16.09.2013

BERGBAUBedroht Giftmüll das Grundwasser?

Im Skandal um mehr als 500 000 Tonnen Sondermüll, die in Steinkohlenbergwerken gelagert werden, kommen der Kohlekonzern RAG und die nordrhein-westfälische Genehmigungsbehörde durch ein neues Gutachten in Erklärungsnot. Demnach wurden kurz vor der Genehmigung der Sondermülllagerung 1994 eindeutige Hinweise gefunden, dass der hochgiftige Müll mit Grund- und Trinkwasser in Verbindung kommen könnte. Dies geht aus einem noch unveröffentlichten Gutachten des Geologen Peter Carls hervor. Der Wissenschaftler hat Hunderte Seiten Genehmigungsunterlagen aus den neunziger Jahren geprüft und erstaunliche Funde gemacht. So gab es damals in den Schachtanlagen klare Hinweise auf Süßwasser. Normalerweise, so Carls, sei das Wasser in Tiefen von bis zu 1000 Metern extrem salzhaltig. Dass in den Proben immer wieder auch Süßwassermengen auftauchen, könne nur einen Grund haben: Durch bergbaubedingte Brüche und Senkungen bestünden Verbindungen zur Oberfläche und damit zu grundwasserführenden Schichten. Genau das bestreiten RAG und die zuständige Bergaufsicht bislang vehement. Sie behaupten, dass der mit hochgiftigen Dioxinen und Schwermetallen verseuchte Müll sicher eingeschlossen sei. Auswaschungen könnten wegen der Undurchlässigkeit der darüberliegenden Gesteinsmassen nie an die Oberfläche gelangen. Süßwasser komme nicht vor. Erste Zweifel an diesen Behauptungen hatte kürzlich ein Landwirt in Bergkamen geäußert (SPIEGEL 29/2013). Er hatte beobachtet, dass auf seinen Feldern aus Erdspalten Wasser austritt. In der Umgebung verdorrt die Erde, und es wachsen keine Pflanzen. Bodenproben im Umkreis ergaben hohe Salzgehalte, auch Dioxine und Schwermetalle wurden in geringen Konzentrationen gefunden. Die NRW-Landesregierung will den Vorgang am Mittwoch im Umweltausschuss diskutieren. Umweltverbände wie der BUND sprechen von einer "tickenden Zeitbombe".

DER SPIEGEL 38/2013
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