11.04.2015

KommentarSchiff versenkt

Die illegale Ausbeutung der Meere muss endlich beendet werden.
Highnoon auf dem Ozean: Vor Westafrika versank vorigen Montag ein Fischtrawler, der monatelang von Booten der Organisation Sea Shepherd verfolgt worden war. Die Ökoaktivisten sagen, der Kapitän habe den Trawler namens "Thunder" absichtlich versenkt, um "Beweise zu beseitigen". Denn die "Thunder" soll auf illegalem Fischzug gewesen sein.
Der Vorfall verweist auf ein weltweites Problem: Rund 25 Millionen Tonnen Fisch - bis zu einem Drittel des weltweiten Fangs - werden unrechtmäßig angelandet. Es ist empörend, dass dieses Problem überhaupt noch existiert. Illegaler Fischfang ist nur möglich, weil es den Trawlern immer noch viel zu leicht gemacht wird, die Regeln zu brechen - indem sie unter Billigflagge fahren oder zum Anlanden ihrer Beute Häfen in Entwicklungsländern anlaufen, in denen die Kontrollen lax und die Beamten korrupt sind.
Illegaler Fischfang ist nur deshalb lukrativ, weil jene Länder, in denen der Fisch verkauft wird, nicht ausreichend die Herkunft der Fänge hinterfragen.
Die EU muss mit gutem Beispiel vorangehen und den Fischhandel zu einem genaueren Herkunftsnachweis der Ware zwingen. Auch der Betrieb von Trawlern unter Billigflagge darf für Unternehmen, die Fisch bei uns handeln wollen, nicht mehr akzeptiert werden. Sonst geht der Raubbau weiter, der unter anderem dazu führt, dass Fischereiexperten die Fangquoten falsch festlegen, weil sie die illegalen Fänge nicht berücksichtigen.
Für ihre Verfolgungsjagd auf hoher See ist den Ökoaktivisten kein Vorwurf zu machen - im Gegenteil. Dankenswerterweise haben sie eine Fischindustrie bloßgestellt, die sich nicht an die Regeln hält. Und sie haben den Raubfischern in Seenot geholfen - und das, obwohl sie diese wohl am liebsten in die ewigen Fischgründe geschickt hätten. Stattdessen nahmen sie die Schiffbrüchigen an Bord und übergaben sie den Behörden.
Von Philip Bethge

DER SPIEGEL 16/2015
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