diesen Moment finde ich schön."

Mülheim an der Ruhr: Stücke 2013. 11.-29.5., www.stuecke.de


KulturSPIEGEL 5/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

KulturSPIEGEL 5/2013
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!


Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Bei Spodats erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Fremd im eigenen Land

TOP



TOP