DER SPIEGEL



AB 2.5.

I, Anna.Regie: Barnaby Southcombe. Mit Charlotte Rampling, Gabriel Byrne, Hayley Atwell.

Angestrengt auf Film noir gebürsteter Psycho-Quatsch nach dem Roman von Elsa Lewin über einen traurigen Londoner Kommissar, der sich in eine reichlich angeknackste Mordverdächtige verliebt. Interessanteste Erkenntnis: Manche Filme kann nicht mal Charlotte Rampling retten.

Passion.Regie: Brian De Palma. Mit Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth.

Das Streben nach Macht durchkreuzt das seriöse Miteinander der Geschäftsfrauen Christine und Isabelle im hochmodernen Interieur moderner Arbeitswelten. Sadistische Attacken, Verführung, Verwirrspiele - De Palma verlässt dabei schnell die grauen Straßen der Logik und steuert unbeirrt die Abfahrt Selbstpersiflage an. Kombiniert mit Pino Donaggios Suspense-Soundtrack ist das vor allem eins: großartig!

Saiten des Lebens.Regie: Yaron Silberman. Mit Christopher Walken, Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Mark Ivanir.

Die Parkinson-Diagnose des Chefs eines erfolgreichen Streichquartetts sorgt bei den Mitgliedern für außergewöhnlich langweilige Konflikte, die ihnen bald das Privatleben und dem Zuschauer den Spaß an der tollen Beethoven-Musik und der erlesenen Besetzung vermiesen.

Der Tag wird kommen.Regie: Benoît Delépine, Gustave Kervern. Mit Benoît Poelvoorde, Albert Dupontel, Brigitte Fontaine.

Eine Familie, vereint am Rand städtebaulicher Innovation, zwischen Möbelhäusern, Einkaufszentren und Parkplätzen in Hektar-Größe. Mutter und Vater betreiben ein finsteres Restaurant, in das niemand kommt, während ein Sohn sich als spießiger Matratzenverkäufer verdingt und der zweite als gealterter Punk durch die Welt zieht. Die Brutalität neoliberaler Arbeitgeberpolitik verbindet die beiden Sprösslinge im zunehmend zerstörungswütigen Kampf gegen das System. Schwarzer Humor in Anarcho-Pose.

AB 9.5.

No Place on Earth.Regie: Janet Tobias.

Die Geschichte Dutzender Juden, die sich während des Zweiten Weltkriegs in einem ukrainischen Höhlensystem verschanzt haben, schreit eigentlich nach einer Hollywood-Verfilmung. Die muss aber erst mal so packend geraten wie dieser bewegende (mit nachgestellten Szenen gespickte) Dokumentarfilm.

Starlet.Regie: Sean Baker. Mit Dree Hemingway, Besedka Johnson, James Ransone.

Eine junge Slackerin, eine Seniorin jenseits der achtzig und ein Chihuahua kollidieren im kalifornischen San Fernando Valley. Die Indie-Variante vom Zusammenkommen zweier Generationen drischt mit jedem Bild noch ein bisschen härter auf den Hipness-Hau-den-Lukas ein. Schlichte Shirts und zarte Electronica auf dem Weg zur Selbstfindung.

Stoker.Regie: Chan-wook Park. Mit Mia Wasikowska, Nicole Kidman, David Alford, Matthew Goode.

Eleganter, komplexer Psychopathen-Thriller vom "Oldboy"-Regisseur: Nach dem Unfalltod ihres Vaters taucht Indias undurchsichtiger Onkel Charlie auf, um bei ihr und ihrer labilen Mutter Unheil zu stiften. Anschwellender Horror in beunruhigendem Familiengeflecht, das Erwachen einer 18-Jährigen am Rande emotionaler und erotischer Abgründe.

Tilt.Regie: Viktor Chouchkow Jr. Mit Yavor Baharoff, Radina Kardzhilowa.

Bulgarien, 1990: Systemkritischer Kleinkrimineller verliebt sich in die Tochter eines sozialistischen Kaderfieslings und versucht nach dem Fall der Berliner Mauer die Beziehung ins kapitalistische Hier und Jetzt rüberzuretten. Unausgegorene, aber kurzweilige Mischung aus Liebesdrama und Geschichtsstunde.

AB 16.5.

Evil Dead.Regie: Fede Alvarez. Mit Jane Levy, Shiloh Fernandez.

Respektvoll aufgepimptes Remake von Sam Raimis legendärem (in Deutschland lachhafterweise immer noch indiziertem) Billig-Schocker "Tanz der Teufel" über eine Gruppe junger Leute, die sich in einer Waldhütte unter Dämoneneinfluss gegenseitig niedermetzeln.

Love Alien.Regie: Wolfram Huke.

Warum durfte Wolfram mit seinen 30 Lenzen noch immer nicht die Frucht der Liebe kosten? Fragt sich vor allem Wolfram selbst, der auf seinem dokumentarisch begleiteten Weg zur Erkenntnis jeden Brösel verfolgt, der zur Klärung seines Dilemmas beitragen könnte. Etwas abgeschmackt, aber sehr liebenswert.

Paradies: Hoffnung.Regie: Ulrich Seidl. Mit Melanie Lenz, Joseph Lorenz.

Nach den düsteren Teilen "Liebe" und "Glaube" bringt Sozialhorrorfilmer Seidl seine Frauen-am-Abgrund-Trilogie mit diesem Ausflug in ein österreichisches Teenie-Diät-Camp zu einem nahezu versöhnlichen Abschluss.

AB 23.5.

Dieb der Worte.Regie: Brian Klugman, Lee Sternthal. Mit Dennis Quaid, Bradley Cooper.

Erfolgloser Autor findet Romanmanuskript, veröffentlicht es unter seinem Namen und wird berühmt. Da konfrontiert ihn das Leben mit dem wahren Verfasser und dem Preis, den er für seinen Wörterraub zahlen muss. Interessante Idee, die es im Kino allerdings schon in der Martin-Suter-Verfilmung "Lila Lila" zu sehen gab und die dort auch weniger konfus und banal umgesetzt wurde.

Fünf Jahre Leben.Regie: Stefan Schaller. Mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles.

Frustrierend simpel gestrickte, aber angemessen wütende Spielfilmversion der Geschichte von Murat Kurnaz aus Bremen, der fünf Jahre lang ohne einen stichhaltigen Beweis im Guantanamo-Lager festgehalten und gefoltert wurde.

FESTIVAL

Festival de Cannes

15.-26.5., www.festival-cannes.fr

Die größten Regisseure der Welt treffen sich an der Croisette: Diesmal u.a. die Coen-Brüder, Takashi Miike, Ashgar Farhadi und Roman Polanski.


KulturSPIEGEL 5/2013
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