AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 15/2018

Oswald Spengler Der Prophet des Untergangs

Vor hundert Jahren erschien Oswald Spenglers Monumentalwerk "Der Untergang des Abendlandes". Streckenweise wirkt es überraschend aktuell. Die Lektüre hilft, die Grundlagen rechtsautoritären Denkens zu entschlüsseln.

Metropole New York: "Die uralten Wurzeln des Daseins sind verdorrt in den Steinmassen ihrer Städte"
WIN-Initiative/ Getty Images

Metropole New York: "Die uralten Wurzeln des Daseins sind verdorrt in den Steinmassen ihrer Städte"


Einmal findet er ein schönes Bild für den faustischen Menschen. Altnordische Stämme, schreibt Oswald Spengler, hätten "eine Segelschiffahrt erfunden, die sich vom Festland befreite". Das klingt nach der Romantik von Seereisen, die nicht niederen Zwecken dienen, sondern das offene Meer gewinnen wollen, um den Menschen größer zu machen, reicher, ohne dass Geld im Spiel ist.

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Heft 15/2018
Wie die Zucker-Lobby uns belügt und verführt

Es war sein Geschöpf, der faustische Mensch, im Anklang an Goethes Dichtung, ein erhabenes Wesen, das nach Größe strebt, nach Ausdehnung, das nicht durch Vernunft und Moral gefesselt ist, sondern entschlossen zur Tat schreitet und dabei sein Schicksal dankbar annimmt. Und tut, was ihm befohlen wird, bedenkenlos tötet, bedenkenlos stirbt.

So wollte er die Deutschen haben, aber, ach, schon zu seiner Zeit, fand Spengler, waren die meisten nicht mehr so, verdorben erst durch die Zivilisation, dann durch ihre Ausgeburt, die Demokratie. Deshalb hat er ein Buch geschrieben, "Der Untergang des Abendlandes", zwei Bände, der erste erschien 1918, also vor hundert Jahren, der zweite 1922.

Spengler, geboren 1880, ein Privatgelehrter, Sohn eines Postsekretärs, wurde damit berühmt, gilt bis heute als einer der Urväter rechten, autoritären Denkens, zwischendurch vergessen, plötzlich wieder aktuell. "Der vergessene Spengler rächt sich, indem er droht, recht zu behalten", schrieb etwas verfrüht der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno im Jahr 1950. Denn Spengler behielt zunächst nicht recht. Er hatte angenommen, dass die Demokratie verschwinden werde. Nach Adornos Satz erlebte sie aber die Epoche ihrer Blüte. Doch diese Zeit ist vorbei. Die Demokratie wirkt bedroht und mitunter ein bisschen welk.

Privatgelehrter Spengler um 1930: "Ein trivialer Sauhund"
Hulton Archive/ Getty Images

Privatgelehrter Spengler um 1930: "Ein trivialer Sauhund"

Spengler hatte vorhergesagt, dass auf die Demokratie der Cäsarismus folge, die autoritäre Herrschaft eines Einzelnen. Dieses Prinzip ist derzeit tatsächlich weltweit auf dem Vormarsch. Der Russe Wladimir Putin, der Chinese Xi Jinping, der Türke Recep Tayyip Erdogan, der US-Amerikaner Donald Trump, sie alle verfolgen, mehr oder weniger, einen cäsarischen Herrschaftsstil. Selbst beim Demokraten Emmanuel Macron finden sich Elemente davon.

In Deutschland ist zudem der Begriff des Abendlandes zurückgekehrt, als Trotz- und Abwehrwort gegenüber dem Islam. Pegida ist die Kurzform für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Spengler ist wieder da, pünktlich zum Jubiläum seines Buches. Die Lektüre hilft dabei, die Grundlagen rechtsautoritären Denkens zu entschlüsseln und zu verstehen. Wer es liest, begibt sich auf eine große Reise, 1200 Seiten lang, durch das alte Ägypten, das alte Griechenland, das alte Rom, Indien, China, Arabien, Frankreich und natürlich immer wieder Preußen und die deutschen Reiche. Geschichte, Politik, aber auch Theorien der Mathematik, der Sprache, des Geldes. Spengler war, bei allen Fehlern, die ihm bald nachgewiesen wurden, umfassend gebildet, und er war größenwahnsinnig.

Der erste Satz: "In diesem Buche wird zum ersten Mal der Versuch gewagt, Geschichte vorauszubestimmen." Natürlich gelingt der Versuch, dachte Spengler.

Zu Beginn wirkt sein Werk gar nicht "rechts" nach unseren Begriffen, sondern eher "links". Spengler spricht sich dafür aus, die Weltgeschichte nicht nur mit dem abendländischen Blick zu betrachten. Andere Kulturen würden eine andere Geschichte erzählen, und sie hätten ein Recht darauf. "Allgemeingültigkeit ist immer der Fehlschluß von sich auf andere", schreibt Spengler. Er schreibt hin und wieder solche schönen Sätze. Aber auch ziemlich hässliche.

Auch wenn Spengler der Begriff Rasse wichtig ist, liest sich sein Buch nicht wie eine Betriebsanleitung für Fremdenfeindlichkeit, wie ein Plädoyer gegen Zuwanderung. Solche Fragen stellten sich Spengler nicht, da er in einer weitgehend homogenen Gesellschaft lebte. Ihn störte eine Verlotterung der Deutschen. Ihnen las er die Leviten und legte dabei einige Grundlagen des rechten und autoritären Denkens frei. Drei Komplexe wirken dabei besonders aktuell, der Gegensatz von Stadt und Land, von Kausalität und Schicksal sowie die Ablösung der Demokratie durch den Cäsarismus.

Stadt und Land

Ibsen kommt früh, schon in der Einleitung mokiert sich Spengler über die "berühmte Nora, eine nordwesteuropäische Großstadtdame, deren Gesichtskreis etwa einer Mietwohnung von 2000 bis 6000 Mark und einer protestantischen Erziehung entspricht". Den Werken des Dramatikers Henrik Ibsen, darunter "Nora oder Ein Puppenheim", sagt er eine Lebensdauer bis ungefähr 1950 voraus. Ein Irrtum.

Mit der Großstadtdame Nora deutet Spengler eines seiner großen Themen an, die Abscheu gegenüber den Metropolen, die Liebe zum Land. Für ihn ist die Großstadt ein "bizarres Ding", ein feindlicher Ort. "Die uralten Wurzeln des Daseins", schreibt er vergnatzt, "sind verdorrt in den Steinmassen ihrer Städte." Stattdessen macht sich dort der "freie Geist" breit, "ein verhängnisvolles Wort!", findet Spengler und analysiert früh, was bis heute gilt: "Jeder will in der Mitte der Stadt wohnen, in ihrem dichtesten Kerne, sonst fühlt er sich nicht als Mensch einer Stadt." Als hätte es damals den Hype um Berlin-Mitte schon gegeben. Er selbst lebte in München-Schwabing.

Der Stadtmensch, klagt der Stadtmensch Spengler, sorge für eine "entsetzliche Entvölkerung", weil er keine Kinder mehr wolle. Der Grund: dass "die bis zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr Vorhandensein mehr findet". Auch kein ganz schlechter Satz, der bis vor Kurzem, bis zum neuen Babyboom, zu gelten schien. Er selbst, man ahnt es, blieb kinderlos, ließ sich den Haushalt von seiner Schwester besorgen.

Deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg: "Das Leben ist hart, wenn es groß sein soll"
Scherl/ SV-Bilderdienst

Deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg: "Das Leben ist hart, wenn es groß sein soll"

Für Spengler waren die großen Städte Hotspots der von ihm verabscheuten Demokratie und unterlagen damit der nicht minder verabscheuten Herrschaft des Geldes, denn das gehörte für ihn zusammen - Demokratie und Kapitalismus, die beide die Freiheit brauchen und daher für Rechtsaußen verdächtig sind. Freiheit entfesselt Kräfte, sorgt für Zustände, die sich der Kontrolle entziehen. Nichts ist so schwer zu kontrollieren wie eine große Stadt.

Auf dem Land hingegen lebte der Adel, den Spengler für den Gipfel der menschlichen Entwicklung hält. Und der Bauer ist für ihn der "ewige Mensch", der "einzige organische Mensch". Er lebt karg und ursprünglich, gebunden an die Scholle, einfältig und treu. Das ergibt auf jeden Fall einen guten Soldaten.

Unerträglich findet Spengler, dass die Welt nicht für den Bauern, sondern für den Großstädter gemacht ist. "Der Bauer ist nicht Demokrat, folglich übersieht, belächelt, verachtet, haßt man ihn." Die Welt werde in den Metropolen gestaltet, die Provinz könne nicht mitreden und "höchstens zu vollzogenen Ereignissen Stellung nehmen".

Wenn man den Bauern streicht und durch ländliche und mittelstädtische Bevölkerung ersetzt, ist man mit diesem Satz bei den Rechtspopulisten von heute. Dass in den Metropolen von Metropolenmenschen Politik für Metropolenmenschen gemacht werde - Homoehe, neue Rechte für ein drittes Geschlecht -, ist ein Vorwurf an Berlin, ähnlich an Paris, an London, an Brüssel, an Washington.

Aber die Landbevölkerung von heute ist nicht mehr bereit, nur noch zu vollzogenen Ereignissen Stellung zu nehmen, sondern hat begonnen, die Welt zu gestalten. Trumps Sieg wird vor allem mit seinen Erfolgen in den sogenannten Flyover-States erklärt, den ländlich oder mittelstädtisch geprägten Bundesstaaten zwischen den Küsten, an denen die Metropolen New York und Los Angeles liegen, die gegen Trump gestimmt haben. Auch der Brexit wurde gegen Londons geldgetriebene Europa-Euphorie entschieden, und die AfD hat ihre stärksten Bastionen auf dem ostdeutschen Land.

Noch aktueller wirkt Spengler, wenn man Großstädter und Bauer durch Elite und Volk ersetzt. Das ist der angebliche Gegensatz, dessen sich die Rechtspopulisten am liebsten bedienen. Bei Spengler konnten sie es lernen.

Er hat dabei das Kunststück vollbracht, dass er gleichzeitig elitär und antielitär war, ein Verächter und ein Liebhaber der Massen. Auch das dürfte es noch heute geben.

Vernunft und Schicksal

Was ist die Wahrheit, was sind Fake News, was ist die Realität, was Verschwörungstheorie? Hier die Grenzen zu verwischen ist das wichtigste Projekt von Rechtsaußen, ist eine Waffe autoritärer Staaten wie Russland, und Spengler hat viele Grundlagen dafür geschaffen.

Die Presse hat er nicht gemocht. Sie war für ihn "geistige Artillerie". Der "Pressefeldzug", schreibt er, "entsteht als die Fortsetzung - oder Vorbereitung - des Krieges mit anderen Mitteln". Dahinter vermutet er die Macht des Geldes. Die Presse "verbreitet nicht, sondern sie erzeugt die freie Meinung". Auch das ist nicht in jedem Fall falsch. Gleichwohl gibt es eine Wirklichkeit, manchmal auch eine Wahrheit, und es gibt eine Menge Journalisten, die sie aufspüren wollen. Daran aber haben Rechtspopulisten kein Interesse. Sie streuen ziemlich erfolgreich den Verdacht, dass es die eine Wirklichkeit nicht gibt, sondern zu den Fakten alternative Fakten.

"Ein moralischer Infantilismus, eine umfassende intellektuelle Verschnullerung."
Rolf Peter Sieferle

Eine der Grundlagen rechter Ideologie ist das magische Denken. Dort gilt Kausalität, also der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, wenig bis nichts. Spengler hasst Kausalität, womit auch sein Urteil über Ibsen definiert ist: "Ibsen und alle Verstandespoeten unsrer großen Städte dichten nicht. Sie konstruieren, und zwar einen kausalen Zusammenhang von einer ersten Ursache bis zu einer letzten Wirkung."

Was ist so schlimm an Kausalität? Anders gefragt: Was findet einer wie Spengler stattdessen attraktiv? Die "Schicksalsidee", schreibt er. Für ihn sind das die großen Gegensätze: "Kausalität ist das Verstandesmäßige, Gesetzhafte, Aussprechbare, das Merkmal unsres gesamten verstehenden Wachseins. Schicksal ist das Wort für eine nicht zu beschreibende innere Gewißheit."

In Wahrheit geht es hier um einen Trick, wie man moralisches Denken ausschalten kann. Ein anderes Wort für Ursache ist Schuld. Wer nach den Ursachen für den Ersten Weltkrieg fragt, könnte rasch bei deutscher Schuld am Ersten Weltkrieg landen. Das war für Spengler ein Gräuel.

Hier liegt auch die Verbindung zum Thema Wirklichkeit oder Fake News. Wer genau hinschaut, wer recherchiert und Fakten benennt, kann ein Urteil fällen, über Ursachen, über Verantwortung, über Schuld. Das aber ist nicht gewünscht.

Leute wie Spengler haben gesehen, dass die Beschreibung und die Akzeptanz der Wirklichkeit zu moralischem Handeln führen können: das Grauen bei der Schlacht von Solferino zum Roten Kreuz, das Elend der Arbeiter zur Arbeitersolidarität, also zur Sozialdemokratie. Für ihre Ziele steht diesen Leuten aber die Moral im Weg, deshalb verzichten sie lieber auf die Wirklichkeit und das Kausalitätsdenken.

Der Begriff magisches Denken stammt aus der Kinderpsychologie. Kleine Kinder denken nicht in Ursache und Wirkung, sie leben in einer eigenen Welt, in der alles so ist, wie sie es sehen wollen. Spengler findet "die gelehrte Psychologie" natürlich fürchterlich, denn auch sie schaut nach Ursache und Wirkung in der Seele und übersieht "das Schicksalhafte, die wahllose Richtung des Daseins". Aber das Kinderdenken ist für Rechtsaußen genau passend.

Mit dem Begriff "innere Gewissheit" lässt sich so ziemlich alles rechtfertigen. Grauen und Elend sind dann eben Schicksal. Spengler: "Jede moralische Handlung ist im tiefsten Grunde ein Stück Askese und Abtötung des Daseins."

Damit wird auch der Begriff der Schuld eliminiert. Rechtsaußen trennt nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Gut und Schlecht. Für Spengler zählt allein der Erfolg. "Erfolg, das bedeutet den Triumph eines Daseinsstroms über die anderen", schreibt er. Schlecht ist nur das, was nicht zur Herrschaft führt, vielleicht auch weil es nicht böse genug war. Und wenn jemandem Böses widerfährt - Schicksal halt, Pech gehabt.

Wo finden sich Spuren dieses Denkens heute noch? Zum Beispiel in "Finis Germania", dem späten Werk des neurechten Grüblers Rolf Peter Sieferle. Das Buch wurde im vergangenen Jahr ein Bestseller. Sieferle bedauert, dass "der aufgeklärtere Zeitgenosse nicht mehr an ein machiavellistisches Streben nach kultureller Hegemonie glaubt". Stattdessen sieht Sieferle einen "moralischen Infantilismus", eine "umfassende intellektuelle Verschnullerung im Namen des Ausgangs aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit". Aufklärung, Moral, das sind die Feinde von Rechtsaußen geblieben.

Demokratie und Cäsarismus

Spengler-Buch, 1918: Rächt er sich, indem er recht behält?

Spengler-Buch, 1918: Rächt er sich, indem er recht behält?

Für Spengler waren die politisch besten Zeiten längst vorbei. Sein Ideal war das Ancien Régime in Frankreich, die absolutistische Herrschaft der Bourbonen bis 1789. Danach: nur noch Niedergang.

Der zweite Band vom "Untergang des Abendlandes" stand schon unter dem Eindruck der Weimarer Republik, der ersten Jahre der deutschen Demokratie. Spengler hat sie verachtet, kommt aber auch bei diesem Thema zu treffenden Analysen.

Statt des Adels regieren die Parteien, die für Spengler "eine rein städtische Erscheinung" sind. Schlimmer geht es also nicht. Zudem gibt es "im Grunde nur eine Partei, die des Bürgertums, die liberale". Das war gerade vor der letzten Bundestagswahl ein Thema, die Alternativlosigkeit in den Zeiten Angela Merkels. Die AfD hat sich das zunutze gemacht.

Die demokratischen Politiker hält Spengler für mickrig, so wie Sieferle übrigens auch. Spengler traut ihnen nicht zu, was er am meisten bewundert: die große Tat, die nicht Folge von etwas ist, also nicht in kausalen Zusammenhängen steht, sondern geschieht, weil der große Staatsmann es befiehlt. "Der Mensch soll", schreibt er.

Größenwahn ist für Spengler naturgemäß eine positive Eigenschaft. Eine Nation muss sich ausdehnen, "denn man wächst oder stirbt ab". Im Visier ist "das Wachstum der eignen Lebenseinheit - Stand oder Nation - auf Kosten der andern".

Am Ende geht das nur mit Krieg, nach innen wie nach außen. "Der Krieg ist die Urpolitik alles Lebendigen", schreibt Spengler. "Das Leben ist hart, wenn es groß sein soll. Es läßt nur die Wahl zwischen Sieg und Niederlage, nicht zwischen Krieg und Frieden."

Da ist der Weg nicht weit zum Opfergedanken. Der fehle der Demokratie, findet Spengler: "Hier stirbt man an etwas, nicht für etwas." Ähnlich klingt es bei Sieferle: "Hier stirbt keiner mehr für ein Ideal, sondern man bringt sich durch Raubüberfälle oder in Bandenkriegen um."

Dies ist bis heute eines der wesentlichen Risiken von Rechtsaußen. Diese Ideologie drängt zum Opfer, zur Gewalt, zum Krieg. "Alles Faustische will Alleinherrschaft."

Und siehe da: Adolf Hitler übernahm in Deutschland die Macht und schaltete die Demokratie ab. Manchen Zeitgenossen galt Spengler danach als großer Seher. Der Cäsarismus schien sich durchgesetzt zu haben, wie von ihm vorhergesagt. In diesem System herrschen nicht die Adligen, nicht die Parteien, nun herrscht ein Einzelner.

Ein Anhänger von Adolf Hitler wurde Spengler allerdings nicht. Bald ging er auf Distanz. In der NSDAP sah er die "Organisation der Arbeitslosen durch die Arbeitsscheuen". Und schrieb bitter: "Wir wollten die Parteien los sein. Die schlimmste blieb." Auch ein Satz zum Merken.

Spengler starb in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1936 an Herzversagen. Für Walter Benjamin war er "ein trivialer Sauhund", für Adorno ein Denker, der "kaum einen Gegner gefunden, der sich ihm gewachsen gezeigt hätte".

Bei allen Irrtümern war Spengler überraschend hellsichtig, und die wichtigste seiner Prognosen kann doch noch eintreten: dass auf die Demokratie der Cäsarismus folgt, wohl nicht in jedem Land, aber als dominante Kraft einer Epoche. Dies ist die große Auseinandersetzung des 21. Jahrhunderts. Und Spengler hat das kommen sehen. Ein Sauhund mag er gewesen sein, trivial war er nicht.



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