07.10.2013

Wieso ist die Banane die Frucht der Deutschen, Herr Stellmacher?

Bernhard Stellmacher, 72, ist Leiter des Deutschen Bananenmuseums in Sierksdorf. Er beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Banane.
SPIEGEL: Als Otto Schily nach der Volkskammerwahl 1990 gefragt wurde, weshalb die CDU und nicht die SPD die Wahl im Osten gewonnen habe, zog er als Antwort eine Banane aus seiner Jackentasche. Hat die Banane seither etwas von ihrer Bedeutung für die Deutschen verloren?
Stellmacher: Die Deutschen essen über eine Million Tonnen Bananen jedes Jahr. Sieben Prozent der weltweit exportierten Bananen gehen nach Deutschland. In keinem anderen Land Europas lieben die Menschen die Banane so sehr.
SPIEGEL: Warum ausgerechnet die Deutschen?
Stellmacher: Ausreichend Bananen zu haben war den Deutschen immer wichtig. Die Nazis warben mit der Kamerunbanane aus der ehemaligen deutschen Kolonie für die "Erhaltung der Volksgesundheit". Während des Krieges mussten die Importe aber gestoppt werden, danach gab es einen enormen Nachholbedarf. Konrad Adenauer hat deshalb in einem Zusatzprotokoll zu den Römischen Verträgen durchgesetzt, dass die Deutschen zollfrei amerikanische Bananen einführen dürfen. Nach der Wende stieg der jährliche Verbrauch der Ostdeutschen sogar auf 27 Kilogramm pro Kopf.
SPIEGEL: Müssen Bananen tatsächlich laut EU-Verordnung einen bestimmten Krümmungsgrad haben?
Stellmacher: Nein, es gab mal eine Krümmungsverordnung für Gurken. Die Bananenverordnung der EU, Nr. 2257/94, regelt, dass importierte Bananen eine Länge von mindestens 14 Zentimetern und eine Dicke von mindestens 27 Millimetern besitzen müssen. Die vorgeschriebene Länge wird entlang der Krümmung gemessen.
SPIEGEL: Was fasziniert Sie persönlich so an der Banane?
Stellmacher: Die Banane war als Symbol immer politisch aufgeladen - im Gegensatz zum Apfel, den ich eher langweilig finde. Allein schon die Kulturgeschichte! Ich vermute ja zum Beispiel, dass die Banane die Frucht der Erkenntnis aus dem Garten Eden ist.
SPIEGEL: Nicht der Apfel?
Stellmacher: In der Bibel ist von "Frucht" die Rede, da wird kein Apfel erwähnt.

DER SPIEGEL 41/2013
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