03.02.2014

VERTRÄGEAdidas gegen Scientology

Fußballstars, die für Adidas werben, dürfen nicht Mitglied von Scientology sein und das Gedankengut ihres Gründers L. Ron Hubbard verbreiten. Dies geht aus einem "Ausrüstungsvertrag" hervor, den der Sportartikelkonzern 2008 mit einem heutigen Nationalspieler des FC Bayern München geschlossen hat und der dem SPIEGEL vorliegt. Demnach musste der Profi versichern, "keiner Organisation oder Vereinigung anzugehören, die die Grundsätze von L. Ron Hubbard vertritt oder entsprechende Techniken anwendet oder verbreitet". Im selben Absatz machte Adidas es auch zur Bedingung, dass der Spieler "keiner Organisation oder Vereinigung angehört, die vom Verfassungsschutz überwacht wird". Andernfalls behielt Adidas sich das Recht vor, den bis 30. Juni 2012 ausgehandelten Kontrakt umgehend aufzuheben. Der Vertrag war für Adidas auch fristlos kündbar, sollte der Spieler des Dopings überführt oder "vor einem staatlichen Gericht wegen Drogenbesitzes, Drogenkonsums oder Drogenhandels verurteilt" werden. Der Nationalspieler wiederum verpflichtete sich, dem Unternehmen aus Herzogenaurach, das auch einer der Anteilseigner des FC Bayern München ist, maximal sechs Tage pro Jahr für PR-Termine zur Verfügung zu stehen. Zudem musste der Profi "immer dann, wenn er sich aus sonstigem Anlass in Sportkleidung oder sportbetonter Freizeitkleidung in der Öffentlichkeit zeigt", Adidas-Kleidung tragen - bei Autogrammstunden, Interviews oder TV-Aufnahmen. Dafür kassierte der Bayern-Star allein in der Saison 2011/2012 exakt 400 000 Euro. Das Unternehmen teilte auf Nachfrage mit: "Vielfältigkeit und Toleranz zählen zu den Grundwerten der Adidas-Gruppe. Scientology, aber auch andere verfassungsfeindliche Organisationen und Vereinigungen, sind damit nicht zu vereinbaren. Dieser Passus steht so oder so ähnlich grundsätzlich und unterschiedslos als Standardklausel in unseren Verträgen. Es geht nicht um einzelne Sportler."

DER SPIEGEL 6/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 6/2014
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

VERTRÄGE:
Adidas gegen Scientology

  • Unterhaussprecher Bercow: Der Brexit-Star in Zivil
  • Verendeter Wal: 40 Kilo Plastik im Bauch
  • Tausende evakuiert: Historische Fluten in den USA
  • Neuseeländischer Bauer gibt Waffe ab: "Das ist das Risiko nicht wert"