AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 38/2017

Nazi-Opfer Das Schicksal des Kaufhauskönigs Emden

Max Emden war eine sagenhafte Gestalt, ein Mogul, der ein Imperium aufbaute, ein Hamburger Visionär. Dann brachten die Nazis ihn um sehr viel Vermögen. Bis heute wird das Unrecht nicht eingeräumt.

Emden mit seiner geschiedenen Frau, Gräfin Einsiedel, 1935

Emden mit seiner geschiedenen Frau, Gräfin Einsiedel, 1935


Maeva Emden wohnt im Schanzenviertel in Hamburg und findet es noch immer erstaunlich, wie wohl sie sich fühlt in dieser Stadt. In ihrer Kindheit in Chile sei Hamburg, ach, sei ganz Deutschland etwas gewesen, was man besser nicht erwähnte.

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Heft 38/2017
Eine Gebrauchsanweisung

Doch in demselben Maße, wie das Schweigen über Deutschland immer mehr Platz in der Familie einnahm, wuchs ihre Neugier auf dieses Land. Sie zog zum Studium nach Berlin, sie lernte ihren späteren Mann dort kennen, ausgerechnet einen Hamburger. Jetzt wachsen ihre Kinder auf in dieser Stadt, gebürtige Hamburger, wie Maeva Emdens Großvater, wie überhaupt viele ihrer Ahnen.

Vor einigen Jahren zog auch ihr jüngster Bruder Frederick, 28, hierher; er hatte sein Studium in Chile aufgegeben und absolvierte in einem eleganten Hotel an der Elbe eine Ausbildung. In dem Hotel, sagt er, habe es ein paar ältere Stammgäste gegeben, die ihn gefragt hätten, ob er zu den Emdens gehöre.

Die Emdens? Eigentlich müssten sie in diesem Land eine Berühmtheit sein. Doch wer kennt sie schon?

Maeva und Frederick Emden am ehemaligen Familienanwesen Sechslinden
Markus Tedeskino/DER SPIEGEL

Maeva und Frederick Emden am ehemaligen Familienanwesen Sechslinden

Vor allem Maevas und Fredericks Urgroßvater Max Emden war eine beinahe sagenhafte Gestalt, ein hanseatischer Mogul, der ein internationales Imperium aufgebaut hatte, ein echter Visionär, Mäzen. Doch so gut wie nichts erinnert an ihn. Nicht in Deutschland, nicht einmal in Hamburg.

Vielleicht ist das sogar Absicht, weil sich so besser verschweigen lässt, was auch Teil der Geschichte ist: Max Emden wohnte zwar seit 1927 bevorzugt in der Schweiz, aber er hat den größten Teil seines immensen Vermögens in Deutschland zurückgelassen, und daran haben sich viele bereichert. Für die Nazis war er "der Jude Dr. phil. Max James Israel Emden", und das, was er sich erarbeitet hatte, weckte ihre Gier.

Das alles ist nichts, was sich als ferne Vergangenheit abhaken ließe. Die heutigen Emdens kämpfen schließlich noch gegen das Vergessen an, sie wollen Aufklärung darüber, was war. Maeva Emden, 43, sagt, sie fürchte mittlerweile, dass noch die nächste Generation in der Familie damit zu tun haben werde. Das Geschehene lässt sich auch deshalb nicht von der Gegenwart abkoppeln, weil viel von dem, was Max Emden besaß, ja noch vorhanden ist.

Da wären die Immobilien, die nun anderen gehören, auch die teuren Bilder, von denen sich einige immerhin in Museen nachweisen lassen. Und vielleicht lösen zwei der Bilder schon bald eine Debatte darüber aus, ob man es in diesem Land mit dem Bekenntnis zur Wiedergutmachung und auch zur Wahrheitsfindung jemals wirklich ernst gemeint hat.

Bellotto-Gemälde "Der Zwingergraben in Dresden", 1751/52
bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Hans-Peter Klut

Bellotto-Gemälde "Der Zwingergraben in Dresden", 1751/52

Gemeint sind zwei Gemälde des berühmten Venezianers Bernardo Bellotto, die einst Emden gehört hatten und über Händler ausgerechnet in Hitlers Sammlung gelangt waren. Später wurden diese so malerischen wie wertvollen Ansichten von Dresden und Wien zum Eigentum der BRD, eine schmückte lange die Villa des Bundespräsidenten in Bonn; heute befinden sich die Werke als Leihgaben der Bundesrepublik in Museen. Das Bundesfinanzministerium lehnte eine Rückgabe an die Emdens wiederholt ab, im Grunde, weil die Bilder als legale Erwerbungen der Nazis galten - auch wenn das ein Widerspruch in sich ist.

Zwar hat die Bundesregierung eine Kommission eingerichtet, in der strittige Raubkunstfälle verhandelt werden sollen. Aber ausgerechnet für die beiden Bellotto-Bilder im eigenen Bestand wollte man keine Empfehlung der Fachleute einholen.

Nun ist man in Berlin bereit, die Kommission einzuschalten, so hat man es die Anwälte der Familie wissen lassen. Im Grunde ist das eine Sensation.

Die Emdens, müde in dieser Angelegenheit, haben mögliche Ansprüche allerdings auf eine jüdische Gemeinde in Berlin übertragen. Man kann Rabbiner Yehuda Teichtal - der dem SPIEGEL sagt, er hoffe auf konstruktive Gespräche mit dem Finanzministerium - nur Glück wünschen.

Denn es gibt in Ministerien und Behörden einen eigenen Abwehrmechanismus, wenn es um diese besondere Familie geht, oft wird dann ein seltsamer Unterton angeschlagen. In internen Vermerken heißt es, Max Emden habe einen "aufwendigen Lebensstil" gepflegt, keines der Familienmitglieder sei deportiert worden, es sei ihnen in jeder Hinsicht gut ergangen, und man sei moralisch zu nichts verpflichtet. In Gesprächen hört man die Sorge heraus, dass man einen Präzedenzfall schaffen könnte, würde man nachträglich auch noch die Ansprüche jüdischer Deutscher berücksichtigen, die im Ausland lebten - selbst wenn sie im Inland bestohlen worden waren.

Wie Max Emden, Jahrgang 1874, gelebt hat, wird sozusagen bis heute gegen ihn verwendet. Wie also war dieses Leben?

Der promovierte Chemiker stieg in den mittelständischen Engroshandel der Eltern ein und expandierte vor allem im Einzelhandel, beschäftigte schließlich 10.000 Mitarbeiter. Er eröffnete immer neue Kaufhäuser, unter anderem in Hamburg, Lübeck, Potsdam, Danzig, Stettin, Stockholm und Budapest (dort das berühmte Corvin). Auch das Warenhaus Oberpollinger in München war in seinem Besitz, am Berliner KaDeWe hielt er von Anfang an eine Beteiligung. Die Warenhäuser wirkten oft imposant, fast herrschaftlich, Einkaufen wurde zum Erlebnis, zu einem Inbegriff modernen Lebens. Emden prägte seine Zeit mit.

In Hamburg wohnte er auf Sechslinden, einem malerischen Landhaus, das ihm Anfang des 20. Jahrhunderts ein Reformarchitekt im elbnahen Stadtteil Klein Flottbek errichtet hatte. Emden war aktives Mitglied des Poloklubs, der neben seinem Anwesen ansässig war, auch des nahen Golfklubs. Er engagierte sich in der Hamburger Kunsthalle, war Teil der besseren Gesellschaft - und dachte über die gesamte Gesellschaft nach, schrieb Artikel über das Bauwesen oder über den Arbeitsalltag der Deutschen, der ihm zu hart erschien.

Dann ein Bruch in der Biografie, oder besser: ein glamouröser Neuanfang. Emden verkaufte 1926 etliche (aber nicht alle) Warenhäuser, ließ sich scheiden. Er erwarb die beiden Brissago-Inseln im Lago Maggiore und ließ sich auf der größeren einen Palast errichten. Dort, im Tessin, wurde er zu einer legendären Figur, über die heute noch Anekdoten verbreitet werden - ein Luxusaussteiger.

Und das war er ja tatsächlich, getrieben von der Sehnsucht, das Leben zu genießen, auch wenn er auf Fotos oft angestrengt wirkt. Da waren das Hochgeschwindigkeitsboot der Marke Riva, im Palazzo der edle Marmor, die Wandteppiche, die eindrucksvollen Bilder, etwa von Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir, die erlesenen Gäste. Und das Personal, denn auch im Paradies verzichtete er ungern auf Bügelfalten.

Monet-Gemälde "Mohnblumen bei Vétheuil", um 1880
AFP

Monet-Gemälde "Mohnblumen bei Vétheuil", um 1880

Seine junge Freundin war stets an seiner Seite, nicht selten auch seine ehemalige Frau. Von seiner Großzügigkeit profitierten viele, selbst der neue Ehemann der geschiedenen Gattin, ein Graf Einsiedel, und auch das vornehme, aber knauserige Hamburg. Das meldete sich regelmäßig schriftlich bei ihm, und fast immer wollte es Geld.

So auch der Poloklub. Emden sicherte dessen Weiterbestehen, als er das Gelände 1927 von einem Baron von Jenisch erwarb, er stiftete dann noch den Bau eines Klubhauses, stundete immer wieder die Pacht für das Gelände. Ein weiteres Vereinsheim entstand mit seinem Geld für den Golfklub Falkenstein.

Seine alten Freunde dankten es ihm - aber wohl nur bis 1933.

Dann war Dr. Emden der Jude Emden.

Das Pologelände verkaufte er Mitte der Dreißigerjahre an die damals noch eigenständige Stadt Altona. Wie man ihn dazu brachte, ist unklar. Aus dem alten Protokollbuch des Klubvorstands wurden nachträglich viele Seiten entfernt, aber es ist noch zu lesen, dass die Mitglieder des Poloklubs Reiter der SS ausbildeten.

Zwar war Emden 1934 Schweizer Staatsbürger geworden, aber die radikalen Veränderungen in Deutschland, wo eben ein Großteil seines Vermögens lag und seine verbliebenen Unternehmungen angesiedelt waren, bekam er auf dramatische Weise zu spüren. Die Nazis fingierten Steuerschulden, griffen auf seine deutschen Konten zu, sperrten Wertpapierdepots, stempelten den sogenannten Judenstern auf seine Bankunterlagen und hissten die Hakenkreuzflagge auf den durch sie beschlagnahmten Warenhäusern, in die sie längst ihre eigenen Geschäftsführer eingesetzt hatten. Emden bat die Schweizer Behörden verzweifelt um Hilfe, doch die mischten sich lieber nicht ein.

Wie freiwillig waren vor diesem Hintergrund Emdens hektische Verkäufe von Immobilien in Deutschland, die er seit Mitte der Dreißigerjahre vornahm? Oder der Bilder, die er über Händler anbot? Wie angemessen die Preise, und welche Zahlungen erhielt er überhaupt?

Ein Freund, der Schriftsteller Erich Maria Remarque, verspottete Emdens Nervosität zuerst noch als "Millionärskrankheit", später bedauerte er ihn, aber da war der Mann schon tot.

Salon in Emdens Palast auf den Brissago-Inseln um 1930

Salon in Emdens Palast auf den Brissago-Inseln um 1930

1940 starb Emden, er war 65 Jahre alt geworden. Alleiniger Erbe war sein Sohn Hans Erich, Maevas und Fredericks Großvater. Damals war er Ende zwanzig, hatte eine Kindheit auf Sechslinden, Schuljahre im Schweizer Internat und eine Banklehre in New York hinter sich. Auf Wunsch des Vaters führte er dann das Budapester Kaufhaus.

In dem Jahr, in dem sein Vater im Tessin starb, bürgerten die Deutschen Hans Erich Emden als "Mischling ersten Grades" aus, die Schweiz wollte ihn nicht aufnehmen, er kaufte sich einen haitianischen Pass, doch es rettete ihn vor allem, dass seine Mutter in Chile zur Welt gekommen war. Ihr Geburtsrecht ging auf ihn über. Der junge Emden gab rasch weitere Bilder in Kommission, schaffte es mit seiner Frau bis nach Südamerika, hielt sich in unterschiedlichen Ländern dort auf, versuchte, sich eine Existenz aufzubauen. Er heiratete erneut, eine Chilenin, nannte sich Juan Enrique, wurde Vater von drei Söhnen. Die Inseln in der Schweiz verkaufte er ein paar Jahre nach Kriegsende an den Kanton Tessin.

Ein einigermaßen gutes oder wenigstens glimpfliches Ende? Einerseits ja, andererseits: Viel war verloren, wertvollste Bilder, Liegenschaften - allein in Hamburg mehrere Millionen Quadratmeter Grundbesitz.

Und nun, in der Nachkriegszeit, wurde die Schmach fortgesetzt, warfen die deutschen Behörden den Emdens vor, nicht jüdisch genug gewesen zu sein. Sie seien deshalb keine echten Opfer gewesen. Doch wie definierte man damals Opfer, wie definiert man sie heute?

1956 legte ein Angestellter einer Hamburger Behörde einen Aktenvermerk an, darin ging es um eines von vielen Grundstücken, die Max Emden in den Dreißigerjahren verkauft hatte, um den Poloplatz in Hamburg. In dem Schriftstück wird daran erinnert, dass die Jewish Trust Corporation einige Jahre zuvor die Rückgabe des Platzes von der Stadt Hamburg als Eigentümerin verlangt hätte. Doch sei seinerzeit - und das erwähnte der Mitarbeiter mit einem gewissen Stolz - eine besondere List angewandt worden: Man habe diese Organisation im Falle Emdens einfach nicht als zuständig anerkannt.

Denn diese Gesellschaft sei für jüdische Anspruchsteller gegründet worden. Max Emden aber sei "getaufter Jude" gewesen. Tatsächlich war er als junger Mann Protestant geworden, nur raubten ihn die Nazis als Juden aus.

Privates Fotoalbum mit Aufnahmen von Max Emden
Markus Tedeskino/DER SPIEGEL

Privates Fotoalbum mit Aufnahmen von Max Emden

Man verschwieg in dem Vermerk nicht einmal, dass Emden das Gelände 1936 unter "den damaligen antijüdischen Verhältnissen" an die Stadt Altona verkauft habe, auch nicht, dass der Preis deutlich unter dem lag, den er selbst neun Jahre zuvor bezahlt hatte.

Eine andere Treuhandorganisation, die nicht jüdische Interessen vertrat, bescheinigte sogleich, sich nicht weiter kümmern zu wollen - vielleicht war ihr Emden wiederum zu jüdisch? Vielleicht übte jemand Druck aus?

Bis heute stützt sich der Hamburger Senat auf diese alte dubiose Aktenlage. 2015 teilte ein Mitarbeiter der Familie Emden mit, es gebe "keine substanziell neuen Erkenntnisse". Dem SPIEGEL gegenüber sagte ein Sprecher des Senats nun jedoch, eine abschließende Bewertung sei noch gar nicht möglich, "da es Gegenstand historischer Forschung wäre, die Ereignisse von damals aufzuarbeiten".

Eine späte Erkenntnis, aus der nun aber nichts zu folgen scheint. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, nicht nur die Geschichte der Emdens, sondern auch die Tricksereien der Nachkriegszeit aufzuklären. Bis heute vermuten die Anwälte der Emdens, dass ihnen der Senat sogar Akten vorenthält - was der Senat wiederum bestreitet.

Andere von der Jewish Trust Cooperation eingeleitete Wiedergutmachungsverfahren liefen nach dem Krieg ebenfalls ins Leere. Es ging um eine Vielzahl von Liegenschaften, aber auch um mächtige Neueigentümer. Die Familie des Zigarettenfabrikanten Reemtsma hatte zum Beispiel gleich mehrfach zugegriffen, als Emden Grundstücke abstoßen musste. Und viele hatten es ihr nachgemacht. Die alten Akten dazu enthalten etliche Geschmacklosigkeiten. Ein Anwalt behauptete 1952, sein Mandant habe die betreffende Grundstücksgesellschaft einst gar nicht von Emden, sondern von einem "Arier" gekauft.

Ein Hausbesitzer beklagte damals: "Da vom Bund dem Staate Israel eine riesige Summe zugebilligt wurde, begreife ich nicht, dass nun auch noch jeder Einzelne mit irgendwelchen Ansprüchen kommen kann." Wieder andere Eigentümer führten, ähnlich wie die Stadt, an, Emden sei doch "evangelisch-lutherisch" getauft gewesen, dafür könne man, wenn gewünscht, Zeugen benennen.

Viele Scheinargumente von damals hielten sich jahrzehntelang: Max Emden habe im sicheren Ausland gelebt, so als würde das einen möglichen Zwangsverkauf legalisieren. Und Hans Erich Emden hätte sich direkt nach Kriegsende intensiver um die Rückerstattung bemühen können - obwohl man die Familie nachweislich nicht als Opfer anerkannte.

In den Achtzigerjahren überwies das Ausgleichsamt in Bremen Hans Erich Emden in Chile für zwei verlorene Warenhausgrundstücke in Danzig und Stettin 40.000 Mark. Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung bot man ihm für ein Grundstück in Potsdam, das einst "arisiert" worden war, ein Entschädigungsverfahren an. Doch diese Grundstücke waren nur ein Bruchteil des Besitzes - und auch des Problems.

Das eigentliche Problem betrifft eben die Wiedergutmachung, die eigentlich keine war. Viele hatten von der Verfolgung der Juden materiell profitiert und wollten später nichts mehr zurückgeben. Die Nutznießer lavierten, logen. Die Opfer hatten Anträge zu stellen, Beweise vorzulegen, die es auf ihrer Seite oft nicht mehr geben konnte, und selbst dann wurde noch vieles abgeschmettert.

Mitte der Neunzigerjahre reiste Hans Erich Emden ein letztes Mal ins ungeliebte Deutschland, er besichtigte damals sein altes Elternhaus in Klein Flottbek, dieses weitläufige Anwesen, das schon lange niemand mehr Sechslinden nennt, und in dem seit Jahrzehnten eine private Schule untergebracht ist. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wo einst sein Kinderzimmer war, wie er auf dem Poloplatz nebenan gespielt hatte. Davon, dass in den 1930er-Jahren die Luftwaffe das Gebäude übernommen hatte, hatte er gehört.

Aber er erfuhr nie, dass Sechslinden offenbar auch einmal der Stadt Hamburg gehörte und nun seit Langem schon, wohl seit der Nachkriegszeit, einer bekannten und einflussreichen Familie, die er als Junge vielleicht selbst kennengelernt hatte. Damals, als die Emdens noch viel galten und als sie noch keine Bedrohung darstellten, weil sie vielleicht etwas zurückfordern konnten.

Maeva Emden sagt, das alles zehre an der Familie, vor allem an ihrem Vater, dem ältesten Sohn von Hans Erich. Viel haben sie in all den Jahren tatsächlich nicht erreicht. Zu viele Türen seien verschlossen geblieben.

Vor ein paar Jahren entschädigte die Stadt Hamburg eine andere Familie für ein Palais, das man ihr einst genommen hatte - doch im Falle der Emdens geht es um sehr viel mehr. Also verweigert man lieber gleich das Gespräch.

Doch dieses krampfhafte Schweigen könnte sich ins Gegenteil verkehren, vielleicht werden die Emdens dieses Land noch besonders lange beschäftigen.

Dazu beitragen könnte eine Biografie, die 2018 erscheinen soll, außerdem ein Dokumentarfilm, der gerade gedreht wird. Die beiden Regisseure planen eine Fassung fürs Kino, eine fürs Fernsehen, der Titel zitiert Emdens Motto: "Auch Leben ist eine Kunst."

Die Geschichte von Max Emden ist wahrscheinlich zu groß, zu gewichtig auch, als dass man sie zu den Akten legen könnte. Im Grunde ist es längst eine Vielzahl von Geschichten, über jedes Bild aus der einstigen Sammlung ließen sich Bücher verfassen, Filme drehen. Wie über jenes, das an den Waffenhersteller Emil Bührle nach Zürich ging.

Auch ein Kapitel über die deutsche Geschichte gilt es zu schreiben, das die verpfuschte Wiedergutmachung heißen wird. Man wird die Aufarbeitung aufarbeiten müssen - und daran denken, dass der letzte Schlussstrich eben nicht gezogen ist.



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