13.10.2014

BiografienArmstrongs Zorn

Lance Armstrong hasst. Er hasst sie alle, die Andreus, die LeMonds und wie sie sonst noch heißen. Er findet all jene "widerwärtig", die dazu beigetragen haben, ihn als Doper und Lügner zu entlarven, als Menschenverführer und -verächter. Es ist still geworden um den Amerikaner, seit er vor zwei Jahren aufflog und gestand, seit man ihm seine sieben Siege bei der Tour de France aberkannte und ihn lebenslang sperrte. Er hat sich bei einigen Leuten entschuldigt, denen er das Leben zur Hölle gemacht hatte, weil sie es wagten, am Bild des Superhelden zu rütteln. Jedes einzelne Sorry ist wertlos. Armstrongs Hass lebt, vielleicht stärker denn je.
Die US-Journalistin Juliet Macur hat jahrelang über Armstrong geschrieben, er hat sie zu manipulieren versucht und dafür umschmeichelt oder attackiert, je nachdem, was er für angebracht hielt. Sie wusste also, was sie erwarten durfte, als sie im Juni 2013 vor Armstrongs Villa in Austin, Texas, vorfuhr, um ihn für ihr Buch zu sprechen. Armstrong war gerade dabei auszuziehen, weil er sich das Leben eines Megastars nicht mehr leisten konnte. In der sich leerenden Villa, der Kulisse seines Abstiegs, traf Macur einen Mann, dessen Zorn mit etwas Abstand auf die Ereignisse wieder aufgeflammt ist. Der taktische Fehler einräumt, manche Beschimpfung seiner Gegner bedauert, der aber nicht einsieht, was falsch daran gewesen sein soll, wieder und wieder gelogen zu haben. Weil alle es taten. "Es gibt keine guten und bösen Jungs", sagt er.
Macur hat Aufstieg und Fall des Lance Armstrong intensiv recherchiert und dafür mit mehr als 130 Menschen gesprochen. Sie erzählt die Geschichte mit all ihren Wendungen und Abgründen, faktentreu und facettenreich wie einen wahren Krimi. Das Treffen in Austin bildet Prolog und Epilog ihres Buchs, es gibt die Antwort auf die Frage, was die Geschehnisse in Armstrongs Innerstem bewirkt haben könnten: nichts. Er hat sie bloß in sein Weltbild eingepasst.
Aus dem Sport wurde er verstoßen. Er ist verklagt worden und soll über 120 Millionen Dollar zahlen. Kläger sind unter anderen die USA. Das Land, dessen Idol er war, könnte ihn in die Pleite treiben. Armstrong hat sich stets an der Größe der Aufgabe aufgerichtet. Jetzt sagt er: "It's fucking rock and roll, baby."
Edel Books, Hamburg; 432 Seiten; 22,95 Euro.
Von Hac

DER SPIEGEL 42/2014
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