14.07.2014

Städtebau„Mehr als nur Notunterkünfte“

Kai Vöckler, 53, Professor für Urbanistik und Mitgründer einer Organisation, die Stadtplaner in Konfliktgebieten unterstützt, über die Rolle von Architektur für die Sicherung des Friedens
SPIEGEL: Herr Vöckler, Sie bereiten in der Münchner Pinakothek der Moderne eine Ausstellung mit vor, die eine Architektur für den Frieden präsentieren will. Was verstehen Sie darunter?
Vöckler: Im Grunde geht es um Stadtplanung. In Gebieten, auf denen ein militärischer Konflikt beendet werden konnte, werden Probleme wie die Versorgung der Flüchtlinge oft gut gelöst. Medizinische Hilfe, Notunterkünfte, so etwas. Die Frage nach Stadtentwicklung hat kaum jemand im Auge. Aber sie ist zentral.
SPIEGEL: Inwiefern?
Vöckler: Es gibt viele Länder und Gebiete, in denen Volksgruppen miteinander leben müssen, die noch verfeindet sind, obwohl der Krieg vorbei ist. Wenn in einer der großen Städte durch eine entsprechende Planung ein Miteinander gelingt, dann hat das oft Vorbildcharakter für den Rest des Landes.
SPIEGEL: Wie kann Annäherung aussehen?
Vöckler: Nehmen wir die regelrecht geteilten Städte, dort sollte man zuerst Probleme in Angriff nehmen, die beide Seiten nur gemeinsam lösen können, wie die Beseitigung des Abwassers. Stadtplanung muss natürlich mehr beinhalten. In vielen Städten in ehemaligen Kriegsgebieten besteht Wohnungsnot - wegen Zerstörung oder weil zuvor viele Menschen dorthin geflüchtet sind und bleiben, andere zurückkommen. Oft wird drauflosgebaut, keiner fragt nach Statik, nach Sicherheit, nach einer Struktur, vor allem aber danach, wie man auch Zonen einrichtet, die allen Bevölkerungsgruppen zugänglich sind. Denn darum geht es: alles Gemeinsame zu fördern.
Von Uk

DER SPIEGEL 29/2014
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