04.04.2015

Kommentar Langsam anziehen

Warum wir eine neue Mode brauchen
Aldi hat sich diese Woche auf Druck von Greenpeace verpflichtet, bis zum Jahr 2020 nur noch Textilien ohne umwelt- oder gesundheitsschädliche Chemikalien anzubieten. Auch Lidl, Rewe, Tchibo und andere Händler haben auf die "Detox"-Kampagne der Umweltschützer reagiert. Ein schöner Erfolg, aber alles darf das noch nicht gewesen sein. Denn was wir wirklich brauchen, ist eine neue Modebewegung, die weg von der Fast Fashion und hin zur nachhaltigen Klamotte mit langer Lebensdauer führt. Vorreiter dieser Bewegung müssten vor allem die jungen YouTube-Wilden sowie die Schönen und Reichen sein, die uns bereits heute alles Mögliche verkaufen. Ich möchte Rapper sehen, die Firmen wie Nurmi groß machen, deren Jeans aus Stoffresten bestehen. Ich möchte Popstars in Upcycling-Schuhen aus alten Reifen und Lederresten tanzen sehen und Schauspieler, die auf der Berlinale in Kreationen von Labels wie Armedangels oder Brainshirt über den roten Teppich schreiten. Nur wenn Ökoklamotten das Image des Jutesacks loswerden und Ideen wie der "unendliche Kleiderschrank" des Klamotten-Leihshops Kleiderei als cool gelten, wird sich die "Slow Fashion"-Bewegung durchsetzen können. Der Wandel ist dringlich: Etwa 10 000 Liter Wasser verschlingt die Produktion eines Kilos Baumwolle. Vor allem deshalb trocknet beispielsweise der Aralsee aus. In China sind etwa zwei Drittel der Gewässer vergiftet, größtenteils mit Chemikalien aus der Textilindustrie. Rund 4,3 Millionen Tonnen Kleidung landen in Europa jährlich im Müll. Ein neues Party-Top bringe es im Schnitt auf nur 1,7 Einsätze, sagt Kirsten Brodde von Greenpeace. Hätte es dafür wirklich produziert werden müssen?
Ich baue auf euch, ihr Fairtrade-Kaffee trinkenden, Biogemüse knabbernden Fahrradfahrer: Nehmt endlich auch die Kleider in euer Weltverbesserungsprogramm auf!
Von Bethge, Philip

DER SPIEGEL 15/2015
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