18.04.2015

Deutsche BankVorstand für Postbank-Verkauf

Der Vorstand der Deutschen Bank hat in einer Sitzung am vergangenen Mittwoch eine Vorentscheidung für den Verkauf der Postbank getroffen. Das alternative Modell, das eine Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts vorsieht, fand in dem Gremium offenbar keine ausreichende Unterstützung. Zugleich sieht das Strategiekonzept vor, dass im verbleibenden Privatkundengeschäft Filialen geschlossen und ein Teil der Auslandsaktivitäten aufgegeben wird; das Investmentbanking muss um etwa 150 Milliarden Euro schrumpfen. In der Bank sollen zudem die Kosten gesenkt werden. Bis zur Aufsichtsratssitzung am 24. April sollen alle Details geklärt sein. Die Bank erklärt, noch sei keine Entscheidung gefallen. Zugleich sorgen neue Entwicklungen in der Libor-Affäre für Diskussionen. So rückt erneut Kochef Anshu Jain in den Fokus, der damals das in die Manipulationen verwickelte Investmentbanking leitete. Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Führung der Bank unkooperatives Verhalten bei der Aufarbeitung des Libor-Skandals vor. In einem Brief der FCA, der ebenfalls im Vorstand erörtert wurde, heißt es, der Umgang des Instituts mit dem Thema sei inakzeptabel. Noch im April wird ein Vergleich der Deutschen Bank mit der FCA und mehreren amerikanischen Behörden in der Libor-Affäre erwartet, er soll den Konzern 1,4 Milliarden Euro kosten. Die Bank soll bislang nur für etwa zwei Drittel des Betrages Rückstellungen gebildet haben. Angesichts des harten Vorgehens der angelsächsischen Behörden wird auch in der deutschen Finanzaufsicht BaFin der Ruf nach einer strengen Sanktionierung laut. "Es kann nicht sein, dass die Manipulation wichtiger Referenzzinsen allein in Deutschland ohne Folgen bleibt", heißt es in Aufsichtskreisen. Sie fordern nun vor allem personelle Konsequenzen bis hin zum Vorstand. In einem Zwischenbericht zu ihren Libor-Untersuchungen hatte die BaFin bereits 2013 schwere organisatorische Mängel in der Bank ausgemacht und, wie jetzt die FCA, die schleppende Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Die BaFin-Spitze soll jedoch gegen personelle Konsequenzen auf der höchsten Führungsebene der Bank sein. Der Abschlussbericht der BaFin wird frühestens Ende Mai erwartet. Die BaFin äußert sich dazu nicht. Auch Vertreter des Aufsichtsrats beklagen, es sei den Aktionären kaum zu vermitteln, dass Milliardenstrafen an die Behörden gezahlt würden, ohne dass es zu personellen Konsequenzen komme. Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll sich jedoch auch nach dem FCA-Schreiben hinter Jain gestellt haben.
Von Mhs

DER SPIEGEL 17/2015
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