AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 33/2017

USA-Nordkorea-Krise Zwei Sprengköpfe auf Konfrontationskurs

Kim Jong Un und Donald Trump provozieren und drohen - selten war die Gefahr einer Eskalation größer. Auch weil sich der US-Präsident nicht von den wenigen besonnenen Beratern kontrollieren lässt, die er hat.

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Immer im August läuft in Südkorea das gleiche Ritual ab. Unweit der gemeinsamen Grenze am 38. Breitengrad feuert die Artillerie auf Ziele, die nordkoreanische Panzer darstellen sollen. Hubschrauber fliegen im Tiefflug, Kampfflieger donnern am Himmel, die Strände werden von Panzern überrollt. Rund 80.000 Soldaten Südkoreas und der USA üben gemeinsam die Abwehr eines Angriffs aus dem Norden. Schon mehrmals hat das Manöver eine ernsthafte Krise provoziert.

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Heft 33/2017
Wie sich das bedrohte Paradies wandelt

Doch in diesem Jahr hat die Nervosität schon zwei Wochen vorher einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Es brauchte dafür keine Panzer, keine Armeeaufmärsche, es reichten Worte wie diese: "Nordkorea sollte besser keine Drohungen gegen die USA aussprechen. Sie werden mit Feuer und Zorn beantwortet, wie es die Welt noch nicht gesehen hat."

Zurückgelehnt, die Arme verschränkt, eingerahmt von Kronleuchtern und Golfplaketten, feuerte Donald Trump am Dienstagnachmittag diese Worte ab, die die Welt seither in Angst versetzen. Es war die bislang schärfste Warnung an das Regime in Pjöngjang, beinahe eine Kriegserklärung. Trump ignorierte damit die ungeschriebene Doktrin, dass ein US-Präsident nicht mit seinem Atomarsenal prahlt wie ein Halbstarker. Es scheint ihm gleichgültig zu sein, dass die Waffen der Abschreckung dienen, dass sie existieren, um nicht eingesetzt zu werden.

Es fehlte nur noch, dass er gedroht hätte, Pjöngjang in Schutt und Asche zu legen, und er wäre kaum von Diktator Kim Jong Un zu unterscheiden gewesen.

Sogar die ansonsten selbst um keine scharfe Drohung verlegenen Nordkoreaner kritisierten die "Atomkriegshysterie" und befanden, die Äußerung sei "waghalsig".

Anlass für die Drohung war offenbar ein kurz zuvor veröffentlichter Bericht der "Washington Post", wonach Nordkorea in der Lage sei, Langstreckenraketen mit Atomsprengköpfen zu bestücken - und so theoretisch auch die USA anzugreifen. Die Analyse stammte vom US-Militärgeheimdienst, man sollte meinen, dass der Präsident sie kannte. Trotzdem, so scheint es, wollte Trump die Veröffentlichung nicht unkommentiert lassen.

Weder plante er seine Worte, noch besprach er sich mit Beratern, wie die "New York Times" recherchierte, und das ausgerechnet bei diesem brandgefährlichen Konflikt. Dem Präsidenten fielen in seinem Golfklub in New Jersey die Drohungen gegen Nordkorea einfach so aus dem Mund, eine Art verbaler Trump-Tweet. Nur etwas explosiver. Als wolle er auch im Urlaub beweisen, dass er in der Krise das letzte Wort hat. Schließlich hatte er ja einst selbstbewusst getwittert: "Es wird nicht passieren!" - und damit Kims Atomraketen gemeint, die Amerika bedrohen könnten.

Politiker Trump am Dienstag: "Viel stärker und mächtiger als je zuvor"
AP

Politiker Trump am Dienstag: "Viel stärker und mächtiger als je zuvor"

Aber dass die Tirade improvisiert war, macht sie nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil. Trump heizt die Eskalationsspirale an und erhöht so das Risiko einer militärischen Auseinandersetzung mit Nordkorea. Diesem wirtschaftlichen Zwergstaat, dessen Bruttoinlandsprodukt gerade mal die Hälfte dessen ausmacht, was die Amerikaner für ihre Haustiere ausgeben - und der doch zugleich über Langstreckenraketen und Atombomben verfügt.

Außenminister Sigmar Gabriel kritisierte die "aggressive Sprache", sie erinnere ihn an Kim Jong Un. Dem SPIEGEL sagte er: "Für diesen Konflikt gibt es keine militärische Lösung. Die Risiken sind so gewaltig, für alle Beteiligten, in Korea sowieso, aber auch für die Region und die ganze Welt."

Ein Krieg würde wohl Hunderttausende das Leben kosten, Südkoreas Hauptstadt Seoul zerstören, US-Basen in Ostasien könnten angegriffen werden, vielleicht sogar Städte in Amerika. Nordkorea würde in Schutt und Asche gelegt werden, die Weltwirtschaft einen Schock erleiden.

Gerade weil die Folgen so gravierend sind, will niemand diesen Krieg, auch Donald Trump nicht, das ist zumindest die Hoffnung. Wenn es gut geht, könnte die Kraftprobe zwischen Trump und Kim am Ende auf Verhandlungen hinauslaufen. Doch die Gefahr ist, dass die immer neuen, unkontrollierten Drohungen und Gegendrohungen dazu führen, dass eine Seite sich eines Tages gezwungen sehen könnte anzugreifen, um einem vermuteten Erstschlag des Gegners zuvorzukommen.

Selten war diese Gefahr so groß wie jetzt, da auf beiden Seiten des Pazifiks Sprengköpfe sitzen, deren Existenzgrundlage wüste Drohungen sind. Auf der einen Seite Trump, der unbeherrschte und unkonzentrierte Twitter-Tycoon, dem nach 200 Tagen im Amt bisher kaum etwas gelungen ist. Und auf der anderen Seite Nordkoreas Diktator, bei dem das Kriegsgeheul Teil seiner Machtinszenierung ist.

So warnten die Nordkoreaner Ende Juli wie immer blumig-martialisch, man werde all jene Länder "auslöschen", die die "höchste Würde" des Regimes bedrohten, notfalls auch mit "nuklearen Mitteln". Nach Trumps Feuer-und-Zorn-Tirade hieß es, man werde wenn nötig Mitte August vier Raketen in die Gewässer vor der Pazifikinsel Guam abfeuern, US-Territorium und Luftwaffenstützpunkt. Auch ein baldiger sechster Atomtest ist wahrscheinlich.

Start einer Hwasong-14-Rakete Ende Juli
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Start einer Hwasong-14-Rakete Ende Juli

Die meisten US-Präsidenten hatten sich an dieses Säbelrasseln gewöhnt. Nicht so Trump, der auf nahezu jede Drohung mit einer Gegendrohung antwortet. Am Mittwoch machte er weiter und twitterte, sein "erster Befehl als Präsident" sei es gewesen, das Atomarsenal zu modernisieren. "Es ist jetzt viel stärker und mächtiger als je zuvor." Was nicht stimmt. "Hoffentlich müssen wir diese Stärke niemals einsetzen", schrieb er. "Aber es wird keine Zeit geben, in der wir nicht die mächtigste Nation der Welt sind!"

Am Donnerstag wurde Trump dann von Journalisten gefragt, ob sein Statement nicht zu hart gewesen sei. Er erwiderte:

"Vielleicht war es nicht hart genug."

Frage: "Was ist denn härter als Feuer und Zorn?"

Trump: "Sie werden sehen."

Frage: "Sie denken über einen Präventivschlag nach?"

Trump: "Darüber reden wir nicht."

Und dann sagte er noch, Nordkorea solle die Kurve kriegen, "oder sie werden Probleme haben, wie wenige Länder in der Welt sie je hatten".

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All das zeigt, dass der Präsident sich nicht kontrollieren lässt, obwohl genau diese Hoffnung mit der Berufung von John Kelly zum Stabschef im Weißen Haus verbunden war. Der Exgeneral gilt neben Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster und Verteidigungsminister James Mattis als einer der wenigen besonnenen Köpfe im Team Trump. Mattis und Kelly sollen bereits vor Monaten vereinbart haben, dass einer von ihnen immer in den USA ist, um Befehle und Entscheidungen des Präsidenten kontrollieren zu können.

Ansonsten gibt es kaum jemanden, der Einfluss auf Trumps Nordkorea-Kurs nehmen könnte. Im Außenministerium sind viele Positionen unbesetzt, es fehlen Experten, die eine Strategie für Nordkorea entwickeln könnten. Außenminister Rex Tillerson wirkt in diesen Tagen wie einer dieser batteriebetriebenen Staubsaugroboter, die geräuscharm den Dreck wegmachen. Noch im März hatte er urplötzlich das "Ende der strategischen Geduld" verkündet, vor einigen Tagen gab er sich dann versöhnlich: Die USA wollten keinen Regimesturz. Nach Trumps Feuer-und-Zorn-Tirade fiel ihm nichts Besseres ein, als den Amerikanern eine gute Nachtruhe zu wünschen, sie müssten sich keine Sorgen wegen der Äußerungen ihres Präsidenten machen.

Es ist jedoch ein Zeichen für das Chaos in Washington, dass dann ausgerechnet der Verteidigungsminister am Mittwoch noch mehr Öl ins Feuer goss und Nordkorea warnte, "alle Erwägung von Maßnahmen einzustellen, die zum Ende des Regimes und zur Zerstörung des Volkes" führten.

Wie groß also ist die Gefahr, die von Nordkorea ausgeht?

Nach US-Schätzungen hortet Kim an die 60 Atomwaffen, höchstpersönlich treibt er seine Militärtechniker zur Eile an. "Er setzt offenbar auf eine Taktik von Zuckerbrot und Peitsche", sagt Lee Ho Ryung vom Korea Institut für Verteidigungsanalysen in Seoul. Im Jahr 2016 zeigte der Diktator sich erstmals mit einem verkleinerten Sprengkopf. Damals rätselten die Fachleute, ob es sich bei der silbernen Kugel um eine Attrappe handeln könnte. Inzwischen zweifelt an der Echtheit kaum jemand.

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Die Miniaturisierung von Atomsprengköpfen ist ein Durchbruch für das Land, mit dem Militärexperten erst in zwei Jahren gerechnet hatten. Unklar ist allerdings, ob und wie präzise Nordkorea tatsächlich Ziele in den USA treffen könnte.

Auswertungen des Tests einer Interkontinentalrakete im Juli deuten darauf hin, dass der Flugkörper beim Fall durch die Erdatmosphäre verglühte. Robert Litwak vom Woodrow Wilson Center in Washington glaubt daher, dass Kim zwar mit seinen Raketentests "eine neue Dringlichkeit" in die Debatte über das Atomprogramm gebracht habe, aber dass es noch ein bis zwei Jahre dauern werde, bis Pjöngjang über Atomraketen verfüge, die Ziele in Tausenden Kilometern Entfernung treffen. Allerdings haben die Experten sich schon oft geirrt - und Pjöngjang scheint rasante Fortschritte zu machen.

Die Staatspropaganda feierte den jungen Herrscher kürzlich als Feldherrn, der zahlreiche Schlachten erfolgreich geschlagen habe. Er kann sich bereits jetzt damit brüsten, das Vermächtnis seines Großvaters Kim Il Sung und seines Vaters Kim Jong Il treu zu erfüllen: die stalinistische Dynastie durch Besitz von Nuklearwaffen vor einer Intervention der Großmächte zu bewahren. Auch durch Naturkatastrophen, Hungersnöte und immer schärfere Sanktionen ließen sich die Kims von ihrem Ziel nicht abbringen. Kim Jong Uns wichtigstes strategisches Ziel dürfte nun sein, als Atommacht anerkannt zu werden - möglicherweise durch einen Kompromiss, wie die USA ihn mit Indien eingingen.

"Der Norden entwickelt seine Nuklearwaffen für einen politischen Zweck", sagt auch Ra Jong Yil, ein früherer Vizedirektor des südkoreanischen Geheimdienstes. Er glaubt nicht, dass Kim sein Arsenal tatsächlich einsetzen würde; langfristig strebe Kim danach, dass die USA ihr Militär aus dem Süden abziehen. Diese Einschätzung wird in Japan geteilt. Kim sei kein Selbstmörder, der seine Macht durch einen Vergeltungsschlag der USA riskieren würde, heißt es aus Tokios Generalstab.

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Auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist Kim erfolgreich. Er baut Pjöngjang zur Propagandakulisse aus, mit modernen Hochhäusern und Vergnügungsparks. In den Straßen staut sich bisweilen der Verkehr, viele Untertanen in dem einst hermetisch abgeriegelten Staat telefonieren und surfen mit Smartphones. Finanziert wird der Boom mit Exporten von Rohstoffen und Lebensmitteln sowie durch eine Vielzahl von Handelsfirmen, die vor allem von China aus ihre Geschäfte betreiben. Nach Schätzung von Geheimdiensten in Seoul hat der Norden überdies etwa 7000 Computerexperten, Spione und Hacker im Ausland stationiert. Allein bei einem Hackerangriff auf die Zentralbank von Bangladesch im vergangenen Jahr sollen sie 81 Millionen Dollar erbeutet haben.

Daher ist zweifelhaft, inwieweit die jüngsten, bislang schärfsten Uno-Sanktionen Kim stoppen können. Die auch von China mitgetragene Resolution 2371 soll Nordkoreas Exporte um eine Milliarde Dollar - etwa ein Drittel seines gesamten Außenhandels - reduzieren. Verboten ist künftig, zusätzliche Arbeiter aus Nordkorea einreisen zu lassen oder neue Joint Ventures mit Nordkorea einzugehen. Doch damit China für die Sanktionen votierte, machten die USA offenbar Zugeständnisse: Immer noch darf die Volksrepublik Erdöl nach Nordkorea liefern.

Anti-Amerika-Demonstration in Pjöngjang: Auch die neuesten scharfen Uno-Sanktionen werden Kim kaum stoppen können
AFP

Anti-Amerika-Demonstration in Pjöngjang: Auch die neuesten scharfen Uno-Sanktionen werden Kim kaum stoppen können

Mark Fitzpatrick vom International Institute for Strategic Studies in Washington bezweifelt daher den Effekt von Sanktionen: "Sie werden nie vollständig implementiert werden. Nordkorea wird andere Wege finden, an Devisen zu kommen." Er schlägt daher vor, den Druck durch eine Seeblockade zu erhöhen.

Vor allem kommt es aber nun auf China an. Trump versucht schon lange, Druck auf Peking auszuüben, bislang erfolglos. Am Donnerstag mahnte er erneut, China müsse mehr tun, und machte mal wieder die Rechnung auf, dass Amerika jedes Jahr "Hunderte Milliarden Dollar" beim Handel mit China verliere - und dass es so nicht weitergehe. Es sei denn, so Trump, China helfe ihm bei Nordkorea. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass er so droht. Schwer vorstellbar, dass Peking diesen US-Präsidenten noch ernst nimmt.

"Es ist gut, dass China die letzte deutliche Sanktionsverschärfung mitgetragen hat und jetzt auch konsequent umsetzen will", sagte Außenminister Gabriel. Pjöngjang müsse spüren, dass es mit seinem "aggressiven Provokationskurs" keine Partner mehr habe. Doch will China das wirklich?

Die Uno-Resolution, so Chinas Außenminister Wang Yi, werde der Führung in Pjöngjang dabei helfen, "richtige und kluge Entscheidungen zu treffen". In Wahrheit glaubt Peking jedoch nicht an den Erfolg von Sanktionen.

"China selbst war vor Jahrzehnten ähnlichem Druck von außen ausgesetzt", sagt Jin Qiangyi, Leiter des Zentrums für Korea-Studien an der Universität Yanbian. "China hat damals auch nicht aufgegeben. Peking weiß daher, dass die Wirkung von Sanktionen sehr beschränkt ist." Im Gegenteil: Die Erfahrung aus der Hungersnot in den Neunzigerjahren lehre, dass Nordkoreas Bevölkerung unter Sanktionen leide, aber das Regime seine Haltung nur verhärte. Zugestimmt hat Peking den Sanktionen, um dem Vorwurf entgegenzutreten, einseitig Partei für Kim zu ergreifen - und auch, weil eine wachsende Zahl von Chinesen die Treue zu dem Diktator in Pjöngjang mittlerweile kritisch sieht.

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Pekings Rezept zur Lösung des Konflikts besteht vor allem darin, die Verantwortung auf die USA und deren Verbündete abzuschieben und sie zu direkten Verhandlungen mit Nordkorea aufzufordern. Nur indem Washington, Seoul und Tokio ihre gemeinsamen Militärmanöver im westlichen Pazifik einstellten, sei Nordkorea davon zu überzeugen, sein Raketen- und Atomprogramm einzufrieren, predigt Peking.

Chinas Vorschlag ist nicht grundsätzlich von der Hand zu weisen. Schon die beiden Kontrahenten an den Verhandlungstisch zurückzubringen würde zumindest eine weitere Eskalation verhindern. Bislang aber hat Peking kaum erkennen lassen, dass es selbst aktiver Verantwortung übernehmen will.

Diese Zurückhaltung nährt den Verdacht, dass Peking weniger an einer Lösung interessiert ist als an der Wahrung seiner Interessen: nämlich die Hegemonie der Vereinigten Staaten im Pazifik zu brechen und zur Führungsmacht der Region aufzusteigen.

Natürlich, auch Peking wäre es lieber, wenn Kim sein Raketen- und Nuklearprogramm einfrieren und Provokationen unterlassen würde. Mehr noch als Nordkoreas Atombomben aber fürchtet Peking einen Zusammenbruch des Regimes sowie eine nachfolgende Wiedervereinigung unter Führung von Seoul und Washington - in deren Folge US-Soldaten an der eigenen Grenze stationiert werden könnten.

Aus diesem Grund soll Henry Kissinger, der Altmeister der China-Diplomatie, Außenminister Tillerson kürzlich geraten haben, der Volksrepublik Garantien für die Zeit nach einer Wiedervereinigung zuzusagen, etwa den weitgehenden Abzug der US-Truppen aus dem Süden. Nur so könne Amerika Pekings Bedenken zerstreuen, wenn Nordkorea als Pufferstaat wegfiele.

Bislang hält Peking den Ausbruch eines erneuten Koreakriegs für unwahrscheinlich. Doch je näher Nordkorea seinem Ziel kommt, eine nuklear bestückte Interkontinentalrakete zu bauen, desto mehr wächst das Risiko. Und was hätte Peking davon, die Führungsmacht einer Region zu sein, die im Chaos versinkt?


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Er hatte eine Geliebte, die Sängerin war. Er ist verheiratet. Er ließ seinen Onkel töten. Und weiter? Sehen Sie, was über den Diktator aus Nordkorea bekannt ist.

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In Tokio und Seoul wiederum fürchtet man nicht nur eine militärische Eskalation, sondern fast ebenso sehr, dass sich die USA und China über ihre Köpfe hinweg einigen. Beide Länder wollen nun weiter aufrüsten. Japans Verteidigungsminister forderte bereits, das Land müsse in der Lage sein, Präventivschläge auszuführen. Selbst Südkoreas neuer Präsident schlägt schärfere Töne an. Moon Jae In war angetreten, um die Versöhnung mit dem Norden voranzutreiben, nun fordert er eine umfassende Verteidigungsreform.

So katastrophal ein Krieg wäre, so schlecht stehen zugleich auch die Chancen für eine diplomatische Lösung, das ist das große Dilemma in diesem Konflikt.

Im Jahr 1994 schloss die Regierung von Bill Clinton ein Abkommen mit Kim Jong Il, der versprach, die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben zu stoppen, im Gegenzug für Erdöllieferungen. Doch der Vater des heutigen Herrschers dachte nicht daran, das Programm einzustellen, er machte heimlich weiter. Ein weiterer Versuch 2005 scheiterte ebenso. Solange die Machthaber in Pjöngjang glauben, ihre Herrschaft mit Atombomben absichern zu müssen, werden sie diese nicht aus der Hand geben.

Und so hat Trump tatsächlich nur schlechte Optionen. Denn auch für das mächtige US-Militär ist es unmöglich, sämtliche Militärstellungen in Nordkorea gleichzeitig zu treffen und zu verhindern, dass Kim einen Vergeltungsschlag ausübt. Die meisten Experten sind sich daher einig, dass nur eine Mischung aus Sanktionen, Cyberwar und Isolation Kim in Schach halten kann - und dass die Welt sich am Ende wohl damit wird abfinden müssen, dass Nordkorea zur Atommacht wird.

Neu wäre das nicht. Als Josef Stalin und Mao Zedong ihre ersten Atombomben bauten, wurden ebenfalls Präventivschläge diskutiert. Zum Glück handelten Trumps Vorgänger besonnen, die Sowjetunion und China wurden zu Atommächten. Seitdem gilt die fragile Logik der gegenseitigen Abschreckung, die dafür sorgt, dass seit 72 Jahren keine einzige Atombombe im Krieg eingesetzt wurde.

Trump ist jetzt 71 Jahre alt, er ist in der friedlichsten Zeit aufgewachsen, die sein Land je kannte. Zu hoffen ist, dass er das nicht vergisst.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
sojetztja 12.08.2017
1.
Naja, wer weiß: Vielleicht ist Trumps Sprache ja die Sprache, die Nordkoreas Psycho versteht. So von Psycho zu Psycho...
serum_user 12.08.2017
2. Trump
Das ganze ist doch bloß ein Säbelrasseln. Trumps Ziel ist es der Welt sein Waffensystem zu verkaufen und alle sind so blöd darauf herein zu fallen. Alles nur Masche!
brille000 12.08.2017
3. Welcher Psycho?
Man bleibe auch mit der Berichterstattung mal schön auf dem Teppich. Erst nachdem dieser Psycho aus Washington gedroht hat, Nordkorea zu überfallen, hat dessen Machthaber für den Fall des Falles mit einem Angriff auf Guam gedroht. Nordkorea hat jedoch noch kein Land auf dieser Welt überfallen und hat auch keine Atomwaffen zum Einsatz gebracht.
mainstreet 12.08.2017
4. Atomwaffen in Nordkorea ,,,,
Atomwaffen in Nordkorea und die ständigen Provokationen von Kim Jong Un das hat sehr wenig mit Trump zu tun. Es gibt auch längst UN-Resolutionen die sehr besorgt sind: Bekannt ist auch das Trump als Hardliner gilt weil er selbst immer auch Obama als "Weichei" gesehen hat. Die Wenigsten wollen irgendetwas militärisch lösen aber bei Kim Jong Un vermuten viele das die militärische Option letzlich die einzige Möglichkeit sein kein diesen Verückten wieder zur Räson zu bringen denn wenn einer Amerika angreifen will muß der Verstand weit weg sein.
sojetztja 12.08.2017
5.
Wie man hört, hat Trump jetzt auch Venezuela mit einem Militärschlag gedroht. Unabhängig davon, dass das irgendwie "typisch Trump" ist, ist ein solches Vorgehen natürlich auch taktisch äußerst unklug. Es engt die eigene Bewegungsfreiheit ein, wenn man so voreilig sein ganzes Droharsenal abfeuert und sich damit selbst unter Handlungszwang setzt. Denn irgendwann wird Trump dann gezwungen (!) sein, den Worten Taten folgen zu lassen (ob er es dann will oder nicht). Wer immer nur droht, dann aber zurückzieht, macht sich unglaubwürdig. Kennt man ja aus der Erziehung - und ist im Umgang mit Leuten wie dem Nordkoreadickerchen bestimmt nicht weniger zutreffend. ;-)
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