19.04.2014

FUSSBALLAngriff der Piraten

"Neuigkeiten, Gerüchte, Transfers", das verspricht "Bundesliga Latest" seit Beginn der Saison auf Twitter. Der Account ist ein Geheimtipp für Fußballfans, weil es kaum ein schnelleres Online-Angebot gibt, das auch noch gratis ist. 10 184 Tweets hatte @BL_Latest bis vergangenen Mittwoch, 17.35 Uhr, veröffentlicht. Die knapp 2000 Follower erfahren zum Beispiel, welcher Verein sich von welchem Spieler trennen will, wer wo beim Training fehlt, welcher Fußballer verletzt ist. Zu jeder Bundesligapartie gibt es einen Live-Ticker - und Videos von allen Toren, wenige Sekunden nachdem sie gefallen sind.
Hinter @BL_Latest verbergen sich zwei Schüler aus Österreich, zwei Brüder, 14 und 17 Jahre alt. Die Gymnasiasten sitzen an einem Spieltag mit den Handys im Arbeitszimmer ihres Vaters vor dem Fernseher, "mein Bruder filmt die Tore ab, die in der Konferenz bei Sky gezeigt werden, und stellt sie mit einer App bei Twitter online", sagt Peter, der Ältere der beiden, der den Ticker schreibt und später Sportjournalist werden möchte. In den ersten Monaten hatte @BL_Latest nur rund 20 Follower, "da wollten wir den Account schon einstellen. Aber seitdem wir die Tore zeigen, kommen jede Woche viele neue Follower dazu", sagt Peter. Gemeinsam mit seinem Bruder sammelt er Nachrichten und Spekulationen rund um den Fußball, die sie an ihre Follower versenden. "Das ist sehr zeitintensiv. In der Schule meines Bruders gibt es ein Handy-Verbot, er kann nur am Abend posten. Ich versuche es in den Freistunden oder auch manchmal zwischendurch", sagt Peter.
Dass sein Bruder und er mit den Videos gegen die Übertragungsrechte verstoßen, die die Deutsche Fußball Liga (DFL) für viel Geld verkauft hat, finden die beiden nicht: "Wir denken, wir tun nichts Illegales und bewegen uns in einer Grauzone. Aber wenn die erste Abmahnung von Sky kommen würde, würden wir sofort damit aufhören", sagt Peter. Bei der DFL spricht man von "digitaler Piraterie" und kündigt an, gegen die Betreiber von @BL_Latest vorzugehen: "Dies sind keine Kavaliersdelikte, sondern Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz, die auch strafrechtlich relevant sein können", sagt Jürgen Paepke, leitender Justitiar der DFL.

DER SPIEGEL 17/2014
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