14.10.2013

AFGHANISTANAnschlag auf Minister verhindert

Anlässlich des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) im nordafghanischen Kunduz planten Aufständische einen Angriff auf das Bundeswehr-Feldlager.
Am Sonntagmorgen vergangener Woche, dem Tag der feierlichen Übergabe des Camps an die Afghanen, entdeckten Aufklärungskräfte mit den hochleistungsfähigen Sensoren eines Überwachungszeppelins zwei Raketenwerfer westlich des Lagers. Aufständische machten die 107-Millimeter-Werfer feuerbereit. Ein sofort entsandter "Tiger"-Kampfhubschrauber konnte die feindliche Stellung wenig später jedoch nicht mehr ausmachen. Die Bundeswehr nimmt an, dass die Aufständischen den Hubschrauber bemerkt und sich sofort zurückgezogen hatten. Offiziell teilte ein Sprecher zu dem Vorfall nur mit, es habe "Hinweise auf eine Störung der Übergabezeremonie durch Raketenbeschuss gegeben". Details seien geheim. Vor dem Festakt zur Übergabe des Camps, bei dem auch Regierungsvertreter aus Kabul und der amerikanische Chef aller Isaf-Truppen teilnahmen, waren die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht worden.
Angesichts des Abzugs der alliierten Truppen wächst vor Ort die Angst afghanischer Helfer der ausländischen Soldaten. In Deutschland wurde bisher nur über wenige Aufnahmeanträge positiv entschieden. Das ergibt sich aus einer Antwort von Innenstaatssekretär Ole Schröder an den Grünen-Verteidigungsexperten Omid Nouripour. Demnach wurde bei 5 von 24 Ortskräften aus dem Bereich des Verteidigungsressorts, die im April laut Bundesinnenministerium "eine Gefährdung" angezeigt hatten, "eine Aufnahmezusage erteilt". Insgesamt lägen rund 250 solcher Anzeigen vor. Bundeswehr, Auswärtiges Amt und Innenministerium hatten 1700 Afghanen beschäftigt, etwa als Übersetzer. Viele Helfer fürchten wegen dieser Zusammenarbeit nun im eigenen Land um ihr Leben. "Wir müssen den Ortskräften großzügig Schutz bieten", sagt Nouripour, "diesen Grundsatz verletzt die Bundesregierung." Staatssekretär Schröder betont in dem Schreiben, die Verfahren würden "zügig und wohlwollend weitergeführt".

DER SPIEGEL 42/2013
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