24.05.1999

WERBUNGHäßliches Venedig

Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, der sonst als Werbechef für den Kleiderkonzern Benetton mit blutbesudelten Soldatenuniformen schockt, hat einen attraktiven Auftrag für Anti-Werbung bekommen: Er schreckt künftig Tagestouristen ab, nach Venedig zu reisen. Dem venezianischen Bürgermeister Massimo Cacciari sind zwölf Millionen Besucher pro Jahr zuviel. Nun hat er Toscani beauftragt, die Schattenseiten der Stadt hervorzuheben: zum Beispiel tote Tauben, Ratten und Kanalmüll. Toscanis Team entwirft derzeit Plakate und Presseanzeigen, die Anfang Juni präsentiert werden, etwa Speisekarten mit völlig überhöhten Preisen (zwölf Mark für eine Tasse Kaffee auf dem Markusplatz) sowie häßliche Plastiksouvenirs wie die Rialto-Brücke oder Canale-Grande-Gondeln. Venedig sei "die Hauptstadt des Kitschs, nirgendwo auf der Welt wird so viel Müll produziert", wettert Toscani, das werde "ein Ansatz unserer Kampagne". Seine Fotos sollen "ein Schlag ins Gesicht der Touristen sein, damit sie endlich nachdenken", sagt Auftraggeber Cacciari.

DER SPIEGEL 21/1999
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