AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 37/2017

Krimiautoren Reski und Heinichen "Wir wissen, wo du lebst"

Petra Reski und Veit Heinichen leben beide in Italien, recherchieren über Korruption und Mord, schreiben Bestseller über das organisierte Verbrechen. Doch was, wenn die Grenze zwischen Fiktion und Realität plötzlich verschwimmt?

Journalistin Reski: "Diener des Staates im wahrsten Sinne des Wortes"
Gianmarco Maraviglia / DER SPIEGEL

Journalistin Reski: "Diener des Staates im wahrsten Sinne des Wortes"

Ein SPIEGEL-Gespräch von und Elke Schmitter


Reski, 59, Journalistin und Autorin, begann 1988 ihre Laufbahn als Redakteurin im Auslandsressort des "Stern". Reski ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebt seit 1991 in Venedig. Seit Jahren recherchiert und schreibt sie über die italienische Mafia. Sie hat Sachbücher und Romane veröffentlicht, in die sie ihr Wissen über die Mafia einfließen lässt. Im Juli kam Reskis Roman "Bei aller Liebe" im Verlag Hoffmann und Campe heraus.

Heinichen, 60, arbeitete als gelernter Betriebswirtschaftler zunächst in einem Automobilkonzern, bevor er in den Buchhandel und später ins Verlagswesen wechselte. Seit 20 Jahren lebt Heinichen in seiner Wahlheimat Triest. Die Hauptrolle in seinen Kriminalromanen spielt Commissario Laurenti, mehrere Bücher wurden von der ARD verfilmt. Heinichen thematisiert in seinen Werken vor allem die organisierte Kriminalität, deren Verstrickung mit Politik und Wirtschaft. Sein neuer Roman "Scherbengericht" ist gerade bei Piper erschienen.

SPIEGEL: Frau Reski, Herr Heinichen, Sie zählen zu den profiliertesten Autoren im Land, die sich mit dem Phänomen organisierte Kriminalität beschäftigen. Hilft es, Ausländer zu sein, um spezifisch italienische Probleme erkennen und benennen zu können?

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Heft 37/2017
Die Berliner Ruhe trügt - in Deutschland brodelt es

Reski: Nein. Vor allem dann nicht, wenn man Italien mit deutschen Maßstäben misst. Deswegen halte ich es für einen Fehler, einen Journalisten just in dem Augenblick wieder aus Italien abzuziehen, wenn er gerade angefangen hat, jenseits der Klischees zu denken. Damit der nächste kommen und von vorn anfangen kann.

SPIEGEL: Sie sind selbst Journalistin.

Reski: Eben. Deshalb weiß ich, wovon ich spreche.

Heinichen: Man kann nur über das schreiben, was man kennt. Italien ist im Norden Europas noch immer mit einem Negativklischee besetzt, das ursprünglich aus dem Ersten Weltkrieg stammt. Und das besagt: Italien hat damals die Achse aufgegeben, den Verbund mit Berlin und Wien. Unzuverlässige Gesellen, um es freundlich zu sagen. Aber es geht ja nicht allein um Italien. Ich lebe und arbeite in einem Grenzgebiet, an einem europäischen Schnittpunkt - in Triest. Mich interessiert der Zusammenprall der mediterranen Welt mit der des Nordens, der lateinischen, der germanischen und der slawischen Welt. Hier in Triest geht es um Begegnung, ums Ankommen wie auch ums Weggehen.

SPIEGEL: Sie beide schreiben Bücher übers Verbrechen. Wo finden Sie Ihre Stoffe?

Schriftsteller Heinichen: "Folge der Spur des Geldes"
Gianmarco Maraviglia / DER SPIEGEL

Schriftsteller Heinichen: "Folge der Spur des Geldes"

Reski: Ich suche nicht. Diese Stoffe kommen zu mir. Wenn man Staatsanwältinnen kennt und Anwälte, wenn man in Süditalien Freunde hat und gut vernetzt ist, dann kann man dem Thema Mafia gar nicht entgehen. Allerdings interessiert mich die Psyche der Mafiosi weniger als die der sogenannten Grauzone: die moralischen Abgründe der vermeintlich Guten. Zum Beispiel beim Geschäft der Mafia mit den Migranten, ich denke da an den Skandal um die römische "Mafia Capitale" - wo scheinbar ehrbare Beamte und Politiker ihre Deals mit der Unterwelt machten. Ich will die Mafia auch nicht als das "absolut Böse" erzählen -, weil das diejenigen der Verantwortung enthebt, die ihr die Hand halten und sich mit ihr Interessen teilen. Es geht mir um Moral. So wie Patricia Highsmith oder Graham Greene, deren Bücher ich nie als Krimis gelesen habe, sondern als Gesellschaftsromane.

Heinichen: Natürlich, der Kriminalroman ist ja genau das. In Italien nennt man dieses Genre "Giallo". Man kann es unterschiedlich auslegen. Entweder nach "Derrick"-Art - das am meisten verbreitete Format, in dem nur drei Gruppen vorkommen, nämlich: Täter, Opfer und Ermittler. Da wird am Ende der Fall gelöst, und die Welt ist wieder in Ordnung. Bei den Franzosen hingegen, im "Noir", ist die Gesellschaft immer mit im Spiel. Was ich versuche: auf der Basis präziser und zum Teil jahrelanger Recherchen ein Spektrum der Realität abzubilden und daraus Fragen abzuleiten.

SPIEGEL: Ihrem Kommissar Proteo Laurenti weisen Sie komplizierte Fälle zu: Menschen-, Mädchen- oder Organhandel, grenzüberschreitende Finanzkriminalität, alter Rassismus und neuer Faschismus. Wie kommen Sie an die Wirklichkeit so dicht heran?

Heinichen: Ich reise, ich gehe in Archive, und natürlich gibt es über Jahrzehnte gewachsene Kontakte. Für meinen Roman über den Handel mit menschlichen Organen, "Tod auf der Warteliste", war ich in der Türkei - und habe überraschenderweise festgestellt, dass an die Bosse leichter heranzukommen ist als an die Opfer. Ich konnte danach nächtelang nicht schlafen, so grausam waren diese Geschichten. Manchmal hilft es, einfach die Zeitung zu lesen. Zum Thema Kapitalströme kann man ohne viel Mühe erfahren, dass auf Druck der USA die halbe Welt eine Vereinbarung zum "Automatischen Informationsaustausch" von Finanzinformationen unterschrieben hat, allerdings in den USA selbst einige Staaten wie Delaware reine Finanzparadiese sind. Gerade beschäftigt mich, dass es nicht nur in Luxemburg, sondern auch in Genf einen Freihafen gibt. Da liegen gigantische Sachwerte aus Kunst und Archäologie. Durch die Kriege in Syrien und Irak ist der Markt voll von geraubter Kunst, dafür gibt es Abnehmer bis hin zu namentlich bekannten amerikanischen Museen. Oft ist die beste Recherchedevise: Folge der Spur des Geldes.

SPIEGEL: Vom Schwarzwald- bis zum Sylt- und Sizilien-Krimi boomt der Markt. Gehört der Triest-Krimi in diese Kategorie?

Heinichen: Natürlich kriege auch ich jeden Monat 10.000 Euro vom Tourismusamt ... Nein, nun mal im Ernst: Solche Pilgerscharen gibt es Gott sei Dank nicht. Aber diese Stadt ist nun mal ein Ort, an dem sich viele Linien treffen. Für einen Roman, in dem es um den mysteriösen Tod eines Triestiner Exzentrikers und Waffensammlers geht, habe ich über etliche Jahre mehr als hundert Zeitzeugen befragt. Ausgangspunkt waren zwei ungelöste Mordfälle aus den Siebzigern, die wiederum auf die Zeit der Nazikollaboration zurückgehen.

SPIEGEL: Wie sind Sie auf diese Fälle gekommen?

Heinichen: Sie sind in den "Europäischen Tagebüchern" von Gustav René Hocke erwähnt. Aus reiner Neugier habe ich mich auf diese Spur begeben.

SPIEGEL: Aber das, was am Ende herauskam - ist das noch Fiktion oder nicht schon eher Dokumentation?

Heinichen: Nein, Fiktion. Obwohl bei der Arbeit in den Archiven schon die Gefahr besteht, sich eine Staublunge zu holen. Mein Handwerk beginnt beim Lesen. Diese Geschichten gibt es nicht im Internet. Da stößt du plötzlich auf Spuren, die bis hin zu Roberto Calvi führen, dem sogenannten Bankier Gottes, der 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge gefunden wurde. Die Kunst besteht dann darin, das Ganze zum Roman zu verdichten, und dazu braucht man nicht nur einen guten Plot, sondern vor allem glaubhafte Figuren.

SPIEGEL: Frau Reski, von Ihrer Freundin Donna Leon stammt der Satz: "Alles, was ich über die Mafia weiß, weiß ich von Petra Reski." Ihre Anti-Mafia-Staatsanwältin Serena Vitale wirkt wie eine Art in Netzstrümpfen wiedergeborener Nino Di Matteo - also wie der Starstaatsanwalt aus Palermo. Fiktion und Wirklichkeit in einem?

Reski: Natürlich sind in diese Serena Vitale viele meiner Erfahrungen mit einer bestimmten Generation von Anti-Mafia-Staatsanwälten in Palermo eingeflossen. Viele von ihnen sind bis heute die Hoffnungsträger vieler Italiener. Anfang der Neunzigerjahre, als in Berlin die Mauer in Trümmer gefallen war, glaubte man, dass auch das Fundament der Mafia bröckeln könne. In den folgenden Jahrzehnten habe ich miterlebt, wie anders es gekommen ist. Auch was das mit diesen Ermittlern, die sich als Diener des Staates im besten Sinne des Wortes betrachten, gemacht hat.

SPIEGEL: Der Großmeister des italienischen Krimis, Andrea Camilleri, hat mit einem Buch über die Polizeibrutalität beim G-8-Gipfel in Genua 2001 gewaltige politische Wirkung erzielt. Wie viel kann, wie viel soll ein "Giallo" bewegen?

Reski: Mir würde es reichen, einen gewissen Skeptizismus zu stimulieren - anstelle der Mafiafaszination, der auch viele Autoren erliegen. Politische Wirkung? Dass ich eine persönliche Sympathie für Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung habe, ist bekannt, schlägt sich in meinen Romanen aber nicht nieder. Dadurch, dass ich noch die letzten Jahre unter Giulio Andreotti und später fast 20 Jahre Berlusconi mitbekommen habe, fällt es mir einfach schwer, mich mit den traditionellen Parteien, auch den sogenannten Linken, anzufreunden. Solange die Fünf-Sterne-Bewegung nicht von der Mafia unterwandert ist, hat sie meine Sympathie. Und Beppe Grillo im Besonderen.

Heinichen: Meinen Leser kann, will und darf ich nicht beeinflussen durch vorauseilende Wertung. Aber ein Autor kann, als teilnehmender Beobachter, Dinge ins Blickfeld rücken, die ansonsten in der zunehmenden Medienkonzentration untergingen. Wie zum Beispiel im Fall der milliardenschweren Pleite der Hypo Alpe Adria, die beileibe kein "Kärntner Schmarrn" war, wie oft behauptet wurde - sondern ein gesamteuropäisches Phänomen mit enormen Auswirkungen. Hier, von meiner Terrasse aus, sieht man den kroatischen Küstenort Savudrija. Dort waren in den Neunzigern Geschäftemacher aus Kärnten und Kroatien mit Italienern von der rechten Lega Nord aktiv. Ich habe darüber geschrieben und bin sogar für ein Vorwort verklagt worden - auf Geschäftsausfälle in Höhe von 33 Millionen Euro. Ich wurde freigesprochen, die Kläger sind mittlerweile alle verurteilt.

SPIEGEL: Wäre es einfacher, im Stil des berühmten Camilleri über fiktive Städte zu schreiben statt über Triest oder Palermo?

Heinichen: Ich bin hier in Triest eine Person des öffentlichen Lebens. Mir ist es wichtig, dass meine Bücher sofort ins Italienische und ins Slowenische übersetzt werden. Dass also Transparenz entsteht.

SPIEGEL: Donna Leon hat entschieden, dass ihre Buchreihe um den Commissario Brunetti gerade nicht ins Italienische übersetzt wird - in andere Sprachen hingegen gern.

Heinichen: Na, das ist doch purer Blödsinn. Wenn es eine Stadt gibt in Italien, wo nun wirklich alle eine Fremdsprache sprechen, dann ist es Venedig. Und wer glaubt, dass in Leons Romanen die großen Mysterien enthüllt würden, sollte bedenken: Dann könnte sie nicht jedes Jahr einen neuen Roman veröffentlichen.

Reski: Was die Gefahr für Rechercheure angeht, muss ich sagen: Die größte Unterstützung für meine Bücher, vor allem Sachbücher über die Mafia, hatte ich in Italien, keineswegs in Deutschland. Dort wurde ich verklagt und bedroht. Deshalb hoffe ich, dass auch meine Romane ins Italienische übersetzt werden - die Menschen hier lieben den Blick eines Ausländers auf ihr Land. Das grenzt fast an Selbstgeißelung.

SPIEGEL: Eines Ihrer Lieblingsthemen ist die Blindheit der Deutschen gegenüber dem Phänomen Mafia. Nach dem Motto: Als Krimi, der in Italien spielt, lesen wir das gern. Aber als Tatsachenbericht über die Mafia in Deutschland? Lieber doch nicht.

Reski: Bei meinen Auftritten stelle ich schon großes Interesse bei den Lesern fest. Aber dank des deutschen Presserechts geht jeder Journalist ein hohes persönliches Risiko ein: Klagen ohne Ende und Verleger, die dich fallen lassen.

SPIEGEL: Sie spielen auf den Verleger des "Freitag" und SPIEGEL-Miteigentümer Jakob Augstein an, der Ihnen mangelnde journalistische Sorgfalt bei einem Artikel über den Prozess eines italienischen Gastronomen gegen den MDR vorwarf und Ihnen die Kosten aufgebürdet hat. Welche Lehre ziehen Sie als Autorin daraus?

Reski: Mich hat ja nicht nur Augstein fallen lassen, sondern auch die Gewerkschaft Verdi, aus der ich deswegen nach 30-jähriger Mitgliedschaft ausgetreten bin. Aber unter dem Strich war es eine positive Erfahrung - wegen der Unterstützung meines Crowdfundings von vielen engagierten Privatpersonen. Da ich weiter über die Mafia in Deutschland schreiben will und darüber, wie sie ihre Geschäfte macht, geht das sicher besser über die Romane. Die Gefahr, dafür verklagt zu werden, ist geringer.

SPIEGEL: Worum genau geht es in Ihrem aktuellen Rechtsstreit?

Reski: Ich habe keine Tatsachenbehauptung aufgestellt, die bereits widerlegt war, sondern in der inkriminierten Passage über eine Gerichtsverhandlung und deren Ergebnis berichtet - klassische Gerichtsberichterstattung.

Heinichen: Ich würde mich sowieso weigern, von Mafia zu sprechen, ohne dass genau benannt wird, was das ist. Es sind angeblich immer nur die anderen. Dabei ist die Mafia in Wahrheit ein internationaler Großkonzern, der kein Geschäftsfeld unberührt lässt. Die Mafia hat keine Nation. Der Begriff ist nach Filmen wie "Der Pate" zur Folklore verkommen. Doch inzwischen sind wir zwei Generationen weiter. Die Söhne der Mafiosi haben studiert und sitzen in verantwortungsvollen Positionen. Organisiertes Verbrechen hat im Übrigen eine klare Definition: das Zusammenkommen von mehr als zwei Personen, die unter Umgehung von Gesetzen versuchen, ihre Macht und ihren Reichtum auszubauen.

Heinichen, Reski, SPIEGEL-Redakteure (Walter Mayr und Elke Schmitter in Triest): "Vergiss den Datenschutz!"
Gianmarco Maraviglia / DER SPIEGEL

Heinichen, Reski, SPIEGEL-Redakteure (Walter Mayr und Elke Schmitter in Triest): "Vergiss den Datenschutz!"

SPIEGEL: Wie lässt sich dem beikommen?

Heinichen: Italien ist das einzige Land in Europa, dessen Staatsanwaltschaft frei von politischer Weisung ist. Hier kann, anders als in Deutschland etwa der Ermittler Winfried Maier in der Schreiber-Kohl-Affäre, kein Staatsanwalt in seiner Arbeit behindert werden. Das ist ein fundamentaler Vorteil.

Reski: Die italienischen Ermittler bemängeln außerdem regelmäßig, dass das deutsche Geldwäschegesetz vollkommen unzureichend ist. Die unlängst hinausposaunte vermeintliche Neufassung des deutschen Antimafiarechts halte ich für pure Wahlpropaganda, für Augenwischerei. Ich bin immer wieder überrascht vom Gottvertrauen der Deutschen in ihre Gesetze und vor allem in diejenigen, die diese Gesetze machen.

SPIEGEL: Spielt da die Datenschutzobsession vieler Deutscher eine Rolle?

Reski: Natürlich. Die italienischen Staatsanwälte sagen: Wenn wir, wie in Deutschland, keine Telefone abhören dürften, würden wir rein gar nichts erfahren.

Heinichen: Italien ist in Sachen Ermittlungen seit Jahrzehnten die europäische Avantgarde. Das Eigenbild der Deutschen in dieser Hinsicht ist realitätsfremd. Solange in Deutschland die Landeskriminalämter beispielsweise über unterschiedliche Database, also Informatiksysteme, verfügen, gibt es dort ein permanentes, selbst gemachtes Sicherheitsproblem. Und apropos Datenschutz: Solange ich mit Kreditkarte bezahle und mich dabei von der Videokamera des Supermarkts filmen lasse, solange ich überhaupt mobil telefoniere - vergiss den Datenschutz!

SPIEGEL: Wie ist es bei Ihnen persönlich, was die Gefährdung angeht?

Heinichen: Gefahr? Eine Rufmordkampagne von eineinviertel Jahren wegen angeblicher Pädophilie gegen mich gab es, ja. Mit Aufschriften an meiner Grundstücksgrenze: "Wir wissen, wo du lebst". Das war ein Profi. Wenn du auf dem Papier weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren hinterlässt, haben die Ermittler ein Problem. Unter meinen Lesern war einer der damals berühmtesten Profiler, und der meldete sich und war behilflich. Am Ende war man sicher, dass es mit einem Buch zu tun hatte - "Die Toten vom Karst" -, in dem es um Vertreibungen aus Jugoslawien nach dem Krieg ging, ein Streitthema zwischen den Linken und der extremen Rechten in Italien. Aber der Schuldige in dieser Sache ist noch immer nicht gefunden.

Reski: Ich habe keine Leibwächter und will auch keine haben. Es ist doch pervers, dass man schon voraussetzt: Wenn du über die Mafia schreibst, kriegst du Probleme. Normal wäre, dass du darüber schreibst und dann verteidigt wirst. Wenn Journalisten mit mir sprechen, komme ich mir bisweilen vor wie eine Ameisenforscherin - als hätte ich so ein ganz exotisches Hobby. Und das als Frau, da heißt es gleich: Die hat sich wohl verbissen. Ein Mann würde für seine Beständigkeit gelobt. Aber es ist doch so: Wenn der Kläger im Gerichtssaal dem Anwalt deines Verlags die Hand auf den Arm legt und ihm mitteilt: "Sagen Sie ihr, beim nächsten Mal soll sie mit sechs Polizisten kommen", dann weißt du, was los ist.

SPIEGEL: Was bewirkt das bei Ihnen?

Reski: Ich hätte die Protagonisten meiner Romane nicht so erfinden können, wenn ich diese Erfahrungen nicht gemacht hätte. So gesehen kann ich nur dankbar sein.

SPIEGEL: Frau Reski, Herr Heinichen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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