DER SPIEGEL



Der unmögliche Traum vom Glück

Von Sander, Daniel

In "Freier Fall" verliebt sich ein Polizist und werdender Vater in einen Kollegen. Ein Problemfilm von ungeahnter Leichtigkeit.

W enn Marc Borgmann (Hanno Koffler) ein Spießer ist, dann wenigstens ein glücklicher. Er hat einen soliden Job bei der Bereitschaftspolizei, seine Bettina (Katharina Schüttler) erwartet das erste Kind, die Eltern finanzieren die Doppelhaushälfte. In diesem perfekten Leben hat jemand wie Kay Engel (Max Riemelt) keinen Platz. Kay ist ein merkwürdig rebellischer Kollege, den Marc bei einer Fortbildung kennenlernt. Er bietet ihm erst einen Joint an, dann seine Freundschaft und dann sein ganzes Herz. Irgendwann stehen die beiden im Wald und küssen sich. Marc spürt, dass ihm sein Leben entgleitet. Und krallt sich doch daran fest, solange es geht.

Zwei traurige Helden müssen ihre Liebe vor dem heterosexuellen Establishment verbergen - schwule Problemfilme sind etwas aus der Mode gekommen, seit sie 2006 mit "Brokeback Mountain" ihren König gefunden haben und Filmemacher wie Andrew Haigh ("Weekend") heutzutage für ihre entspannten schwulen Alltagsgeschichten gefeiert werden. Stephan Lacants Spielfilmdebüt "Freier Fall" wirkt da mit seinem schicksalsschwangeren Ansatz fast wie aus der Zeit gefallen. Aber Problemfilme müssen nicht anstrengend sein, wenn sie mit so viel Leichtigkeit erzählt werden wie dieser. Lacant versucht keine Abhandlung zu "Homosexualität im Polizei-Milieu" - vielmehr erzählt er wertfrei, aber liebevoll von drei Menschen (verkörpert von drei phantastischen Schauspielern), die den unmöglichen Traum vom Glück träumen: Kay wünscht sich nur einen anständigen Freund, Bettina eine heile Familie und Marc alles zusammen. "Freier Fall" lässt ihre Träume platzen. Und findet trotzdem, dass es sich immer zu träumen lohnt.

Freier Fall

Start: 23.5.


KulturSPIEGEL 5/2013
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