07.04.2014

AFGHANISTANEin Kind, ein Killer

Mit 10 Jahren versucht Azizullah Khanji zum ersten Mal, sich ins Paradies zu bomben, mit 13 scheitert er erneut. Niemand kümmert sich um Jungen wie ihn, der Westen versucht es mit Luftballons.
Azizullah kannte den Weg zur Armeebasis der Ausländer, die Taliban hatten ihm die Route schon vor Tagen erklärt. Es war noch dunkel, früher Morgen im Winter, hoffentlich würde ihn niemand bemerken. Die Männer fuhren ihn mit dem Geländewagen bis zum Basar von Kandahar, der großen Paschtunenstadt im Süden Afghanistans. In der Menge verschwand er und ging den Rest des Weges zu Fuß; der Motorenlärm des fremden Wagens sollte niemanden alarmieren. Unter seinem Gewand trug Azizullah Khanji eine Weste, Sprengstoff füllte alle Taschen, drückte auf seinen Körper. Neun, zehn Kilo, nicht schwer, sagt er, genug, um einen der Checkpoints zu sprengen. Zwei Drähte kreuzten sich vor seiner Brust, zwei Drähte auf dem Rücken. Sie liefen am Auslöser zusammen. Drückte er ihn, wäre es sein Ende. Oder sein Anfang im Paradies, wie er hoffte. Azizullah war 13 Jahre alt.
Ein Jahr später in einem Kabuler Gefängnis erzählt er die Geschichte, die der afghanische Geheimdienst und sein Anwalt bestätigen. Ein kleiner, stämmiger Junge mit kurzgeschorenem Haar, der sich auf den Teppich im Wärterzimmer setzt, als gehörte es ihm, und einen mit alten, dunklen Augen anblickt, die den Betrug wittern. Ein Junge, der Älteren erklärt, wie man Männer nach Waffen abtastet, der blind ein Maschinengewehr auseinandernehmen kann, der erzählt, wie er seine Mutter vermisst. Einer, der gelernt hat zu töten und das Gespräch mit den Worten beenden wird: "Ich werde dir deinen Kopf mit einem stumpfen Messer abschneiden. Und jetzt geh."
Er spricht, als hätte er verschiedene Alter gleichzeitig in sich, mal wie ein Kind, mal wie ein Mann, mal wie ein Greis. Gelegentlich hebt er beim Sprechen den Kopf, unterbricht das ständige Reiben an seinen nackten Füßen, sieht aus dem Fenster der Zelle. Draußen weht der Duft von Rosen durch den Gefängnishof, dahinter erstreckt sich weites Land, liegen die Berge des Hindukusch am Horizont und die Mandelgärten auf der anderen Straßenseite. Sie gaben dem Gefängnis seinen Namen: Badam Bagh, Mandelgarten.
Acht Barrieren halten die Freiheit von Azizullah fern: die gemauerten Wände seines politischen Blocks, in dem nur Taliban sitzen; zwei Sicherheitszäune mit Stacheldraht; zwei meterhohe Steinmauern; eine Betonsperre; eine Metalltür; eine Autoschranke. Ein halbes Dutzend Wachleute sitzt dahinter, Tag und Nacht ist eine Maschinenpistole auf die Einfahrt gerichtet für den Fall, dass Attentäter die Tür aufbrechen wollen. Hinein kommt man nur mit einer Sondergenehmigung.
Azizullah, Häftling 20, wird bewacht wie ein Schwerverbrecher, weil er ein Schwerverbrecher ist, einer der jüngsten und berühmtesten des Landes. Nach seinem ersten missglückten Selbstmordattentat begnadigte ihn der Präsident, Azizullah war erst zehn Jahre alt. Wenige wollten diesem Kind Böses unterstellen. Zehn Jahre erst; es konnte nicht sein.
Nach dem zweiten Attentat, das misslang, gab es 18 Monate Gefängnis für Azizullah, Jugendarrest. Es ist für ihn seit einem Jahr der gleiche Tagesablauf: von 8 bis 11 Uhr Lesen im Koran, dann Freigang im Hof, Mittagessen, von 14 bis 15 Uhr Arbeiten an der Nähmaschine. Dann nichts mehr, das ist das Schlimmste. Freunde? "Ich habe niemanden hier." Was ist dir am wichtigsten? "Die Nacht ist gut." Warum? "Dann vergesse ich das Gefängnis."
Neulich träumte er von einem kleinen Hund mit schwarzen Augen, er umarmte ihn, er war wieder zu Hause in den Bergen von Paktia an der pakistanischen Grenze, Taliban-Land. Hier war er einmal verliebt in die Tochter des Nachbarn, ihre Initialen hat er sich in den Arm geritzt. Aber dann wachte er auf und hielt bloß das Kissen im Arm. Wenn Azizullah von seinem Traum erzählt, ist es einer der wenigen Momente, in denen er aufzuwachen scheint.
Ob er Angst vor dem Attentat hatte? Er schüttelt den Kopf. Nicht mal ein
wenig? "Ich hatte keine Angst", sagt Azizullah. "Das letzte Mal, als ich Angst hatte, wollte mich ein Hund in unserem Dorf beißen. Seitdem habe ich keine Angst mehr - außer vor Gott."
Azizullah gehört zur Mehrheit des Landes, seiner Jugend. Die Afghanen sind eines der jüngsten Völker der Erde, fast die Hälfte aller Einwohner ist jünger als 15, gut zwei Drittel sind noch keine 30. Für sie alle gibt es nicht genug Arbeit, Millionen sind ohne Beschäftigung, aber Drogen gibt es im Überfluss. Mehr als eine Million Drogenabhängige zählt das Land, mehr als eine Million von 30 Millionen, die meisten Jugendliche.
In wenigen Jahren dürfen sie wählen, die vielen Jungen, die irgendwann das Land regieren werden. Azizullah ist Teil der ersten Generation, die zu jung ist, um sich noch an den 11. September 2001 zu erinnern. Der Auslöser des Afghanistan-Krieges ist für sie eine ferne Legende. Real ist das Gefühl der Besatzung. Bevor Azizullah weitererzählt, fragt er: "Was machen die Ausländer hier? Was haben sie uns gebracht?"
Darauf glaubt Yazmany Arboleda, ein kleiner Mann aus Boston, Antworten zu kennen. Arboleda steht sieben Kilometer südöstlich des Mandelgartens unter den Maulbeerbäumen des Timur-Schah-Parks. Und er hat etwas mitgebracht: einen pinkfarbenen Ballon. "Morgen werden wir Geschichte schreiben", sagt Arboleda und schwenkt den Ballon vor einer Gruppe Afghanen. Morgen will er mit seinen Helfern zehntausend Ballons verteilen lassen, "um Hoffnung und Schönheit auf die Straßen der afghanischen Hauptstadt" zu bringen. Die Ballons, sagt Arboleda, seien biologisch abbaubar. Es geht um Zukunft. Wie der Westen sie sich vorstellt. Schön. Bunt.
Die Uno kündigt das Ballonprojekt an, der Kultusminister lobt es, die "New York Times" und die BBC werden berichten. Arboleda hat Spenden gesammelt, er hat verstanden, wie das Theater der Aufmerksamkeit funktioniert. "Auf fünf Kontinenten haben Menschen gespendet, damit wir Magie schaffen", ruft Arboleda, "und warum machen wir das?" Einer der Helfer meldet sich. "Für den Frieden." "Genau", sagt Arboleda.
Er spielt vor, wie die Helfer die Ballons verteilen sollen, tänzelt über die Bühne und spricht einen imaginären Passanten an. Er sagt: "Ich habe viele Ballons bei mir. Das Leben ist wunderbar, das Wetter auch. Und dieser Ballon ist für dich."
Wer glaubt, der Selbstmordattentäter und der Ballonmann hätten nichts miteinander zu tun, schaut nicht genau genug hin. Sie haben viel miteinander zu tun. Ihr Verhältnis erzählt davon, dass der Westen nicht angetreten ist, um Afghanistan zu erobern, sondern um es zu einem besseren Land zu machen. Die Taliban bekommen ihren Zulauf durch ebendiesen Versuch. Beide Seiten verabscheuen, was die andere vorhat und tut. Beide wollen die andere verändern. Beide wollen, dass die andere geht. Und beide geben im Land der Versprechungen weitere Versprechungen ab. Bei Azizullah lautet das Versprechen: Nur der Tod der anderen bringt uns weiter. Bei Arboleda lautet das Versprechen: Euer Leben wird bunter. Unser Leben wird euch gefallen.
In Afghanistan haben mehr als 50 Geberländer mit gigantischem Aufwand auch Erfolge erzielt. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich verdreifacht, die Stromversorgung wurde verbessert, die Kindersterblichkeit ist gesunken. Mehr als sieben Millionen Kinder sind eingeschult, gut ein Drittel davon Mädchen.
Aber das Land ist zu einer Spielwiese für Projekte geworden, die mehr ihren Initiatoren zu helfen scheinen als Afghanistan. Es gab Yoga-Angebote für Taliban mit einer Teilnahmequote von null Prozent. Auf Metal-Konzerten in Kunduz wurden die Musiker von den wenigen Zuschauern mit Steinen beworfen, weil die Musik als satanistisch gilt. Die amerikanische Botschaft finanzierte eine Modenschau in Kabul, es kamen fast nur ausländische Journalisten. In Masar-i-Scharif steht ein 6000 Quadratmeter großer Skatepark, größter Sponsor ist Deutschland.
In Kandahar wollte eine Hilfsorganisation kostenlose Fahrräder für Frauen anbieten, in einer der größten Taliban-Hochburgen des Landes, in der Frauen nur in Burka auf die Straße dürfen. Es startete im Fernsehen eine afghanische Version der "Sesamstraße". Das alles sind Projekte, die jeder im Westen versteht, weil jeder im Westen sich unter Skateparks, "Sesamstraße" und Metal-Musik etwas vorstellen kann. In Afghanistan können das wenige.
Azizullah Khanji, der am Mandelgarten im Gefängnis sitzt, hatte einen Vater, der Anstreicher war. Er selbst war Ziegenhirte. Als er zehn war, starb sein Onkel, auf dessen Handy er erste Videos der Taliban gesehen hatte: einen Selbstmordanschlag, die Enthauptung eines Verräters, eine Attacke mit einer Panzerfaust. Er brach die Geldkassette des Vaters auf, stahl 10 000 Afghani, 125 Euro, lief von zu Hause weg zu einer Koranschule in Quetta. Das Erste, was er dort lernte: singen.
Auch jetzt im Gefängnis singt er eines der Klagelieder der Taliban. Der Refrain lautet: "Um vier Uhr morgens bist du auf dem Weg Richtung Krieg". Seine Stimme wird heller beim Singen, sie hallt durch das Zimmer. Als er endet, sind alle einen Moment stumm, bevor sie klatschen, selbst der Wärter. In Quetta kam nach dem Singen das Training. In Deckung gehen, anrobben, Maschinengewehr entsichern, schießen, Handgranaten werfen.
Ein Freund von Azizullah verübte seinen ersten Anschlag. Die Taliban erzählten ihm, welch gute Dinge ihn im Himmel erwarteten, was sein Freund für ein Held sei. Es war das erste Mal, dass Azizullah erwog, selbst einen Anschlag zu verüben.
"Ich wollte mich in die Luft sprengen, damit ich keine Sünden mehr begehen kann und direkt in das Paradies komme. Der Wein hier ist verboten, aber wenn ich ins Paradies komme, dann kann ich so viel trinken, wie ich will", sagt er. Sein erster Selbstmordanschlag misslang, die Batterie funktionierte nicht, er kam in ein Waisenhaus, brach aus, schloss sich wieder den Taliban an. Der nächste Anschlag sollte klappen, musste klappen.
"Es wird keinen Frieden geben, solange ihr Ausländer hier seid", sagt Azizullah. "Aber Azizullah", sagt sein Wärter, der mit im Raum sitzt. "Weißt du denn nicht, dass im Koran steht, dass wir mit den Ungläubigen friedlich zusammenleben sollen?" Er sagt: "Ja, das weiß ich, aber warum werden sie keine Muslime?"
Eigentlich müsste es einen religiösen Lehrer geben, der Jungen wie Azizullah erzählt, dass Selbstmordanschläge eine große Sünde seien, für die man in die Hölle komme. So versteht die Mehrheit aller Muslime den Koran. Aber es gibt keinen solchen Lehrer für Azizullah. Auch nach der Entlassung bleiben er und die anderen Jungen sich selbst überlassen.
Azizullah und seine Mitgefangenen werden nur von einem zahnlosen Rentner unterrichtet, der harmlose Geschichten erzählt, mit Vorliebe die des Volkshelden General Akbar Khan aus dem 19. Jahrhundert. Am Morgen steht der Alte in der Klasse, breitet die Arme aus und erzählt, was er seinen Moralunterricht nennt: "Als die Briten in Afghanistan waren, ging General Wazir Akbar Khan zu ihrem Diplomaten Macnaghten. Und er sagte: Macnaghten, gib meinen Leuten Geld. Aber der Brite wollte nicht. Da nahm Akbar Khan eine Pistole und schoss Macnaghten in den Mund. Der Brite starb." Die Schüler lachen, der Lehrer auch. Eine gute Geschichte. Azizullah mag den Lehrer, er lacht gern.
In seiner zweiten Ausbildungszeit bei den Taliban wurde er mit dem Ruf zum Frühgebet geweckt. Sie beteten, lasen im Koran, dann ein weiteres Gebet, dann Tee und Brot. Abends gab es eine Pepsi. Im Februar 2012 stand sein nächster Anschlag an, er zog wieder los, den Sprengstoff am Leib, die Weste.
Als Azizullah sich dem Checkpoint nähert, fragen sie ihn, was er will. Er sagt: "Meinen Onkel sehen." Sie wollen ihn durchsuchen, aber Azizullah drückt sich an den Männern vorbei und rennt los. Er will zum zweiten Checkpoint, der nicht mit Afghanen, sondern mit Ausländern besetzt ist. Dann leuchtet ein großer Scheinwerfer auf ihn. Er wird angerufen, sich hinzulegen. Azizullah versucht, seine Weste zu zünden. Aber etwas Schweres legt sich über ihn, Plastikhandschellen schließen sich um seine Handgelenke. Es hat nicht funktioniert, wieder nicht.
Am Abend nach dem Gespräch im Gefängnis explodiert die Stadt. Der Hall ist über ganz Kabul als dumpfes Grollen zu hören. Noch Straßenzüge weiter splittern die Fensterscheiben. Rauch steigt auf. Im Hotel Serena ducken sich die Reichen, die für jeden Apfelsaft drei Stahltüren passieren müssen und die Restaurants nicht nach der Qualität des Essens, sondern der seiner Sicherheitskontrollen beurteilen.
Zunächst sprengt sich ein Attentäter in einem Auto vor einem Bürohaus des Innenministeriums in die Luft. Anschließend stürmen weitere Angreifer ein angrenzendes Gebäude. Sechs Stunden lang hört man Maschinengewehre, Granatexplosionen, Kindergeschrei. 11 Menschen sterben, mindestens 14 werden verletzt.
Am Tag danach sollen die pinkfarbenen Ballons von Yazmany Arboleda verteilt werden. Arboleda hat zwei Straßenblöcke weiter die Schüsse gehört, über Stunden. Er hat entschieden weiterzumachen. Aber er hat nicht bedacht, dass sich an warmen Tagen wie diesen die Luft über der Hochebene von Kabul aufheizt, nach oben steigt und Platz macht für die kalte Luft aus dem Gebirge. Staubstürme fegen durch die Stadt. Dazu regnet es immer stärker. Seine Helfer schütteln sich das Wasser aus den Haaren, sie prügeln sich mit Kindern um die Ballons. "Was sind das für Leute?", fragt der Geldwechsler vor dem Timur-Schah-Park. "Wahrscheinlich Arbeitslose", antwortet sein Kunde.
Die meisten Ballons platzen oder werden geklaut. Irgendwo im Regen steigen ein paar auf, treiben nach Süden ab, Richtung Kandahar, Richtung Taliban. Sie sehen anders aus als auf den Werbebildern, kleiner, verlorener. Wer auf der Website des Projekts Geld gespendet hat, konnte eine Nachricht hinterlassen, die ausgedruckt und in einen Ballon gesteckt worden ist. Wenn die Luft entwichen ist, soll der Beschenkte die Nachricht lesen können, so die Idee. Auf einem der Zettel steht: "Bitte akzeptiert unsere Liebe, unseren Frieden und unsere Hoffnung."
Die meisten Afghanen können nicht lesen, Arboleda hofft, dass seine Nachricht trotzdem verstanden wird. Am Abend bekommt er eine E-Mail: "Arboleda, du Motherfucker. Deine Aktion hat nichts mit Frieden zu tun. Ich schwöre bei Gott, wenn ich dich irgendwo sehe, dann erschieße ich dich persönlich."
Eine Drohung wie diese hätte auch Azizullah aussprechen können, der kindliche Attentäter. Jetzt, im April 2014, ist er wieder frei, aber verschwunden. Die Direktorin des Gefängnisses, Aziza Adalatkhwa, erzählt am Telefon, dass Ende vergangenen Jahres ein Mann erschien, der sich als sein Vater ausgab. Er nahm Azizullah mit. "Wir haben seitdem nichts mehr von ihm gehört", sagt sie.
Sein Anwalt hat die Akte geschlossen, er hat keinen Kontakt mehr. Der Gefängniswärter erzählt, er habe Azizullahs Zellengenossen untereinander reden hören, Azizullah habe sich nach seiner Entlassung in der Provinz Wardak in die Luft gesprengt, im Westen von Kabul. "Ich weiß nicht, ob es stimmt", sagt er, "aber ein Teil von mir glaubt es, weil die Gefangenen Besuch von ihren Verwandten kriegen, die Neuigkeiten mitbringen."
Der Provinzchef von Wardak sagt, es habe in den vergangenen Monaten gar keine Selbstmordanschläge gegeben. Sein Sprecher behauptet das Gegenteil. Der Sprecher des Inlandsgeheimdienstes NDS wiederum sagt, er wisse von gar nichts. Aber er glaube, es sei sehr schwer, einen Körper zu identifizieren, nachdem er in die Luft gesprengt worden ist.
Darum geht es in Afghanistan: um Menschen, die verschwinden. Um Kinder, die sich und andere ermorden. Es geht nicht um Ballons. Es ging selten um die Vorstellungen, die sich Fremde machten.
Als die Briten nach Afghanistan einritten, Anfang des 19. Jahrhunderts, baute die Seemacht vor den Toren Kabuls ein Schiff, ein großes hölzernes Schiff samt Segeln, Masten und Ruder. Dann luden sie es auf mehrere Wagen, fuhren es zu einem kleinen See in der Nähe und setzten die Segel. Es war ein wunderbares Schiff. Sie bauten es, weil sie gut Schiffe bauen konnten und weil sie auch zu Hause Schiff fuhren. Die Afghanen am Ufer betrachteten das neue Ding schweigend. Ein britischer Zeitgenosse schrieb: "Es ist kaum nötig anzufügen, dass es unmöglich war, ihren Gemütern die Ahnung von einem mächtigen Ozean zu vermitteln." Was die Engländer vergessen hatten: Das Schiff wurde in Afghanistan nicht gebraucht.
* Die Fotos wurden heimlich mit einem Mobiltelefon aufgenommen, weil das afghanische Justizministerium die Genehmigung für Aufnahmen zum Zeitpunkt der Recherchen noch nicht erteilt hatte. Sie kam später, mit der Auflage, keinen Häftling identifizierbar abzubilden.
Von Stock, Jonathan

DER SPIEGEL 15/2014
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