21.02.2015

Medizin„Das kann sogar tödlich enden“

Jens Rassweiler , 59, Direktor der SLK-Kliniken für Urologie und Kinderurologie Heilbronn, über Unfälle beim Sex
SPIEGEL: Der Erfolg des Films "Fifty Shades of Grey" befördert das Interesse an Sadomaso-Spielzeug. Befürchten Sie eine Verletzungswelle?
Rassweiler: Leider können bestimmte Sexpraktiken gefährlich werden - etwa wenn man Gegenstände in Körperöffnungen schiebt, in denen sie nichts zu suchen haben. Auch Penisringe oder Penishodenringe bergen Risiken.
SPIEGEL: Nämlich?
Rassweiler: Durch solche Ringe wird der Blutrückfluss verzögert, um die Erektion zu verlängern. Aber manchmal fließt das Blut gar nicht mehr ab. Im Extremfall kann es sogar im Schwellkörper gerinnen. Dann lässt sich der Penisring nicht mehr entfernen. Wenn er aus Metall ist, hilft nur noch ein Diamantbohrer aus der Kieferchirurgie oder eine Flex, um ihn zu entfernen. Wegen des Funkenflugs muss dann die Feuerwehr in den OP kommen.
SPIEGEL: Das wird ja eher selten geschehen, oder?
Rassweiler: Ja, aber es kommt vor, ebenso wie diese Fälle, in denen sich Leute Dinge wie Kabel, Bleistifte oder Glasröhrchen in die Harnröhre einführen. Alles schon da gewesen. Den Bleistift konnten wir erst entfernen, nachdem wir ihn mit einem Laser zerlegt hatten.
SPIEGEL: Das klingt extrem.
Rassweiler: Aber auch normale Analvibratoren sind schon in den Darm gerutscht. Und es ist kaum vorstellbar, aber selbst Ostereier und ganze Cola-Flaschen lassen sich rektal einführen. Wird der Darm dabei perforiert, ist die Infektionsgefahr extrem hoch. Das kann sogar tödlich enden. Wer solche Spiele spielt, sollte zumindest anatomische Grundkenntnisse haben.
SPIEGEL: Sind vaginale Sexspiele auch so gefährlich?
Rassweiler: Da passiert weniger. In einem Fall hatten wir allerdings eine Patientin, die sich eine Champagnerflasche eingeführt hatte. Es entwickelte sich ein Vakuum, und die Flasche saß fest.
SPIEGEL: Probieren die Opfer dann nicht, sich selbst zu helfen?
Rassweiler: Doch, klar, aber genau das sollten sie nicht tun. Nicht warten und sich schämen, sondern gleich in eine urologische Klinik gehen! Wir kennen diese Dinge. Wenn schnell gehandelt wird, lassen sich viele Probleme relativ leicht lösen. Dann muss auch meistens nicht operiert werden.
Von Phb

DER SPIEGEL 9/2015
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