15.03.1999

CEBIT SPECIALDie Cyber-Elite

Sie sind die Giganten der Kommunikationsindustrie, sie führen Medienleute, Manager und Machthaber ins dritte Jahrtausend: die Top twenty der Web-Society.
1. BILL GATES
Mitbegründer und Chef der Microsoft Corporation ALTER: 43 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 87 Milliarden Mark ADRESSE: www.microsoft.com KARRIERE UND FIRMA: Mit 13 schon schrieb Gates in Seattle Computerprogramme, heute erinnert er an König Midas - alles, was er anpackt, wird zu Gold. Doch das Blatt könnte sich wenden. Einige der besten Köpfe im Silicon Valley kämpfen an der Seite des US-Justizministeriums im Antikartellverfahren gegen die marktbeherrschende Stellung von Microsoft, Staatsanwälte in 20 Bundesstaaten ermitteln. Für Gates wird die Lage kritisch. Neben dem Kartellverfahren ist auch die rasche Entwicklung des Technologiemarktes eine Gefahr für Microsoft. Da Computer mehr und mehr zu Kommunikationsmitteln werden und ihre Bedeutung als schlichte Werkzeuge für Tabellenkalkulation und Textverarbeitung sinkt, dürfte der Umsatz mit Bürosoftware zurückgehen. Diese Entwicklung ist Gates nicht entgangen. Das Betriebssystem Windows CE soll die Vormachtstellung auch in einer Welt kleinerer und spezialisierterer Computer erhalten. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Microsofts Märkte mögen sich zwar verändern, aber die Firma hat die Cleverness, das Geld und die Hartnäckigkeit, um auf solche Verwerfungen reagieren zu können. Sollte der Aktienkurs während des Verfahrens weiter sinken, könnte das der richtige Moment für einen Einstieg sein.
2. NOBUYUKI IDEI
Präsident von Sony ALTER: 61 ADRESSE: Presidents Room, 6-7-35 Kita-Shinagawa, Shinagawa-ku, Tokio 141, Japan KARRIERE UND FIRMA: Idei hat einen extrem geradlinigen Aufstieg hinter sich. Nach seinem Uni-Examen (Politik und Wirtschaftswissenschaften) ging er 1960 zu Sony, arbeitete für den Konzern jahrelang in der Schweiz und in Frankreich und kümmerte sich dann vor allem um die Video- und Audio-Branche, das Kerngeschäft. Seit Gründung des Unternehmens im Nachkriegs-Tokio waren Sony-Produkte bislang fast immer autonom funktionierende Geräte. Ob Transistorradio, Walkman oder Camcorder - die Firma setzte ihre Milliarden hauptsächlich mit stets kom- pakter werdender Elektronik um. Mit dem Anbruch des Internet-Zeitalters macht der Gigant jetzt den Schritt zu vernetzten Konsumartikeln; in Zukunft werden die Geräte durch Satelliten und Modems verbunden sein. Das Schlagwort heißt Konvergenz, und Idei arbeitet hart an Sonys Plazierung in einem Markt, in dem die Grenzen zwischen Hardware und Software verschwimmen. Ideis Freundschaft mit Bill Gates hat sich dabei schon bezahlt gemacht. Sony verkündete eine Partnerschaft mit Microsoft; die Firma unterstützt die neue Plattform Windows CE. Während Sonys Filmstudio noch Probleme hat, sind die digitale Kamera Mavica und das neue Vaio SuperSlim-Notebook erfolgversprechend. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Sogar ein globales Schwergewicht wie Sony geriet durch die asiatische Wirtschaftskrise ins Schleudern. Im letzten Quartal 1998 sanken die Gewinne um 19,8 Prozent. Mit weltweiten Umsätzen von über 80 Milliarden Mark dürfte Sony dieses ökonomische Tief aber überstehen.
3. STEVE CASE
Chef von America Online, Inc. ALTER: 40 GEHALT 1997: 4,6 Millionen Mark ADRESSE: SteveCase@aol.com KARRIERE UND FIRMA: Bevor er zum Netzprovider und Online-Dienst AOL kam, vermarktete Case Haarkuren für Procter & Gamble und testete Pizzasorten für die Kette Pizza Hut. Nun tummelt sich der Manager lieber unter Wall-Street-Magnaten als bei seinen Kollegen im Silicon Valley - was dazu beitrug, daß er kürzlich in den Vorstand der New York Stock Exchange gewählt wurde. Sein Gefühl dafür, was Internet-Surfer wollen (Benutzerfreundlichkeit, Schnelligkeit), machte sein Unternehmen zum Marktführer weltweit. Allein im letzten Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 54 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Mark, und Case wurde zum Milliardär. Jetzt haben AOL-Manager entdeckt, wie man nicht nur durch Gebühren reich wird, sondern auch noch aus der Abonnentenbasis (rund 15 Millionen) Geld macht: durch bezahlte Vermittlung der Kunden an Inserenten. Seit einem Marketingfeldzug mit dem Film "You've got mail" als Krönung ist das Kürzel AOL allgegenwärtig. Case setzt auf weitere Expansion und will "das Medium Internet so verbreiten wie Telefon und Fernseher": AOL kaufte die Internet-TV-Firma NetChannel und den Browser-Hersteller Netscape. In Europa setzt der Chef vor allem auf Zusammenarbeit mit Bertelsmann. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Die AOL-Aktien stehen sehr hoch, aber wer Millionen Novizen ins Internet bringt, dürfte auch weiter am Erfolg des neuen Mediums teilhaben.
4. CRAIG BARRETT
Chef von Intel ALTER: 59 ADRESSE: Robert Noyce Building, 2200 Mission College Boulevard, P. O. Box 58119, Santa Clara, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Barret ist seit über 24 Jahren bei dem Chiphersteller, wurde aber erst im Mai vergangenen Jahres auf den Chefposten berufen - für ihn ein unglücklicher Zeitpunkt, denn derzeit sieht sich die Firma in einer umfassenden Krise: Da die meisten Computer auch mit Prozessoren des jeweils letzten Jahres gut funktionieren, haben viele Konsumenten ihre Aufmerksamkeit dem Wesentlichen zugewandt: dem Preis. Die Popularität des Billig-PC hat Intel überrascht, andere Hersteller wie der Erz-Konkurrent AMD besetzten die Marktlücke. Das könnte Intels Profite auch dauerhaft schmälern, obwohl sich die Firma inzwischen darauf eingestellt hat: "Ich glaube, daß der Billig-PC langfristig eher gut für die Branche ist, weil er neue Käuferschichten anspricht", so Barrett in einem SPIEGEL-Interview (38/1998). Datenschützer rief die Firma auf den Plan, als sie Anfang des Jahres ankündigte, numerierte Chips auszuliefern, mit denen jeder PC - und damit potentiell jeder User - identifizierbar wäre. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Noch immer haben rund 90 Prozent aller PC "Intel Inside". Über die Zukunft sind sich die Finanzgurus aber nicht einig. Die Aktie schwankte 1998 zwischen 141 und 66 Dollar. Also: behalten, was man hat, und abwarten.
5. LOUIS GERSTNER
Chef von IBM ALTER: 56 GEHALT 1997: 2,6 Millionen Mark ADRESSE: www.ibm.com/lvg KARRIERE UND FIRMA: Gerstner schien nicht unbedingt prädestiniert für die Aufgabe, IBM aus einer Abwärtsspirale heraus in das 21. Jahrhundert zu führen. Nach seiner Karriere bei RJR Nabisco und American Express hatte der hartgesottene Manager mehr Erfahrung mit der Vermarktung von Massenartikeln als mit der elitären Klientel im High-Tech-Business. Heute gilt Gerstners präzises Verständnis von Normalverbrauchern in der Geschäftswelt als wichtigeVoraussetzung für die Kursänderung des Computergiganten. Seit seinem Wechsel zu IBM vor sechs Jahren ist der Wert der Firma um rund 145 Dollar pro Aktie gestiegen. Von 13 Milliarden Mark Verlust im Jahr 1993 hievte Gerstner die Bilanz auf 11 Milliarden Mark Gewinn (1997). Gerstner hat den Ruf, nicht mehr zu versprechen, als er halten kann. Dennoch geht er davon aus, daß IBM schon bald zweistellige Gewinnzuwächse haben wird. Gerstner will vor allem den lukrativen Servicesektor zum zentralen Geschäftsgegenstand machen. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Der IBM-Kurs zeigt geringere Schwankungen als andere Technologiepapiere. Da Gerstner das Vertrauen der Analysten wiedergewonnen hat, halten Experten IBM-Aktien für eine langfristig ordentliche Anlage.
6. JERRY YANG
Mitgründer von Yahoo, Inc. GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 1,7 Milliarden Mark ADRESSE: 3420 Central Expressway, Santa Clara, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Mit erst 29 Jahren wurde Yang Anfang des Jahres zum Dollar-Milliardär - das war, als die Yahoo-Aktie einen Stand von 174 Dollar erreichte. 1993 stellten er und sein Kumpel David Filo "Jerry's Guide to the World Wide Web" zusammen - eine Art Inhaltsverzeichnis für das Internet. Inzwischen ist Yangs Suchmaschine Yahoo für viele Menschen zum täglich genutzten Sprungbrett ins World Wide Web geworden. Rund 50 Millionen Kunden pro Monat besuchen die Webseite - Weltrekord. Die Firma hat diesen Vorsprung gegenüber schnelleren Mitbewerbern durch ein "cooleres" Image geschafft. Wenn es nach Yang geht, wird in Zukunft freilich kaum noch jemand einfach nur einen Begriff suchen und sich dann aus dem Staub machen. Weil sogenannte Communities - auf bestimmte Interessengebiete spezialisierte Gemeinschaften im Internet - das wahre Potential an Inserenten bergen, kaufte Yahoo im Februar für 3,6 Milliarden Dollar die 3,5 Millionen Mitglieder umfassende Gemeinde von Geocities. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: In dem Maß, in dem Yahoo den Aktionsradius vergrößert, wird die Firma aus ihrer Bekanntheit Nutzen ziehen. Profitabel ist sie jetzt schon, gleichwohl arg hoch bewertet. Nach einer Rückkehr des Aktienkurses auf einen vernünftigen Stand gilt für Yahoo die Empfehlung "Strong Buy".
7. STEVEN JOBS
Mitbegründer und Chef von Apple Computer, Inc. und Next Software, Inc., Chef der Pixar Animation Studios ALTER: 44 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: mehr als zwei Milliarden Mark ADRESSE: One Infinite Loop, Cupertino, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Egal was Jobs anpackt, er darf sich allgemeiner Aufmerksamkeit sicher sein. Nachdem er die Computerindustrie mit dem Apple II und dem Macintosh revolutioniert hatte, verließ er Apple 1985, um Next Software zu gründen, zudem kaufte er George Lucas die Trickfilm-Firma Pixar Animation Studios ab. Als sein Nachfolger bei Apple, Gil Amelio, gescheitert war, kehrte der charismatische Jobs als "interimistischer Chef" zurück. Wieder Herr seiner Firma, brachte Jobs den PowerMac G3 heraus - das wurde Apples erfolgreichster Computer aller Zeiten. Unterdessen erntet der futuristische iMac enthusiastische Kritiken für seinen Rechner, sein kompaktes Konzept und sein Design. Seit vier Quartalen verdient die Firma wieder Geld. Pixar-Manager hoffen derweil, 1999 eine Fortsetzung des computeranimierten Spielfilms Toy Story fertigzustellen. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Apples Erträge haben die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Noch vor wenigen Monaten hatten die meisten Anleger und Analysten die Firma fast abgeschrieben; Jobs Erfolge aber rücken Apple in ein besseres Licht. Die Lebenszeichen sind stark, dennoch dürfte ein Investment in Apple nach wie vor nichts für schwache Nerven sein. Nur wer sich den Slogan der Firma ("Think Different") zu Herzen nimmt, plaziert sein Geld hier. Konservativere Charaktere ziehen Pixar Animation Studios vor.
8. STEVE BALLMER
Präsident von Microsoft ALTER: 42 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: knapp 20 Milliarden Dollar ADRESSE: www.microsoft.com KARRIERE UND FIRMA: Ballmer ist berüchtigt für seinen derben, aggressiven Stil. Er hat entscheidenden Einfluß bei allem, was Microsoft tut. Die Umstände, unter denen Ballmer auf Bill Gates traf, sind entsprechend: Beide studierten in den siebziger Jahren in Harvard und gingen zusammen ins Kino, um sich den Brutalo-Klassiker "Uhrwerk Orange" anzusehen. Seit Gates ihn 1980 zu Microsoft holte, ist Ballmer Gates' Statthalter, seit 1998 regiert er als Präsident und gilt als Thronfolger. Seine Ernennung erfolgte zu einem pikanten Zeitpunkt. Mitten im Antikartellverfahren beförderte Gates jenen Mann, der die Anlässe für dieses Verfahren zu verantworten hat. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Microsoft-Anteile sind keine schlechte Portfolio-Ergänzung. Siehe auch unter "Bill Gates".
9. MICHAEL DELL
Chef von Dell Computer ALTER: 34 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 17 Milliarden Mark ADRESSE: www.dell.com KARRIERE UND FIRMA: Aus Michael Dells Medizinstudium an der Universität von Texas wurde nicht allzuviel: Gegen den Willen seiner Eltern beschäftigte er sich lieber mit dem Aufpolieren von IBM-Computern, die er dann aus seiner Studentenbude heraus verschickte. Das Geschäfts-Prinzip hat sich bewährt: 1984 gründete er seine eigene Firma und machte bereits im ersten Geschäftsjahr sechs Millionen Dollar Umsatz, inzwischen gilt er als reichster Texaner, der Wert seines Privathauses wird auf rund 350 Millionen Mark geschätzt. Weil das Unternehmen aus Austin die Computer fast ausschließlich per Direktvertrieb an die Kunden liefert, spart es Händlerspannen und Lagerkosten - bis zu 15 Prozent der Gesamtkosten. Zudem bekommen Dell-Kunden maßgeschneiderte Computer ins Haus. So macht das Unternehmen allein über die Webseite 14 Millionen Mark Umsatz pro Tag. Während die Konkurrenz an der Hongkong-Grippe laborierte, stieg der Asien-Umsatz von Dell 1998 um 76 Prozent. Der Einstieg in den chinesischen Markt könnte die Ergebnisse noch verbessern. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Dell-Aktien sind Lieblinge der Investoren. Während viele befürchten, daß günstige Netzwerk-Computer Dells Margen künftig schmälern könnten, fühlt sich Dell diesem Problem gewachsen: Die Firma verkauft auch Server.
10. BERNIE EBBERS
Präsident und Chef von MCI WorldCom ALTER: 57
NETTOEINKOMMEN 1997: mehr als 650 Millionen Mark ADRESSE: 515 E. Amite Street, Jackson, Missouri KARRIERE UND FIRMA: Ebbers managt eines der erfolgreichsten Unternehmen im Telekom-Business. Der gebürtige Kanadier hat zweimal das College abgebrochen und sich als Milchmann und Türsteher verdungen, bevor ihm als Großhändler für telefonische Fernverbindungen der Durchbruch gelang. Seine Firma LDDS (Long Distance Discount Service) übernahm kleinere Firmen (zwei wertvolle Bestandteile sind heute MFS Communications und Uunet). Das Resultat war WorldCom, einer der größten Anbieter von Internet-Verbindungen. Vergangenes Jahr versetzte Ebbers die Branche durch seine Fusion mit MCI ins Staunen. Das Ergebnis, die Firma MCI WorldCom, hat einen Börsenwert von rund 155 Milliarden Dollar und könnte bald mehr als die Hälfte des gesamten Internet-Verkehrs kontrollieren. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: MCI WorldComs Aktien haben 1998 um fast 140 Prozent zugelegt. Obwohl sich viele Anleger um die Performance des fusionierten Unternehmens Sorgen machen, haben die Umsätze um 14 Prozent zugenommen. Die Aktie dürfte für jedes Portfolio eine vernünftige Ergänzung sein.
11. PAUL ALLEN
Verwaltungsratsvorsitzender von Vulcan Northwest ALTER: 46 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 36 Milliarden Mark ADRESSE: www.paulallen.com KARRIERE UND FIRMA: Allen weiß, was er mag, und was er mag, das kauft er. Eine 45 Meter lange Jacht etwa oder eine Football-Mannschaft. Nach der Mitbegründung von Microsoft und seiner Arbeit an den Erfolgsprogrammen "Word" und "Windows" verließ er 1983 die Firma. Unternehmerisch setzt Allen jetzt vor allem auf die Kabeltechnik. 1998 erwarb er die Kabelfirma Marcus Cable und ging mit Asymetrix (Schulungssoftware) an die Börse. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Wer an Allen glaubt, sollte Anteile an Asymetrix erwerben, Vulcan Northwest wird nicht an der Börse gehandelt.
12. LAWRENCE ELLISON
Mitbegründer und Chef der Oracle Corporation ALTER: 54 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: zehn Milliarden Mark ADRESSE: 500 Oracle Parkway, Redwood Shores, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Ellison ist Chef der zweitgrößten Software-Firma der Welt. Nummer zwei zu sein würde den meisten Leuten genügen so wie wohl auch Ellisons Statussymbole: ein 40-Millionen-Dollar-Domizil, Jacht-Regatten und ein privater Militärjet; riskantere Sportarten gab er nach diversen Knochenbrüchen auf. Aber der Freund von Apple-Chef Steven Jobs will mehr und hat Bill Gates den Krieg erklärt - eine Privatfehde, die ihm offenkundig großen Spaß macht. Dennoch genießt er für die kompetente Leitung der Software-Firma hohes Ansehen. Er lenkt die Abteilung für Datenbank-Applikationen persönlich, vergrößerte die Verkaufsmannschaft jetzt auf 2000 Leute und arbeitet an einer 70-Millionen-Mark-Werbekampagne. Sein Einstieg ins Geschäft war vergleichsweise billig: 1977 investierte er rund 4000 Mark Startkapital. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Einige Analysten zweifeln zwar an der Konkurrenzfähigkeit von Oracle-Produkten, was sich bisweilen in sehr heftigen Kursschwankungen ausdrückt. Aber niemand zweifelt an Ellison. Behalten Sie Anteile, wenn Sie welche haben.
13. SCOTT MCNEALY
Chef von Sun Microsystems ALTER: 44 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 675 Millionen Mark ADRESSE: 901 San Antonio Road, Palo Alto, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Auf dem Titelbild von "Fortune" war er in einem Superman-Dreß zu sehen - Botschaft: Javaman ist gekommen, um uns alle vom bösen Microsoft-Gespenst zu befreien. Mit der Programmiersprache Java und der Allianz mit Netscape und AOL will McNealy Gates entthronen. Sun wurde 1998 zur Nummer eins unter den Herstellern von Unix-Servern und überholte IBM. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Sogar Gates lobt Unix, Intel setzt mit seinem neuen Prozessor auf Sun-Server. Profite scheinen sicher.
14. JEFF BEZOS
Gründer und Chef von Amazon.com ALTER: 34 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 3,4 Milliarden Mark ADRESSE: www.amazon.com KARRIERE UND FIRMA: Es wirkt wie Ironie, daß eines der bekanntesten Unternehmen im Internet ein Laden für Bücher ist - ein Medium, von dem viele meinen, es werde überflüssig. Geräte wie das Rocketbook, in das Besitzer Romane wie Software hineinladen können, sind zwar schon auf dem Markt, doch noch hat Amazon Erfolg mit dem Verkauf der Papierversionen. Bezos wurde 1998 zum Multimilliardär. Der Princeton-Absolvent fährt freilich immer noch einen billigen Honda. Er will Amazon zu einem elektronischen Einkaufszentrum machen und kauft passende Ergänzungen. Bezos setzt zudem auf Ausweitung seines Geschäfts in Europa, vor allem in Großbritannien und Deutschland. Hier sei die Post weit besser als in den USA, eine große Hilfe für Versandhändler. Freilich hat Amazon Konkurrenz bekommen, seit Bertelsmann in den Online-Handel eingestiegen ist. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Seit dem Börsengang im Mai 1997 stieg die Amazon-Aktie um rund 3000 Prozent auf gut 120 Dollar. Das klingt gut, aber noch hat Amazon kaum Gewinn abgeworfen. "Fortune" nannte das Papier eine Aktie für Händler, nicht für Investoren. Platzt die Blase der Internet-Aktien, was Analysten befürchten, könnten Amazon-Aktionäre zu den Opfern gehören.
15. ECKHARD PFEIFFER
Chef der Compaq Computer Corporation ALTER: 57 FIRMENUMSATZ 1998: fast 53 Milliarden Mark ADRESSE: 20555 State Highway 249, Houston, Texas. KARRIERE UND FIRMA: Pfeiffer hat den Ruf, sein Publikum bei Vorträgen regelmäßig einzuschläfern. Aber der stoische Deutsche hat Compaq durch die Turbulenzen im PC-Geschäft zum Erfolg geführt. Pfeiffer übernahm 1991 den Vorsitz und ging seither einige Risiken ein - etwa bei der Akquisition von Tandem Computers für drei Milliarden Dollar. Er machte Compaq zum größten PC-Hersteller der Welt (13,8 Prozent Marktanteil) und zur zweitgrößten Computerfirma überhaupt - nach IBM. Compaq kaufte 1998 für 15 Milliarden Mark die Digital Equipment Corporation, ein Deal, der die Dominanz noch verstärken wird. Doch Pfeiffer sieht weiter in die Zukunft: In Anlehnung an seinen Konkurrenten Michael Dell will er dem Internet mehr Aufmerksamkeit schenken, der Erwerb von AltaVista, einer der größten Suchmaschinen, war ein erster Schritt. Pfeiffer setzt auf das Wachstum von Electronic Commerce und peilt zur Jahrtausendwende jährliche Umsätze von rund 100 Milliarden Mark an. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Trotz des zuletzt heftig abgestürzten Kurses geben US-Analysten Compaq die gute Note: "buy".
16. MASAYOSHI SON
Chef der Softbank Corporation ALTER: 41 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 3,7 Milliarden Mark ADRESSE: 24-1, Nihonbashi Hakozakicho, Chuo-ku, Tokio KARRIERE UND FIRMA: Branchenkenner nennen ihn den Bill Gates von Japan, und das ist nicht immer als Kompliment gedacht. Wegen seiner aggressiven Investitionen erweckt der Chef von Japans größtem Software-Haus das Mißtrauen vieler Zeitgenossen. Son machte die erste Million Dollar, noch bevor er seinen Universitätsabschluß hatte, und gründete mit 23 Jahren die Firma Softbank. Seither dient ihm das Unternehmen als Brückenkopf für Investitionen in andere Computerfirmen wie Yahoo oder Comdex. Offenbar kommt dabei aber das eigene Haus zu kurz: Vergangenes Jahr versäumte Softbank neue Trends beim Vertrieb von Software, das Unternehmen hat zudem durch den wirtschaftlichen Absturz Japans schwer gelitten. Dennoch kassierte Son im April vergangenen Jahres 680 Millionen Mark, als der Computerpressegigant Ziff-Davis, der zu Softbank gehört, an die Börse ging. 1999 dürfte er erneut viel Geld in Internet-Firmen stecken. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Die Börse von Tokio ist nichts für schwache Nerven, aber Analysten halten Softbank für einen vergleichsweise soliden Wert, allerdings ist der Kurs mit rund 70 Dollar sehr hoch.
17. JOHN CHAMBERS
Chef von Cisco Systems ALTER: 49 GEHALT 1997: knapp eine Million Mark ADRESSE: 170 West Tasman Drive, San Jose, Kalifornien KARRIERE UND FIRMA: Chambers führt eine der erfolgreichsten Technologiefirmen, die gleichwohl außerhalb der Wall Street kaum jemand kennt. "Wenn man sich das Internet als globales Dorf vorstellt", so der ehemalige IBM-Manager in einem SPIEGEL-Gespräch (10/1999), "dann bauen wir die Kreuzungen und Ampeln." Chambers setzt auf Kundenservice, aggressive Rekrutierung von Mitarbeitern und die skrupellose Übernahme bewährter Technologien anderer Firmen. Der Börsenwert der Hardware-Firma stieg in nur 14 Jahren auf mehr als 200 Milliarden Mark - bei Microsoft dauerte das 20 Jahre. Nun peilt Chambers eine dieser Leistung angemessene Präsenz in der Öffentlichkeit an: 1998 schaltete Cisco erste Spots im US-Fernsehen. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Von der zunehmenden Nutzung des Internets durch Telefonunternehmen wird auch Cisco profitieren.
18. CHRISTOS COTSAKOS
Chef von E*Trade ALTER: 50 GESCHÄTZTES VERMÖGEN: 70 Millionen Mark ADRESSE: www.etrade.com KARRIERE UND FIRMA: Über Cotsakos' Webseite kann man mit Wertpapieren handeln. Der hochdekorierte Vietnam-Veteran hat offenbar die Nervenstärke, um gegen größere Brokerfirmen anzutreten. 1998 schloß Cotsakos Verträge mit Yahoo und ZDNet ab und kooperierte mit drei anderen Service-Seiten, die für geschäftsentscheidende Extras sorgen: Chat, Infrastruktur und Aufbau einer Kundengemeinde. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Angesichts des guten Kursverlaufs Ende des Jahres raten Analysten zum Halten.
19. HENNING KAGERMANN UND HASSO PLATTNER
Vorstandssprecher der SAP AG ALTER: 51 und 55 GEMEINSAMES VERMÖGEN: rund elf Milliarden Mark ADRESSE: www.sap.com KARRIEREN UND FIRMA: SAP produziert Software, mit der Unternehmen ihre Abteilungen vernetzen. Der Marktführer bei kaufmännischer Infrastruktursoftware erwirtschaftete 1998 einen Umsatz von 8,5 Milliarden Mark und knapp zwei Milliarden Vorsteuergewinn, in diesem Jahr sollen es rund 20 Prozent mehr Umsatz werden. SAP ist die viertgrößte Software-Firma der Welt. Plattner geht mit Bill Gates segeln, Microsoft half bei der Internet-Tauglichkeit von SAP-Produkten, SAP verkauft mit Client/Server-Software auch Windows NT. Physikprofessor Kagermann scheint sich beim Programmieren wohler zu fühlen als in der Geschäftswelt. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Mit einem börsennotierten Wert von 120 Milliarden Mark war SAPs Aufnahme in die New York Stock Exchange der höchste Eintrag aller Zeiten. Trotz eines Rückschlags gebe es, so zitiert das US-Magazin "Time" Analysten, "nur wenige bessere Langzeitinvestitionen".
20. WOLFGANG KEUNTJE
Geschäftsführer von T-Online ALTER: 42 ADRESSE: www.t-online.de KARRIERE UND FIRMA: Keuntje hat die Tochter der Deutschen Telekom aus der technologischen Steinzeit des BTX-Systems in das Internet-Zeitalter geführt. Der Verfechter von flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungen dirigiert inzwischen rund 600 Mitarbeiter, mehr als doppelt so viele wie beim Start von T-Online 1995. Er führte das Unternehmen auch in die schwarzen Zahlen. Das Jahr 1998 stand bei T-Online im Zeichen der Qualitätsverbesserung - eine notwendige Maßnahme nach den Problemen bei der Einführung neuer Software. Die 2,8 Millionen Mitglieder zählende T-Online-Gemeinde macht den Konkurrenten von AOL zum zweitgrößten Anbieter der Welt. Jetzt will Keuntje die Internationalisierung forcieren - mit bisher mehr als 2500 Einwählknoten in 150 Ländern. "WebMail" soll Microsofts "Hotmail" Paroli bieten und den Nutzern über jeden PC mit Internet-Anschluß Zugang zur elektronischen Post gewähren. Wie schnell T-Online die Internet-Telefonie umsetzt, hängt von laufenden Pilotversuchen ab. PERSPEKTIVE FÜR INVESTOREN: Wer an T-Online glaubt, kann Telekom kaufen.
In Zusammenarbeit mit "Time".

DER SPIEGEL 11/1999
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