AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 10/2017

Matthias Schweighöfer Die großen Ängste des kleinen Prinzen

Matthias Schweighöfer ist einer der größten deutschen Kinostars. Wer ihn begleitet, erlebt einen Mann, der von einer internationalen Karriere träumt - und versucht, die Ängste zu besiegen, die ihn seit seiner Kindheit verfolgen. Wovor rennt er weg?

Matthias Schweighöfer
Picture Press/Jens Koch

Matthias Schweighöfer

Von


Vor ein paar Wochen befand Matthias Schweighöfer, sein Leben könne etwas Tiefgang vertragen. Er beschloss, mehr zu lesen, überhaupt mal wieder zu lesen. Wie so häufig, wenn Schweighöfer einen Einfall hat, erwuchs daraus ein Großprojekt.

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 10/2017
Wie viel Putin steckt in Trump?

Er bat seine Assistentin Franziska, eine Liste mit hundert Büchern anzulegen, die er im Leben gelesen haben müsse. Franziska fragte Sascha, Schweighöfers Chauffeur, ob sie Matthias die hundert Bücher gleich nach Hause liefern solle. Sascha riet, mit zehn Exemplaren anzufangen.

Schweighöfer war davon so begeistert, dass er umgehend die restlichen 90 kommen ließ. Als Erstes griff er zum Roman "Das Leben der Wünsche" des österreichischen Schriftstellers Thomas Glavinic. Darin geht es um einen Mann Mitte dreißig, dem ein Unbekannter anbietet, ihm drei Wünsche zu erfüllen.

Wünsche wahr werden lassen, Träume verwirklichen, das fasziniert Schweighöfer. Er las 35 Seiten. Dann legte er das Buch weg. Keine Zeit, keine Konzentration. Wenn er von den hundert Büchern erzählt, wirkt er halb begeistert, halb amüsiert über sich selbst. Welche Titel noch in dem Stapel sind, kann er auf Anhieb nicht sagen, so genau hat er sie sich nicht angeschaut. Zu viel los gerade.

Schweighöfer ist einer der erfolgreichsten deutschen Kinostars, in einer Liga mit Til Schweiger und Elyas M'Barek. Seine Paraderolle ist der Schussel, der zu blöd ist, eine Frau richtig anzusprechen, aber am Ende kriegt er sie, weil er so ein Lieber ist. Schweighöfer-Film, das ist inzwischen ein eigenes Genre, unabhängig davon, ob er überhaupt mitspielt.

Außerdem ist Schweighöfer Geschäftsmann. Unter anderem betreibt er eine Produktionsfirma für Kinofilme und eine, die Werbespots herstellt. Er selbst wirbt für den TV-Stick von Amazon und für Wurst mit Bärchengesicht. Manchmal taucht er in den TV-Shows seiner Freunde Joko und Klaas auf und macht pubertären Quatsch.

Neuerdings ist Schweighöfer auch Sänger, gerade hat er sein erstes Konzert gegeben. Die meiste Kraft aber fließt in den Aufbau einer internationalen Karriere: In zwei Wochen läuft in 200 Ländern die erste deutsche Amazon-Serie an, mit ihm als Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent.

Mister Omnipräsent. Der Mann mit dem halben Dutzend Berufen. Das macht ihn zum idealen Repräsentanten einer Generation, die sich nicht festlegen will, im Job wie privat, und für alles ein Back-up hat. Automatisch glücklich macht es nicht.

Schweighöfer ist gerade in einer Phase, in der er viel über sein Leben nachdenkt, wieder einmal. Warum bin ich so, wie ich bin? Wie bin ich in meiner Beziehung? Wie bin ich als Vater? Die großen Fragen. Sie kommen umso öfter, je älter er wird. Er ist jetzt auch schon 35.

Es ist schwierig, ihn in diesen Wochen zu fassen zu kriegen. Er sagt Termine zu, die seine Mitarbeiter wieder einkassieren. Kommt es zu Treffen, ist Schweighöfer zugewandt und dankbar für das Interesse an seiner Person. Aber er wirkt abgekämpft.

Anfang Februar. Vormittags hat er eine TV-Aufzeichnung, nachmittags zwei einstündige Radiointerviews über sein neues Leben als Musiker. Zwischendurch übt er, Plastikflaschen auf einen Tisch zu werfen, er soll in einer Kai-Pflaume-Show gegen ein Kind antreten, das darin Meister ist. Für den Abend hat Franziska einen Tisch beim Italiener reserviert. Sascha fährt.

Schweighöfer sitzt hinten und ruft seine Lebensgefährtin an, die er "die Mutter meiner Kinder" nennt. Greta, die Siebenjährige, "die kleine Maus", will jetzt nicht telefonieren. Valentin, der Dreijährige, geht kurz ran und sagt, dass er auf dem Kika die Kinderserie "Super Wings" schaue.

Sein Beziehungsleben bezeichnet Schweighöfer selbst als "absurd". Er und seine Irgendwie-Lebensgefährtin Ani haben sich vor neun Jahren verlobt, die geplante Hochzeit in Las Vegas fand nie statt. Im Jahr darauf kam Greta zur Welt. Danach kam die Trennung. Dann Valentin.

Es gibt zwei Wohnungen. In der einen lebt Schweighöfer, mit Spreeblick, manchmal sind die Kinder zu Besuch. In der anderen, im Prenzlauer Berg, wohnt Ani mit den Kindern und zwischendurch auch er. Nicht weit davon liegt der Italiener. Nach der Vorspeise entschuldigt Schweighöfer sich, er will der Familie Pizza nach oben bringen.

Wenige Minuten später ist er zurück, etwas bedröppelt. Ani meinte, er solle nicht hochkommen, um dann gleich wieder zu verschwinden, das sei für die Kinder nicht gut. Er hat die Pizza dann im Fahrstuhl nach oben geschickt. Um halb neun will er wieder oben sein, Greta ins Bett bringen.

Noch vier Tage, dann erscheint Schweighöfers erstes Album. Es gibt kräftigere Stimmen als seine, aber er ist kein schlechter Sänger. Seine Lieder sind wie seine Filme, sie tun nicht weh. Gesänge eines weichen Mannes. Zeilen wie "Ich trag dich durch den Sturm irgendwie nach Haus, wo immer das auch ist". Schweighöfer ist ein Vertreter der neuen Weinerlichkeit, wie Philipp Poisel oder Max Giesinger. Der Satiriker Jan Böhmermann wird die Songs später in seiner Radiosendung "einfach scheiße" nennen.

Beim Essen erzählt Schweighöfer, wie es zum Album kam. Im Sommer vor zwei Jahren, nach Dreharbeiten in Südafrika, hatte er sich die Halswirbelsäule ausgerenkt; Stress, falsche Haltung. Er musste ins Krankenhaus, danach monatelang pausieren. Weil er Leerlauf schwer aushält, begann er, Lieder zu schreiben - und plante, wovon er träumte, seitdem er Michael Jackson 1992 im Goldanzug auf der "Dangerous"-Tour gesehen hatte: ein großes Konzert.

Darum hatte er Musiker stets beneidet: dass sie, anders als Filmemacher, bei ihren Auftritten spüren, wie sie Menschen ins Herz treffen. Vorneweg die Band Coldplay, seine Helden, die ihn zum Heulen bringen können. Idole, die vor 80000 Menschen spielen, aber danach sind sie allein im Hotel. Einsamer Liebling der Massen, fern von zu Hause. Ein Gefühl, das Schweighöfer kennt.

Seine Halswirbelsäule ist bis heute nicht wieder in Ordnung. Alle drei Monate lässt er sich durchchecken, Blutbild, MRT. Bei Dreharbeiten hat er seinen Osteopathen in Reichweite, der ihn notfalls einrenkt. Manchmal ist auch eine Köchin dabei, Kathi, die ihm Mahlzeiten ohne Kohlenhydrate zubereitet und zuckerfrei backt.

20 Uhr, Schweighöfer reibt sich die Augen, fasst in sein Gesicht, wie es Menschen tun, die ihre Müdigkeit bekämpfen. Er ist blass. Das Angebot, das Gespräch zu vertagen, nimmt er erleichtert an, am liebsten würde er sich jetzt neben seine Tochter legen und einschlafen.

Freunde und Mitarbeiter beschreiben Schweighöfer so: Er ist rastlos, nie zufrieden, nicht mit seinen Filmen, nicht mit seinem Körper, den er jeden Tag trainiert, etwa indem er Holz hackt. Er ist clever, aber zu nett. Er versteckt seine Ängste nicht. Mit seiner Firma Pantaleon hat er eine Struktur geschaffen, in der er sich sorglos bewegen kann. Er reagiert hochsensibel auf alles, was um ihn herum passiert. Er nimmt sich jede Kritik zu Herzen, selbst anonyme im Netz. Seine größte Angst ist es, kein guter Vater zu sein.

Zu Schweighöfers engsten Freunden zählt der Schauspieler Milan Peschel. Die beiden kennen sich seit zwölf Jahren. Peschel war damals schon ein bekannter Darsteller an der Berliner Volksbühne, Schweighöfer Nachwuchsstar und Theaterfan. Er bewunderte Peschel, suchte seine Nähe. Als ihm in einem Film die Rolle des Kommunarden Rainer Langhans angeboten wurde, war seine Bedingung, dass Peschel mitspielt.

Der holte ihn dann für eine Produktion an die Volksbühne, Frank Castorf führte Regie. Peschel sagt, Schweighöfer hätte locker für eine Theaterkarriere getaugt. "Er hätte gut an die Volksbühne gepasst mit seiner positiven Energie."

Doch Schweighöfers Filmkarriere war bereits zu weit fortgeschritten. Stattdessen besetzte er Peschel in Blockbustern wie "Der Schlussmacher" oder "Der Nanny". Die beiden wurden eine Art verrücktes Paar. Der schöne Schweighöfer. Und Peschel, der Kauz. Peschel zitiert frei nach Heiner Müller: "Man muss das Gras ausreißen, solange es grün ist." Trotzdem sei er der Meinung, Schweighöfer sollte weniger machen. "Wenn Arbeit so sehr das Leben bestimmt, bleibt leider immer etwas auf der Strecke. Wer so viel macht, treibt Raubbau an sich selbst. Davon bleibt wohl auch Matthias nicht verschont."

Ein Samstag im Februar, ein Proberaum im Osten Berlins. Noch eine Woche bis zu Schweighöfers erstem Konzert. Er ist erkältet und heiser, Nasentropfen und Schmerztabletten bringen ihn durch den Tag. Er muss noch einen Babysitter organisieren. Ein Kind hat Windpocken und ist bei der Mutter, das andere ist gesund und bei ihm, aber Schweighöfer muss am Abend zur Berlinale, Fotos machen auf dem roten Teppich irgendeiner Party. Davor sieben Stunden Bandprobe.

Er sagt: "Das ist positiver Stress, verstehste? Wie schade wäre es, wenn ich das hier nicht erleben würde!" Er übt die magischen Worte: "Berlin, ich will eure Hände sehen!", "Berlin, kommt gut nach Hause!" Er imitiert "Zugabe, Zugabe"-Rufe.

Wie eine Flipperkugel schleudert Schweighöfer an diesem Tag zwischen Ekstase und Selbstzweifel. Als er sein Lied "Wege" singt, bekommt er, wie er alle wissen lässt, "eine Gänsehaut von mir selbst". Zwischendurch kontrolliert er auf Facebook und Instagram die Reaktionen zu seinem tags zuvor erschienenen Album und fragt in die Runde: "Sagt mal, ist das gut, was ich da singe? Alle schreiben, ich hätte so eine dünne Stimme."

Später hört er über Kopfhörer das neue Intro seines Songs "Superman und seine Frau". Schweighöfer schreit: "Ist das schön! Fuck! Unglaublich! Wahnsinn! Toll! Oh Gott!"

Montag: Schweighöfer ist jetzt richtig krank und auf Antibiotika. Seine Firma gibt am Abend eine Party auf der Berlinale, tausend Gäste sind da, Filmverleiher, Kinobesitzer, Produzenten, Veronica Ferres. Er bleibt zu Hause, schaut die Science-Fiction-Western-Serie "Westworld".

Dienstag: Er tritt in einer TV-Show von Joko und Klaas auf, um das Album zu promoten. Mittwoch: Es geht besser. Donnerstag: Schweighöfer ist so nervös, dass er einen ZDF-Termin absagt. Freitag: Er hat wieder Nerven und kommt zur "NDR Talk Show". Samstag, Konzerttag: Er lässt nur den engsten Kreis an sich heran. Und den Osteopathen, der muss ihn einrenken.

Das Konzert wird lauter, als Schweighöfer es sich vorgestellt hat, manche Töne sind schräg. Wie unsicher er ist, merkt man daran, dass er vieles kommentiert, was er tut. "Ich singe jetzt ein Lied", "Wir verbeugen uns jetzt". Manchmal sagt er Sätze, die aus "Der kleine Prinz" stammen könnten: dass man an sich glauben soll, auch wenn andere es nicht tun; dass es schön ist, wenn zu Hause jemand auf einen wartet; dass er seine Kinder liebt. Das Publikum feiert ihn.

Nachts um drei liest er im Bett auf Instagram und Facebook Kommentare zum Konzert, als müsse er sich versichern, dass es gut war. Dass es überhaupt war. Am nächsten Tag ruft er seine Musikerkollegen an, weil er Ideen für drei neue Songs hat. Sie sagen, er solle mal stillehalten.

Sobald Schweighöfer einen Berg bezwungen hat, sucht er einen höheren. So ist er es von seinen Wandertouren in Österreich gewohnt. Dort macht ihm erstaunlicherweise auch seine Höhenangst kaum zu schaffen, anders als beim Treffen in einem Berliner Hotel. Es muss vom 27. in den 1. Stock verlegt werden, weil er dort oben nicht klarkommt. Wenn der Journalist vorm Fenster sitzt und mit dem Kopf wackelt, fühlt es sich für Schweighöfer an, als wackelte das Haus.

Seine größte berufliche Herausforderung ist die Frage, wie er als Künstler erwachsen werden kann. Altern im Showgeschäft ist nicht nur ein Thema, das Schauspielerinnen umtreibt, wenn sie auf die 50 zugehen, sondern mitunter auch einen milchgesichtigen Mann Mitte dreißig.

Peschel, sein Freund von der Volksbühne, rät ihm schon länger, Filme zu drehen, in denen er nicht damit beschäftigt ist, das Bild zu bedienen, das seine zwei Millionen Facebook-Fans von ihm haben. Schweighöfer hat das ja mal gemacht. Er hat Marcel Reich-Ranicki gespielt und Friedrich Schiller. Er ist ein guter Schauspieler, er kommt nur selten dazu.

Auch Schweighöfer selbst hat vorerst genug von den Schweighöfer-Filmen. Er will ernstere Stoffe angehen. Til Schweiger, sein einstiger Mentor, hat ihm mal geraten: Mach die Komödien zwischen 30 und 40 - danach spiel richtige Männerrollen.

Die Komödien waren wichtig für seine Produktionsfirma Pantaleon, sagen seine Kochefs Marco Beckmann und Dan Maag. "Matthias' Traum war es nie, Komödien zu machen. Es ging darum, unsere Firma zu etablieren. Man fängt mit den am niedrigsten hängenden Früchten an", sagt Beckmann. Wer die Deutschen ins Kino locken will, muss Komödien drehen. "Die Filme, die wir bisher gemacht haben, sind nur Zwischenschritte", sagt Maag.

Märchenhafte Erzählungen wie "Herr der Ringe" oder "Game of Thrones" schweben Schweighöfer vor. Er würde gern Menschen weltweit berühren. Ein Oscar, das wär's. Er verehrt Al Pacino. Die Amazon-Serie "You Are Wanted" soll ein erster Schritt zum globalen Ruhm sein. Schweighöfer spielt darin einen Manager, der Opfer eines Hackerangriffs wird. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass er nicht hysterisch kichert, mal kein Tölpel ist. Es ist eine ernste, spannende Serie.

Stephan Rabold / Amazon Studios / Pantaleon Films / Warner

Im April wollen Schweighöfer und seine Partner nach Los Angeles reisen, Hollywoodbosse treffen. Er hofft, dass auch Amazon-Gründer Jeff Bezos Zeit für ihn hat. In Amerika kennt man Schweighöfer nicht. Man kennt dort keinen deutschen Schauspieler. Er würde das gern ändern.

Schweighöfer rennt. Jeden Tag ein, zwei Stunden, am liebsten durch den Wald, das beruhigt ihn. Rennen ist auch seine Art, sich durchs Leben zu bewegen. Von außen ist nicht immer ersichtlich, ob er auf ein Ziel zurennt oder vor etwas davon. "Es ist beides", sagt Schweighöfer. Das Wegrennen hat wohl auch damit zu tun, dass er nie ein richtiges Zuhause hatte, sondern zwei halbe. Schweighöfer war drei, als seine Eltern sich trennten. Er wuchs bei der Mutter auf, in Frankfurt (Oder). Beim Vater in Berlin war er immer mal für ein, zwei Wochen. "Irgendwann hieß es dann, jetzt musst du wieder gehen. Im Ankommen war das Gehen immer schon angelegt. Von der Kindheit ist der Rhythmus des Verabschiedens geblieben."

Beide Eltern sind Theaterschauspieler, und wenn sie gegen 18 Uhr zur Vorstellung aufbrachen, blieb er allein. Schweighöfer sagt, noch heute steige gegen 17 Uhr leichte Panik in ihm auf. Er schaut auf die Uhr. 17.01 Uhr. "Aber nur, wenn ich allein bin."

Als Fünfjähriger übernachtete er einmal auf dem Fußabtreter vor der Wohnung, als Protest gegen die abwesende Mutter. Die Kindheit holt ihn bis heute ein: "Wenn ich nachts aufwache, ziehe ich mir die Decke über den Kopf, so wie früher, wenn ich Angst vor Monstern hatte. Es hört nie auf."

Seit vorigem Jahr geht Schweighöfer zu einer Therapeutin. Sie hat ihm gesagt, er müsse lernen, Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Wenn es regnet, dann regnet es eben. Wenn man sich den Fuß verstaucht hat, dann ist das nun mal so.

Sie hat mit ihm eine Übung gemacht. Das Kissen da vorn, das ist Ihre Angst. Wie stehen Sie zu Ihrer Angst? Wie fühlen Sie sich mit ihr am wohlsten? Schweighöfer nahm das Kissen, presste es vor seine Körpermitte. Die Therapeutin sagte: Legen Sie es weg, wie geht es Ihnen dann? Als das Kissen weg war, spürte er zunächst Unsicherheit. Dann fand er es ziemlich gut. Die Therapeutin hat ihm auch gesagt, er solle nicht so oft an den Tod denken und öfter ans Leben.

Fragt man ihn, warum er mit einem Journalisten so offen über sich plaudert, schaut er erstaunt: Man habe ihn doch danach gefragt. Schweighöfer tut viel, um gemocht zu werden. Er gibt einem auch seine Handynummer, geht danach aber nicht ans Telefon. Stattdessen mailt sein Presseagent. Schweighöfer will nun im Text manches anders sagen. Anderes gar nicht mehr.

Eine von Schweighöfers Lieblingsfilmszenen stammt aus dem US-Drama "Vanilla Sky". Darin spielt Tom Cruise einen Millionär, der erfolgreich und beliebt ist, sich aber leer fühlt. Doch sein Leben ist nur Fiktion. Durch einen Sprung vom Dach kann sich der - wie Schweighöfer - von Höhenangst geplagte arme reiche Mann in die Realität retten.

Schweighöfer sagt, auch er springe ins Leben. Jedes Mal wenn er sich Herausforderungen stelle oder Ängste überwinde. Er muss seine Reise fortsetzen, die Welt beglücken, zugleich sich selbst retten.

Es gibt eine Frage, mit der er sich noch nicht beschäftigen will. Er sagt, es sei zu früh, sie zu beantworten. Einfach weil sie so groß sei. Sie lautet: Wer bin ich?



© DER SPIEGEL 10/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.