10.02.2014

ZEITGESCHICHTEDer Wandel der Vergangenheit

Das Geschichtsjahr 2014: 100 Jahre Ausbruch Erster Weltkrieg, 75 Jahre Ausbruch Zweiter Weltkrieg, 25 Jahre Fall der Mauer. Und viele Fragen, die sich stellen. Vor allem die nach der deutschen Schuld.
Ein gewisser R. Nilostonsky schrieb zu Beginn der zwanziger Jahre in dem Buch "Der Blutrausch des Bolschewismus", dass die sowjetischen Geheimpolizisten im russischen Bürgerkrieg Menschen besonders grausam folterten: Sie steckten eine Ratte in ein Eisenrohr und pressten es gegen den Leib eines Gefangenen. Dann hielten sie Feuer gegen das andere Ende. Für die panische Ratte gab es nur den Ausweg, sich durch den Menschen hindurchzufressen.
Am 1. Februar 1943, nach der Niederlage von Stalingrad, sagte Hitler in der Lagebesprechung zu seinen Offizieren, dass nun der eine oder andere deutsche Gefangene Verrat begehen werde: "Sie müssen sich vorstellen, er kommt nach Moskau hinein, und stellen Sie sich den 'Rattenkäfig' vor. Da unterschreibt er alles."
Am 6. Juni 1986 veröffentlichte der Historiker Ernst Nolte in der "FAZ" einen Essay. Er deutete das Wort "Rattenkäfig" so, dass Hitler von entsprechenden sowjetischen Foltern gehört habe. Nolte nahm das als Beleg für die Angst, die Hitler und seine Männer vor den Russen gehabt hätten, eine Angst, die sie habe "veranlassen" können, Völkermord zu begehen.
Im Jahr 1988 publizierte der Historiker Hans-Ulrich Wehler ein Buch, in dem er dem "Rattenkäfig" ein Kapitel widmete. Er versuchte nachzuweisen, dass Noltes These nicht stimmt.
So war das einmal, die Bundesrepublik diskutierte über Ratten. In Wahrheit ging es um Schuld. Wie groß ist die Schuld, die Deutschland in seiner Geschichte auf sich geladen hat? Und wäre sie durch die Ratten vielleicht ein bisschen kleiner?
2014 gilt als ein Geschichtsjahr. Drei große Daten jähren sich rund: 100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, 25 Jahre Fall der Mauer. Zu den beiden ersten Daten trugen deutsche Intellektuelle wilde Kämpfe aus. In der Fischer-Kontroverse Anfang der sechziger Jahre ging es um die Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Im Historikerstreit Mitte der achtziger Jahre ging es um die Schuld am Holocaust. Ein Hintergrund beider Debatten war die Haltung zur damals gespaltenen Nation und damit zur deutschen Einheit.
Geschichte ist nicht nur Geschichte, sondern Teil der Gegenwart, und das gilt insbesondere für die Bundesrepublik. Die gewaltige Geschichte des 20. Jahrhunderts stülpte sich über das Land und bestimmte das Bewusstsein der politisch denkenden Menschen.
Beide Debatten endeten mit einem Sieg der Seite, die sich für eine größtmögliche Schuld aussprach und daher eine deutsche Einheit ausschließen wollte. Weil es dann wieder fatal werden würde, bis hin zu einem dritten Weltkrieg. Die deutsche Gegenwart war deshalb für Jahrzehnte stark von diesem Schuldvorwurf geprägt.
Inzwischen gibt es zu den Streitpunkten beider Debatten neue Erkenntnisse, die eher die unterlegene Seite unterstützen. Folgt daraus ein neues Selbstverständnis für die Deutschen?
Es lohnt sich deshalb, Fischer-Kontroverse und Historikerstreit im Geschichtsjahr 2014 neu zu betrachten. Eine Revision also, womit ein Kampfbegriff jener Jahre anklingt: Revisionismus. Der war erst der einen, dann der anderen Seite ein Gräuel. Aber es muss sein.
Auf dem Schreibtisch von Hans-Ulrich Wehler steht ein Gerät, das Geschichte ist, eine Schreibmaschine. Er lebt in gewisser Weise zwischen den Niederlanden und Italien, in einem weißen Haus am Rand von Bielefeld. Unter der Erde verläuft die niederländisch-italienische Gaspipeline. Für Wehler hat das den Vorteil, dass ihm niemand den Blick verbauen darf. Wenn er in seinem Arbeitszimmer sitzt, schaut er auf Bäume und Wiesen. In seinem Rücken stehen Bücher, deren Lektüre ein normales Menschenleben füllen könnte. Es dürfte ein kleinerer Ausschnitt von Wehlers Lektüre sein.
Er war 25 Jahre Professor an der Universität Bielefeld, sein Hauptwerk ist die "Deutsche Gesellschaftsgeschichte". Wehler ist 82 Jahre alt, schlank, munter, ein Hauch von rheinischem Singsang.
Als er Anfang der sechziger Jahre Assistent an der Universität Köln war, hörte er ein Kolloquium des Hamburger Historikers Fritz Fischer. Wehler war enttäuscht, er hatte etwas Wildes, Aufregendes erwartet, aber Fischer war ein biederer Mann, der "konventionelle Diplomatiegeschichte machte".
Im Jahr 1961 publizierte dieser Mann das Buch "Griff nach der Weltmacht". Darin stand ein Satz, der vieles veränderte. Für Fischer "trägt die deutsche Reichsführung einen erheblichen Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges".
Der junge Wehler hielt den Atem an. Auf einen Satz wie diesen hatte er gewartet.
Die Bundesrepublik war damals ein Land, das recht gemütlich mit seiner Vorgeschichte lebte. Es gab noch die "nationale Meistererzählung", die Erzählung von der guten Vergangenheit. Sicher, die zwölf Nazi-Jahre waren schrecklich gewesen, aber sie wurden damals weitgehend verdrängt. Die Geschichte davor galt als erträglich bis heroisch, auch die Geschichte des Ersten Weltkriegs. Die deutschen Historiker der frühen Nachkriegszeit klammerten sich an ein Wort des ehemaligen britischen Premierministers David Lloyd George: "hineingeschlittert". Die Großmächte seien in den Krieg hineingeschlittert. Damit waren alle gleichermaßen schuldig oder unschuldig.
Fischers Thesen machten diese Gemütlichkeit zunichte. Er sah eine Kontinuität der Kriegsziele von 1914 und 1939: große Eroberungen, um die Weltmacht zu erringen. Das Kaiserreich wurde zu einem Vorläufer des Nazi-Regimes, der Erste Weltkrieg zu einer Ouvertüre für den Zweiten. "An das gute Gewissen der Deutschen ist eine Mine gelegt", schrieb der SPIEGEL über Fischers Buch und stimmte den Thesen zu.
Für Gerhard Ritter, damals ein maßgeblicher Historiker, war "Griff nach der Weltmacht" unerträglich. Er hatte dem Kaiser im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient, Fischers Thesen waren für ihn ein "nationales Unglück". Er wollte keine Revision. Die Fischer-Kontroverse brach aus. Gestritten wurde in Zeitungen und Zeitschriften und auf dem Historikertag 1964 in Berlin.
Wehler sagt, er habe Fischer, "so gut es ging, verteidigt". Er war noch nicht in dem Alter, in dem ein Historiker damals als satisfaktionsfähig galt.
Der Streit wurde bald politisch. Das Auswärtige Amt versuchte 1964, eine Vortragsreise Fischers in die USA zu verhindern. Franz Josef Strauß, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, forderte 1965 die Bundesregierung auf, alles zu tun, "dass die gewohnheitsmäßigen, fahrlässigen, absichtlichen und manchmal bewusst in den Dienst der Auflösung der westlichen Gemeinschaft gestellten Verzerrungen der deutschen Geschichte und des Deutschlandbildes von heute bekämpft und beseitigt werden".
Strauß störte sich an der "moralischen Alleinschuld", von der Fischer zwar nicht gesprochen hatte, die aber zu einem Kernbegriff des Streits wurde. So ist es oft in Debatten, sie verdichten sich auf einzelne Wörter und Sätze und begnügen sich mit ungefährer Richtigkeit. Hauptsache, das Argument wird scharf.
Fischers Ansicht setzte sich durch. Ob nun "Alleinschuld" oder "erheblicher Teil der historischen Verantwortung" - die nationale Meistererzählung war ruiniert, und das war denen recht, die vom Ende der sechziger Jahre an den Diskurs beherrschten, den 68ern.
Der Historiker Immanuel Geiss, ein Schüler Fischers, resümierte 1972: "Der überwiegende Anteil des Deutschen Reichs am Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der offensive Charakter der deutschen Kriegsziele ist nicht mehr umstritten und auch nicht mehr bestreitbar." Basta. Als wäre Geschichte in Stein zu meißeln.
Geiss wusste, wie er diesen Endzustand der Geschichte des Ersten Weltkriegs politisch nutzbar machen konnte. Für ihn ging aus der Fischer-Kontroverse ein neuer Mensch hervor, "der einsichtig gewordene Deutsche". Für den hatte Geiss, aus der Sicht von 1972, eine Handlungsanweisung. Aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ergebe sich "die Notwendigkeit, sich mit einem Status minderer Macht in Europa zu bescheiden", ergebe sich die "endgültige Liquidierung aller patriotischen Reichsträume", also der Wiedervereinigung. "Jeder Versuch, diese politischen Konsequenzen zu umgehen, sich an ihnen vorbeizudrücken, würde unweigerlich zu einer dritten Phase deutscher Machtpolitik und damit in einen dritten, wiederum von Deutschland ausgehenden Weltkrieg hineinführen."
Dritte Phase der deutschen Machtpolitik, ein Mittagessen mit Herfried Münkler, 62, am Potsdamer Platz in Berlin. Dritter Weltkrieg? Nicht in Sicht. Machtpolitik? Schwierige Frage. Deutschland ist wieder eine Macht in Europa, aber vor allem eine ökonomische. Münkler kritisiert, dass sich die Bundesrepublik "als stärkster Akteur in der Mitte politisch raushält".
Er ist Politologe an der Humboldt-Universität und hat gerade ein Buch über den Ersten Weltkrieg geschrieben, "Der Große Krieg". Fritz Fischers Forschung nennt er "im Prinzip hanebüchen". Der habe nur in deutschen Archiven recherchiert, nicht in russischen, englischen, französischen. So habe Fischer nicht erfahren können, dass auch die anderen Großmächte Kriegsgelüste hatten.
Zudem habe Fischer "Szenarien und politische Pläne durcheinandergeworfen". Die deutschen Militärs hätten tatsächlich Kriegspläne ausgearbeitet, so wie alle anderen. Man wollte vorbereitet sein. Aber die politische Führung habe sich das nicht zu eigen gemacht. Der australische Historiker Christopher Clark kommt in seinem Buch "Die Schlafwandler" zu ähnlichen Erkenntnissen. Vom "Schlafwandeln" zum "Hineinschlittern" ist es nicht so weit. Es geht um ungesteuerte Bewegungen.
Münkler findet die Fischer-Kontroverse gleichwohl "geschichtspolitisch hilfreich", er sieht hier "einen positiven Effekt von Fehlern". Es sei notwendig gewesen, dass sich die Deutschen ihrer Geschichte neu zuwenden, dass etwas aufbricht, dass die nationale Meistererzählung einem kritischen Bewusstsein weicht.
Hans-Ulrich Wehler dagegen sagt, Fischer habe zu 70 Prozent recht gehabt. Er glaubt weiterhin, dass es eine Kontinuität vom Kaiserreich zum Nazi-Regime gegeben habe. Die Frage der russischen, englischen, französischen Kriegspolitik? Ein Versäumnis von Fischer.
Wehler hat ihn danach gefragt. Sie saßen zusammen, weil Fischer den Kollegen nach Hamburg holen wollte. "Fischer sagte mir, für die deutsche Seite habe er doch schon 800 Seiten gebraucht, da könne er doch nicht auch noch die anderen Großmächte berücksichtigen." Wer solle das alles lesen?
Eine schöne Pointe: Deutschland revolutionierte in den sechziger Jahren sein Geschichtsbild, weil ein Buch nicht zu dick werden durfte. Wehler sorgte später dafür, dass ihm das nicht passiert. Seine "Deutsche Gesellschaftsgeschichte" umfasst 4807 Seiten.
Eine andere Pointe: Gerhard Ritter, der Fischers Thesen damals so heftig widersprochen hatte, stand dem Widerstand gegen Hitler nahe und war deswegen kurz in Haft. Fritz Fischer aber, wie später bekanntwurde, hatte mit den Nazis sympathisiert.
Fischer habe ihm erzählt, sagt Wehler, dass er nach dem Krieg schwer damit klargekommen sei, Teil dieser Maschinerie des Grauens gewesen zu sein, als Soldat, als Stipendiat eines NS-Instituts. Er habe durch seine Arbeit einen Beitrag für ein besseres Deutschland leisten müssen. "Das gefiel mir, dass er durch die Forschung eine Reinigung, eine Katharsis erlebt hat", sagt Wehler. Hat Fischer deshalb mit Absicht zugespitzt? Man kann ihn nicht mehr fragen. Er ist tot, genauso Ritter, genauso Geiss.
Ritter hatte geschrieben, dass Fischers Buch ein Höhepunkt der "Selbstverdunkelung deutschen Geschichtsbewusstseins" sei. "Nach meiner Überzeugung wird sich das nicht weniger verhängnisvoll auswirken als der Überpatriotismus von ehedem." Später gab ihm Geiss hier in Teilen recht. Er kritisierte die Tendenz, Fischers Rede vom "deutschen Sonderweg" zum Anlass für eine vollkommene Verdammung Deutschlands zu nehmen. Da kannte er schon den zweiten Kampf um die deutsche Geschichte, den Historikerstreit.
Als Hans-Ulrich Wehler Anfang der sechziger Jahre in seinem Kölner Assistentenzimmer saß, klopfte eines Tages ein merkwürdiger Mann an seine Tür. Er war kühl, er war steif, er stellte sich als Studienrat aus Bad Godesberg vor. Er sagte, dass er in seiner Freizeit, also nach den Schulstunden und dem Korrigieren der Klassenarbeiten, eine Studie über den Faschismus geschrieben habe. Er wolle sich damit an der Universität Köln habilitieren. Sein Name war Ernst Nolte.
Es war ein ungewöhnlicher Weg in eine Universitätslaufbahn, aber der Text war gut, und so wurde der studierte Philosoph und Gymnasiallehrer Ernst Nolte Professor für Geschichte. Der Text erschien 1963 als Buch unter dem Titel "Der Faschismus in seiner Epoche". Wehler schrieb eine lobende Rezension.
Am 6. Juni 1986 las Wehler, inzwischen Professor in Bielefeld, in der "FAZ" unter der Überschrift "Vergangenheit, die nicht vergehen will" einen Essay des Kollegen Nolte. Wieder hielt er den Atem an. Aber diesmal las Wehler Sätze, auf die er nicht gewartet hatte, ganz und gar nicht.
Noltes Schrift kulminierte in fünf rhetorischen Fragen: "Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine ,asiatische' Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ,asiatischen' Tat betrachteten ("asiatisch" steht bei ihm für besonders grausam -Red.)? War nicht der 'Archipel GULag' ursprünglicher als ,Auschwitz'? War nicht der 'Klassenmord' der Bolschewiki das logische und faktische Prius des 'Rassenmords' der Nationalsozialisten? Sind Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, dass er den 'Rattenkäfig' nicht vergessen hatte? Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit her, die nicht vergehen wollte?" Nolte ließ keinen Zweifel, dass jede dieser Fragen mit Ja zu beantworten sei.
Wehler dachte: "Das kann doch nicht wahr sein." Er telefonierte mit dem Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas, den er aus Gummersbacher Jugendtagen kennt. "Der Jürgen war ganz aufgeregt", sagt Wehler. Noltes Text konnte so nicht stehenbleiben. Wer sollte antworten? "Wir teilen uns das", entschieden sie. Habermas, der den größeren Namen hatte, schrieb den Text, Wehler beschaffte Informationen dafür und schickte seinen Assistenten Paul Nolte ins Archiv. Der ist mit Ernst Nolte nicht verwandt und heute selbst ein bekannter Historiker.
Habermas rührte in seine Entgegnung Angriffe auf andere konservative Wissenschaftler und Publizisten, "der Text saß hinten und vorne nicht", kichert Wehler, aber er wurde ein fulminanter Erfolg. Am 11. Juli 1986 erschien der Essay der Gummersbach-Connection unter dem Titel "Eine Art Schadensabwicklung" in der "Zeit". Der Historikerstreit war ausgebrochen. Auf der einen Seite kämpfte die linksliberale Fraktion um Wehler und Habermas gegen einen neuen Revisionismus; auch Rudolf Augstein, Gründer und Herausgeber des SPIEGEL, war ein scharfer Kritiker Noltes. Auf der anderen Seite standen konservative Historiker und Publizisten, darunter Michael Stürmer und Joachim Fest.
Wie die Fischer-Kontroverse fiel auch dieser Streit in die Zeit des Kalten Krieges, als man sich noch ideologisch einsortierte, links gegen rechts. Der Kampf war hitzig, scharf. Eines Tages brannte Noltes Auto auf dem Parkplatz der Freien Universität Berlin.
Der Historikerstreit drehte sich vor allem um zwei Begriffe: Singularität und kausaler Nexus, ein lateinisches Wort für Verbindung. Die linksliberale Fraktion bestand darauf, dass der Holocaust einzigartig sei, an Grausamkeit nicht zu vergleichen mit den Schrecken des Stalinismus. Sie bestand ferner darauf, dass der Holocaust keine Reaktion auf den Gulag war, sondern eine Ausgeburt des deutschen Judenhasses. Singularität, kein kausaler Nexus.
Nichts sollte die deutsche Schuld schmälern. Wieder spielte die Gegenwart eine maßgebliche Rolle. Helmut Kohl regierte, er war ein Kanzler mit Geschichtsbewusstsein, mit Nationalbewusstsein, und er wollte eine konservative Wende, weg von der kulturpolitischen Dominanz der Linksliberalen, die es seit "68" gab. Den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan führte er 1985 auf einen Bitburger Friedhof, auf dem auch Soldaten der Waffen-SS lagen. Er wollte das Haus der Geschichte in Bonn und das Deutsche Historische Museum in Berlin in seinem Sinne gestalten. Die linksliberalen Intellektuellen fürchteten eine Revision der Geschichte und eine Wiederkehr der nationalen Meistererzählung.
Die Alternative war für Habermas ein "Verfassungspatriotismus". Die Bundesrepublik sollte sich überdies als Teil des Westens verstehen, nicht als ein eigenes Gebilde, das erkennen muss, dass etwas fehlt, nämlich der östliche Teil Deutschlands. Einheit durfte nicht sein, als Lehre aus der Geschichte. Und je fürchterlicher und singulärer die Geschichte, desto verbotener eine Wiedervereinigung.
Der Historiker Heinrich August Winkler schrieb im November 1986, drei Jahre vor dem Fall der Mauer: "Angesichts der Rolle, die Deutschland bei der Entstehung der beiden Weltkriege gespielt hat, kann Europa und sollten auch die Deutschen ein neues Deutsches Reich, einen souveränen Nationalstaat, nicht mehr wollen. Das ist die Logik der Geschichte, und die ist nach Bismarcks Wort genauer als die preußische Oberrechenkammer." Wieder ein Basta.
Die linksliberale Fraktion setzte sich alles in allem durch. "Wir haben gewonnen", sagt Hans-Ulrich Wehler.
Jörg Baberowski, 62, studierte Geschichte in Göttingen, als der Historikerstreit ausbrach. In seinen Schülertagen in Holzminden hatte er sich dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) angeschlossen und war mit der Sammelbüchse rumgelaufen. Geld für Pol Pot, den sozialistischen Herrscher Kambodschas, der den Tod von fast zwei Millionen Landsleuten betrieb oder in Kauf nahm. Ein Schlächter, wie Hitler und Stalin. Was natürlich, oje, ein Vergleich ist.
1986 hatte sich Baberowski schon so weit gewandelt, dass er Noltes Thesen in einem Hauptseminar verteidigte, als Einziger. Er sei niedergemacht worden, sagt Baberowski. "Es machte mir nichts, ich war das vom KBW gewohnt."
Baberowski wurde Historiker und Spezialist für Osteuropa. Wie Münkler lehrt und forscht er an der Humboldt-Universität in Berlin. Sein Buch "Verbrannte Erde - Stalins Herrschaft der Gewalt" gewann 2012 den Preis der Leipziger Buchmesse. "Nolte wurde Unrecht getan", sagt Baberowski. "Er hatte historisch recht."
Singularität? Baberowski erforschte in den russischen Archiven, wie grausam Stalin und seine Schergen waren. Sogenannte Konzlager gab es in Russland schon 1918. Nahe Moskau zum Beispiel haben vier Leute in einem Jahr 20 000 Menschen erschossen. Baberowski: "Im Grunde war es das Gleiche: industrielle Tötung."
Kausaler Nexus? "Hitler war natürlich nicht unbeeinflusst von dem, was er vom russischen Bürgerkrieg und vom Stalinismus wusste."
Er sitzt im Café Einstein und sagt: "Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird. Stalin dagegen hat die Todeslisten voller Lust ergänzt und abgezeichnet, er war bösartig, er war ein Psychopath."
Löffel klappern gegen Tassen, gedämpfte Stimmen, eine Espressomaschine faucht. Es ist so ein Moment, in dem einem unwohl wird. Darf er das so sagen? Darf Hitler ein weniger bösartiger Mensch gewesen sein als ein anderer? Haben das die Leute an den Nachbartischen gehört? Es wirken: Jahrzehnte deutscher Geschichtserziehung in Schulen, durch Medien, Bücher, durch den Historikerstreit. Es steckt tief drin.
Bielefeld, das Arbeitszimmer von Hans-Ulrich Wehler. Er mag Baberowski nicht zustimmen. Kausaler Nexus? "Hitler kann überhaupt nicht interpretiert werden als Anti-Lenin." Singularität? "Finde ich schon. In meinen Augen bleibt der Hitler ungeschlagen an der Spitze."
Auch so ein Moment, in dem einem unwohl wird. Klingt das nicht nach Wettbewerb, nach Tabelle, nach Hitliste? Muss ein Deutscher der schlimmste aller Schlächter bleiben? Ist das nicht ein bisschen kühl gesagt?
Wehler scheint diese Gedanken zu spüren. "Wussten Sie", sagt er, "dass jedes vierte Opfer in den deutschen Konzentrationslagern ein Kind war?" Seine Stimme ist belegt, die Augen sind feucht. Er schaut einen lange an.
Dann erzählt er noch eine Geschichte von Ernst Nolte. Er habe ihn einmal zu sich nach Hause eingeladen, "meine Frau kocht immer so lecker", und nach ein, zwei Gläsern Wein sei Nolte nicht mehr so steif gewesen und habe aus seinem Leben erzählt. Er wurde mit drei kurzen Fingern an der linken Hand geboren und daher von der Wehrmacht ausgemustert, während sein jüngerer Bruder im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Das habe ihn unter Druck gesetzt, auch etwas für die Nation zu tun, habe Nolte gesagt, sagt Wehler.
Wehler und die zwei Beichten: von Fischer, von Nolte. Dazu Baberowski. Persönliches spielte eine Rolle im Kampf um das Geschichtsbild einer Nation. Baberowski sagt, er habe mit seiner Forschung "am Anfang auch eigene Fehler aufgearbeitet", die eigene Verschmelzung mit der kommunistischen Ideologie, das Sammeln für Pol Pot.
Ein prächtiges, altes Haus im Bayerischen Viertel in Berlin, zweiter Stock links. Ernst Nolte öffnet die Tür.
Er ist 91 Jahre alt, ein freundlicher Mann, der über seine Gebrechen nicht klagen will. Mit seiner Frau lebt er in einer geräumigen Wohnung, Bücher, Kunst, ein Flügel, eine deutsche Bildungsbürgerstube. Ein zweistündiges Gespräch, Nolte antwortet ausführlich. Hier sind autorisierte Auszüge.
Zum kausalen Nexus: "Dass es diese Verbindung gab, lässt sich nicht ernsthaft bestreiten. Wer jemals Hitlers Reden gelesen hat, weiß, wie sehr der Bolschewismus sein Thema war. Da verlor er nicht selten die Fassung und geriet in einen Zustand höchster Erregung. Es ist abwegig zu behaupten, dass Deutschland auch dann ein nationalsozialistischer Staat im Sinne Hitlers geworden wäre, wenn nicht in Russland 1917 die bolschewistische Revolution stattgefunden hätte."
Zur Singularität: "Alle Schrecken und Vernichtungsvorgänge, die aus deutschen Konzentrationslagern bekannt sind, waren erheblich früher in den Konzentrationslagern der Tscheka und des NKWD zu verzeichnen. Wer das nicht wahrhaben will, mag ein guter Mensch sein, aber er ist kein Wissenschaftler. Ein Hauptunterschied besteht in dem technischen Vorgang der Vergasung. Der große jüdische Schriftsteller Joseph Brodsky hat einmal gesagt, wenn er die Wahl hätte, würde er lieber innerhalb weniger Minuten in einer Gaskammer sterben als nach monatelangen Hungerqualen in einem gewöhnlichen Konzentrationslager. Er kann das sagen, während ich es vorziehe zu schweigen, weil mir sofort verwerfliche Motive unterstellt würden."
Zum NSU: "Ich glaube nicht, dass man diese Menschen als ,rechte' Terroristen bezeichnen sollte. Sie waren schlicht eine Mörderbande. Wenn man an die Opfer einen Zettel gehängt hätte mit der Aufschrift ,Geht nach Hause', dann wäre das eine Tat von rechten Terroristen gewesen."
Zu seiner Hand: "Deshalb wurde ich nicht eingezogen, und mir blieb die Teilnahme am Krieg erspart. Das war also ein unverdienter glücklicher Zufall. Gerade deshalb habe ich mich besonders verpflichtet gesehen, den Problemen der Zeit wissenschaftlich und nicht bloß aus einseitiger Betroffenheit nachzugehen."
Zur Kriegsschuld 1939: "Ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, dass man den Anteil der Polen und der Engländer stärker gewichten muss, als es meist geschieht. Hitler wollte nicht, wie es oft dargestellt wird, Krieg um des Krieges willen führen. Er hätte gern mit den Polen ein antisowjetisches Bündnis geschlossen. Seine Forderungen gegenüber Polen waren nicht 'nationalsozialistisch', sondern sie gingen in die Zeit der Weimarer Republik zurück. Wenn die polnische Regierung, wie es von Hitler gewünscht wurde, einen Unterhändler geschickt und jenen 'Weimarer' Forderungen der Rückkehr Danzigs zum Deutschen Reich und der Errichtung exterritorialer Straßen- und Bahnverbindungen durch den 'Korridor' zugestimmt hätte, wäre Polen von Hitler nicht angegriffen worden."
Das Gespräch und seine Autobiografie, die im Frühjahr erscheinen soll, bündeln sich zum Bild eines Mannes, der sich für bedeutend hält, aber gekränkt ist, weil er keine Rolle mehr spielt. In seinem letzten Buch "Späte Reflexionen" kaprizierte er sich darauf, dem Judentum einen "eigenen Anteil am 'Gulag'" zu unterstellen, weil einige Bolschewisten Juden waren. In seiner Logik wären sie damit mitverantwortlich für Auschwitz. Dies ist schon länger ein Argument von Judenhassern.
Für sein Buch erntete Nolte auch von Bekannten "harte Kritik", "die meist auf die These hinauslief, ich hätte jetzt meinen zahlreichen Gegnern selbst recht gegeben und dürfe mich nicht wundern, wenn ich mich allein auf weiter Flur sähe", schreibt er. Er hat die Provokation noch einmal gesteigert und muss damit leben, dass es niemanden interessiert. Kein Aufschrei, keine Debatte. Deutschland ist entspannt, Nolte ist erledigt.
Aber dieser Mann hatte nicht mit allem unrecht. In den Geschichtsseminaren wird heute ständig verglichen, Hitler mit Stalin, Äpfel mit Birnen. Vergleichen ist nicht automatisch gleichsetzen, sondern dient der Erkenntnis. Nolte hat das immer so gesagt.
Er pochte auf die Freiheit des Wissenschaftlers, zu Recht. Aus heutiger Sicht wirkt befremdlich, wie empört damals alle waren. Die Angst vor der Einheit wirkt im 25. Jahr der Einheit absurd. Damals jedoch wusste niemand, wie das wird. Das macht manche Sorgen verständlich. Aber man hätte nicht Spekulationen als Wahrheiten verkaufen sollen. Es wurde nach vorn und nach hinten spekuliert, über die deutsche Zukunft und die deutsche Vergangenheit.
Geschichte ist nicht im gleichen Sinne offen wie die Zukunft, aber offen ist sie auch. In beiden Debatten haben die Kombattanten so getan, als gäbe es historische Wahrheiten, aber die gibt es nicht. Es gibt nur einen Stand der Forschung, der Lücken hat, die mit Spekulationen gefüllt werden, mit Interpretationen.
Niemand weiß, was der Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg im Sommer 1914 wirklich gedacht und gewollt hat. Niemand weiß, wie stark Hitler von den Gräueltaten der Sowjets beeinflusst war. Geschichtsforschung ist Annäherung. Ständige Revisionen sind schon deshalb notwendig.
Der aktuelle Stand ist, dass sich alle Großmächte in den Ersten Weltkrieg hineinschlafwandelten, dass Bolschewismus und Stalinismus grausamer waren, als man lange wusste oder eingestehen wollte. Gibt es deshalb eine nationale Aufwallung? Gibt es nicht. Gibt es Jubel, weil die deutsche Schuld geringer geworden sei? Gibt es nicht.
Was immer andere gemacht haben, die Nazis waren ekelhafte Verbrecher, denen Deutsche massenhaft gefolgt sind, und das Deutsche Reich hat eine Menge getan, um den Ersten Weltkrieg geschehen zu lassen. Daraus folgt deutsche Verantwortung für Gegenwart und Zukunft. Man kann ihr auch ohne Selbstverdunklung nachkommen.
Und wie geht's weiter? Gibt es etwas Neues aus der deutschen Vergangenheit? Fragen an einen Historiker der mittleren Generation, an Edgar Wolfrum aus Heidelberg, 53, der 2013 das Buch "Rot-Grün an der Macht" vorgelegt hat.
Er sitzt in seinem Zimmer in der Universität Heidelberg, seine Assistentin Angela Siebold hat er dazugebeten, die erste Historikerin in dieser Geschichte der alten Männer. Also: Was wird heute diskutiert? Wolfrum überlegt lange. "Es sind immer noch die alten Themen", sagt er, "aber wir diskutieren ruhiger, gelassener." Er denkt noch einmal nach. "Die deutsche Geschichte wird immer kleiner", sagt er dann. Der Fall des Eisernen Vorhangs, Chinas Öffnung, die neue Wichtigkeit von Indien oder Brasilien, auch andere wollen Raum für ihre Vergangenheit. Anderswo ist der Holocaust nicht das Zentrum von allem.
Wolfrum tut sich schwer damit. Er hat kürzlich ein Buch über Weltgeschichte gelesen, in dem sei der Holocaust mehr oder weniger zur Fußnote verkommen. Auch Krieg sei nicht mehr das bestimmende Thema. Nun gehe es mehr und mehr um Frauengeschichte. Er habe lieber die harten Themen, sagt Wolfrum.
Er schaut seine Assistentin an, ein bisschen schuldbewusst. Sie schaut zurück. Es ist ein nachsichtiger Blick, aber auch ein Blick, der sagt: Liebe Männer, es werden noch einige Revisionen der Geschichte kommen. ◆
Von Dirk Kurbjuweit

DER SPIEGEL 7/2014
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