24.06.1991

Eine wunderbare Katastrophe

Bonn befürchtet, zur Ödnis zu verkommen. Berlin stürzt sich enthusiastisch auf seine alt-neue Bestimmung als überragende Kapitale. Nun, da der ganze Kontinent in Bewegung gekommen ist, könnte Berlin zur Hauptstadt Europas werden, zur multikulturellen Metropole für West und Ost - mit allem Glanz und allem Schatten.

Am 20. Juni 1991 um 21.47 Uhr war schon wieder vieles anders in Deutschland.

Mit einer Mehrheit von 18 Stimmen entschied der Bundestag, Abschied zu nehmen vom Nachkriegsprovisorium Bonn am Westrand der Republik und neu zu beginnen in der alten Reichshauptstadt Berlin an Deutschlands östlicher Peripherie.

Weinende Verlierer, weinende Sieger: Seit dem gescheiterten Mißtrauensvotum gegen den Friedenskanzler Willy Brandt hat keine Entscheidung des Parlaments so viele Emotionen geweckt. Doch anders als 1972 und wie noch nie zuvor ging der Riß quer durch die Fraktionen.

Die Bonner, die die Nacht zuvor schon siegesfroh und - wie sonst nur zu Karneval - ohne Sperrstunde durchgezecht hatten, erstarrten oder explodierten.

"Katastrophe für Bonn", titelte das lokale Boulevardblatt Express. Der Godesberger _(* Mit Berlins Regierendem Bürgermeister ) _(Eberhard Diepgen im Bundestag. ) Bezirksvorsteher Norbert Hauser (CDU) schimpfte: "Es gibt Leute, denen ich ins Kreuz treten könnte. Der Bundeskanzler gehört dazu."

Die Berlin-Anhänger, deren Jubelschrei bei Bekanntgabe ihres Sieges verhalten und kurz ausfiel, zogen aus, um unter sich zu feiern. Willy Brandt, einst Regierender Bürgermeister der halben Metropole, verließ das Wasserwerk mit feuchten Augen. Bonns Oberbürgermeister Hans Daniels (CDU) sprach mit stockender Stimme in alle Mikrofone: "Wir werden auch diese schweren Zeiten meistern."

Nun ist alles klar: Das einig Vaterland hat seine größte Metropole auch zum politischen Zentrum bestimmt, wird gleichziehen mit Frankreich/Paris, Großbritannien/London, Italien/ Rom, Spanien/Madrid.

Noch haben die Deutschen in West und Ost die Einheit gar nicht verarbeitet, werden sich der Probleme und Lasten des Zusammenkommens erst allmählich bewußt. Und schon stehen sie mit der Hauptstadt-Entscheidung vor einem neuen einschneidenden Ereignis, dessen Folgen schwer abzuschätzen sind.

Bei der Vereinigung von BRD und DDR war das Volk in der Mitte Europas Subjekt und Objekt der Geschichte in einem: Subjekt in Gestalt der friedlichen Revolutionäre im SED-Staat und der entschlossen zugreifenden Bonner Regierung; Objekt des Sowjetmenschen Michail Gorbatschow, der den Freiheitsdrang der Völker im westlichen Vorfeld der schwindsüchtigen Supermacht nicht länger unterdrücken wollte und konnte, mit den Osteuropäern auch 16 Millionen Deutsche aus 45jähriger eiserner Vormundschaft entließ.

Das Votum für Berlin als Parlaments- und Regierungssitz aber ist die erste souveräne, keinen Sachzwängen folgende Entscheidung des neuen Deutschland.

Nach elfstündigem Debatten-Marathon schlug sich das Parlament auf die Seite Berlins. Der Deutsche Bundestag mutet sich und den Bürgern den Kraftakt zu, die wichtigsten politischen Institutionen von Bonn nach Berlin zu verpflanzen.

Die Riesenstadt an der Spree, jahrzehntelang ein Ort für Aussteiger, wird wieder zur Stadt der Einsteiger - und zwar auf allen Gebieten. Und nun, da der ganze Kontinent in Bewegung geraten ist, könnte der großen Stadt in der Mitte sogar eine Bedeutung zuwachsen, die ihr vor einem Menschenleben schon einmal winkte: als Hauptstadt Europas, mit allem Glanz und allen Schatten.

Auch damals war die ruhelose Stadt aus Erstem Weltkrieg und nachfolgender Revolution, unter dem Druck von Flüchtlingsströmen und zahllosen Glückssuchern zu einer Metropolis herangewuchert, von deren elementarer Kraft eine Tagebuchnotiz des Diplomaten Harry Graf Kessler eine Ahnung vermittelt:
" Abends in einem Kabarett in der Bellevuestraße. "
" Rassige, spanische Tänzerin. In ihre Nummer krachte ein "
" Schuß hinein. Niemand achtete darauf. Geringer Eindruck "
" der Revolution auf das großstädtische Leben. Dieses Leben "
" ist so elementar, daß selbst eine weltgeschichtliche "
" Revolution wie die jetzige wesentliche Störungen darin "
" nicht verursacht. Das Babylonische, unermeßlich Tiefe, "
" Chaotische und Gewaltige von Berlin ist mir erst durch "
" die Revolution klargeworden, als sich zeigte, daß diese "
" ungeheure Bewegung in dem noch viel ungeheureren Hin und "
" Her von Berlin nur kleine örtliche Störungen verursachte. "

Damals war Berlin, trotz aller Kieze und Schrebergärten, alles andere als ein Idyll. Nichts anderes als den Abschied von der Idylle bedeutet auch die historische Entscheidung des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991.

Der multikulturellen Metropole des Ostens stehen neue Gründerjahre bevor; sie haben bereits begonnen, mit allen irritierenden Begleiterscheinungen: Berlin wird zum Dorado der Investoren wie zum Mekka der Armen, am Ende werden neben funkelnden Hochhäusern auch viele Suppenküchen stehen. _(* Vor dem Berliner Reichstag am 3. ) _(Oktober 1990. )

Die Stadt wird glitzern. Sie wird aber auch am Dreck schier ersticken. Ihre Kultur wird aufblühen, von der Großen Oper bis zu den langbeinigen Girls vom Ballett. Doch ebenso werden die Gestrandeten aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken sein - die bettelnden Sinti-Frauen mit ihren Babys im Rinnstein und die Hütchenspieler in den Hauseingängen sind nur Vorboten eines breiten Zustroms elender und zwielichtiger Existenzen.

Die rund um die Uhr geöffnete Stadt der Delikatessen und Kaschemmen, der 1a-Massagesalons und der Stricherklappen, wird mit einer sprunghaft steigenden Kriminalität fertig werden müssen. Die Kluft zwischen den Villen von Dahlem und den Hinterhöfen am Prenzlauer Berg dürfte sich vertiefen - während die Zahl der legal und illegal anwesenden Ausländer unaufhaltsam steigen wird. Ein gewaltiger Verdrängungsprozeß dürfte die Stadt und ihr Umland erschüttern.

Schon vor dem Beschluß von Bonn waren die Immobilienpreise in ganz Berlin geradezu explodiert, sie hatten sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Für erste Adressen wurden Büromieten von 85 bis 100 Mark pro Quadratmeter verlangt und gezahlt, bei steigender Tendenz: mehr als alle City-Mieten in Düsseldorf, München, Köln, vergleichbar allenfalls mit Frankfurt am Main.

Auch Wohnraum wurde sprunghaft teurer. Ein durchschnittliches Eigenheim kostete 700 000 Mark, eine Wohnung pro Quadratmeter rund 3600 Mark: Preise, die weit über denen von Hamburg und nur noch knapp unter denen in München liegen.

Mietwohnungen sind, bei ständig steigendem Zins, absolute Mangelware. Bereits jetzt fehlen der Stadt 170 000 Wohnungen; der Senat hat sich vorgenommen, bis 1996 mindestens 80 000 bis 100 000 zu bauen. Danach sollen sorgsamer geplante Komplexe folgen, beispielsweise eine "Wasserstadt" mit 18 000 Wohnungen und 30 000 Arbeitsplätzen an der Oberhavel im Bezirk Spandau.

Das alles reicht hinten und vorne nicht; Stadtsoziologen prophezeien Berlin demzufolge "einen reichen Kern, einen bürgerlichen Gürtel und einen Armenring um die Stadt".

Das wird den innerstädtischen Autoverkehr, der jetzt schon nicht mehr zu bewältigen ist - und das auf Berlins bekannt breiten Straßen -, ins Chaos treiben. Der Stadt, die immer noch über Tempo 30 streitet, droht Tempo Null: der Dauerstau.

Ob die Schließung noch teilungsbedingter Lücken im S-Bahn- und U-Bahnnetz, der Ausbau von Busspuren und die strikte Einführung von Einbahnstraßen samt Park- und Halteverbot im City-Bereich spürbare Linderung bringen werden, gilt als fraglich - zumal der zu erwartende Parlaments- und Regierungsverkehr Privilegien beanspruchen wird und dem innerstädtischen Einsatz von Helikoptern Grenzen gesetzt sind.

Absolut steinzeitlich sind Berlins Kapazitäten im Nah- und Fernverkehr: Bahnverbindungen und Bahnhofseinrichtungen sind bei weitem nicht auf dem Vorkriegsstand; der dringend benötigte Großflughafen ist noch nicht einmal im Stadium der Planung.

Dies alles nun zügig zu besorgen wird dauern und kosten; und die geballten Probleme treffen nicht eine halbwegs normale, eine wie auch immer organisch ineinandergeflochtene Stadt, sondern ihre vor Jahrzehnten gewaltsam auseinandergehauenen Hälften: Zwei Millionenstädte mit höchst unterschiedlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen müssen saniert und miteinander verschmolzen werden - eine Herkulesarbeit von entmutigenden Ausmaßen.

Der äußerst schmerzhafte und kostspielige Prozeß, dem die Stadt und ihre Bewohner jetzt entgegensehen - der Versuch zur Normalisierung bei voraussichtlich unkontrolliertem Wachstum -, wird aber auch eine schockierende, ernüchternde und somit heilsame Demonstration aller Kalamitäten sein, denen die Deutschen für den Rest des Jahrhunderts und wohl noch darüber hinaus ausgesetzt sein werden.

Am unumgänglichen Exempel Berlins werden schnell auch die sorglosesten und ignorantesten Bürger dieses Landes begreifen, was die Einheit bedeutet: eine wunderbare Katastrophe.

Es war Wolfgang Schäuble, der Innenminister und Einheits-Architekt, der mit kaum gebändigtem Sarkasmus davon erzählte, wie wenig er sich habe träumen lassen, daß sich die beiden Deutschländer vereinen könnten - und wie wenig er geahnt habe, welchen Streit die Bestimmung der neuen Hauptstadt für die neue Republik heraufbeschwören könnte.

Schäubles eindrucksvolles Berlin-Plädoyer, so schätzen es viele ein, hat den Umschwung zugunsten Berlins mitbewirkt: "Es geht heute nicht um Bonn oder Berlin, sondern es geht um unser aller Zukunft."

Soweit Glaubwürdigkeit überhaupt noch zählt in der Politik, fiel der knappe Zuschlag für Berlin nur folgerichtig aus. "Erfahrung und Vernunft" hätten gegen "Gefühl und Zukunftsvision" gestanden, urteilte Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (siehe SPIEGEL-Interview Seite 26).

42 Jahre liegt der Beschluß zurück, durch den Bonn, stellvertretend für Berlin, zur Interims-Kapitale gekürt wurde. Damals, am 3. November 1949, verabschiedete der Bundestag Visionäres, das lange Illusionäres blieb:
" Die leitenden Bundesorgane verlegen ihren Sitz in die "
" Hauptstadt Berlin, sobald allgemeine, freie, gleiche, "
" geheime und direkte Wahlen in Berlin und in der "
" Sowjetischen Besatzungszone durchgeführt sind. Der "
" Bundestag versammelt sich alsdann in Berlin. "

Der Beschluß ist nie aufgehoben worden. Die zahllosen Reden und Resolutionen, in denen an die Vorläufigkeit des Weststaates und seiner Hauptstadt am Rhein gemahnt wurde, mochten zwar verklungen sein. Willy Brandt und Helmut Kohl, Hans-Jochen Vogel und Wolfgang Schäuble pochten jedoch auf diese Tradition.

Paradox genug: Die routinierte Staatsrhetorik vergangener Tage erwies sich am Ende als Verpflichtung für den Neuanfang der erweiterten Republik.

Ohne Berlin, gaben Kohl und Schäuble dem Häuflein der Unentschiedenen quer durch die Fraktionen zu bedenken, wäre die Einheit gar nicht zu haben gewesen. Und Brandt polterte gegen das "unsinnige Gerede", womit Berlin "zum Hort verbrecherischen Nazismus und gefährlichen Nationalismus abgestempelt werden soll".

Vor allem in ihren Anfängen konnte sich die Westrepublik nicht vorstellen, ein geteiltes Ganzes, ein Kunstprodukt der Alliierten zu bleiben. Der Kampf um Deutschland war lange Zeit auch ein Kampf um die alte Reichshauptstadt.

Wegen Berlin spaltete sich die Kriegsallianz zwischen Stalin und Roosevelt. Als die Sowjets 1948 die zerstörte, geteilte Metropole von der Außenwelt abschließen wollten, flogen die amerikanischen Rosinenbomber allen erdenklichen Entsatz herbei. Die Verbrüderung mit den Nach-Hitler-Deutschen begann in jenen Tagen; die westdeutschen Besiegten mauserten sich unverdient zu Mitsiegern. Ein Teil Berlins, und damit die gerade entstehende Republik, gehörte von nun an in der antikommunistischen Ideologie zum freien Westen.

Es waren die Arbeiter von der Ost-Berliner Stalinallee, die im Juni 1953 erst gegen überhöhte Produktionsnormen, bald darauf gegen den Ulbricht-Staat und schließlich für die Vereinigung mit der Adenauer-Republik aufstanden. Es waren die Berliner, denen Stalin-Nachfolger Nikita Chruschtschow in den späten fünfziger Jahren mit Ultimaten drohte: mal um die Stadt zu isolieren, mal um sie zu neutralisieren, mal um sie der DDR zuzuschlagen - und jeweils, um die Deutschen zur endgültigen Anerkennung der Zweistaatlichkeit zu zwingen.

Mit dem Mauerbau 1961 erreichte der deutsche Dualismus seinen Höhepunkt. In diesen August-Tagen setzte auch die Enttäuschung über die als Schutzmacht und Vorbild bewunderten Amerikaner ein: Zwar machte John F. Kennedy der Frontstadt seine Aufwartung ("Ich bin ein Berliner"), aber die bipolare Welt atmete auf, weil an der Systemgrenze bleibende Ruhe einkehrte.

Die Bonner Republik arrangierte sich im Laufe der Zeit umfassend: mit der Sowjetunion, mit der DDR.

Den in Bonn durchaus geschätzten Status quo sprengten die Ossis, die hin zu den Wessis strebten. Die von Gorbatschow erzwungene Kapitulation der SED in Ost-Berlin gab den Ausschlag für alles Weitere.

In Berlin begann die Wiedervereinigung mit der Maueröffnung. Selbstverständlich führt der Einigungsvertrag Berlin als Hauptstadt auf, ganz im Geiste der Bundestagsentschließung von 1949.

Berlin als Hauptstadt - dafür gab es reichlich Grundlagen, jede Menge politische Festlegungen, etliche moralische Postulate. Und gegen soviel geballte Normativität sollte der Status quo, Bonn genannt, zu halten sein?

Eindringlich machte SPD-Vize Wolfgang Thierse darauf aufmerksam, wie wichtig die Berlin-Entscheidung für seine ostdeutschen Landsleute sei: "Was ist das für ein Staatsschiff, in dem alle wirklichen Schwerpunkte im Westen liegen?" Er rief den Königssatz der Wiedervereinigung ins Gedächtnis: daß Teilung nur durch Teilen überwunden werden könne - Berlin als Hauptstadt, so der eloquente Neu-Parlamentarier schwärmerisch, sei "ein Zeichen, ein wunderbarer Anlaß der Hoffnung auf wirkliche Gemeinsamkeit und Solidarität".

Soweit Politik mit Seelenkunde zu tun hat, nahm der Bundestag mit seinem Votum Rücksicht auf die Befindlichkeit der Ossis. "Entscheidend ist das Psychologische," stellte auch der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe zufrieden fest (siehe SPIEGEL-Interview Seite 28).

Nach der Deutschen Demokratischen Republik ist - nun offensichtlich - auch _(* Soldaten hissen die sowjetische Flagge ) _(auf dem Reichstagsgebäude. ) die alte Bundesrepublik passe. Der Adenauer-Staat existiert nicht mehr. Linksrheinisch und ostelbisch sind wieder eins. Das Land wird nach Norden, nach Osten hin, ins Protestantische korrigiert. Der letzte Donnerstag war der Tag Null für ein neues Deutschland. Erst jetzt endet die Nachkriegszeit.

Was sich in Deutschland verändert, hatten viele Wessis offensichtlich noch gar nicht verstanden. Das Berlin-Votum, so SPD-Fraktionschef Hans-Jochen Vogel, sei eine Zäsur: "Wir verändern erstmals unser Bewußtsein, das bisher hinter den Realitäten zurückhing - und das wird Folgen haben." Die Wessis müssen die Lektion der Ossis erst lernen. Auch für sie hat sich die Welt verändert. Dazu gehören nicht allein unerfreulich hohe Steuern. Daß Berlin wieder wird, was es von 1871 bis 1945 schon war, ist dafür nur ein Symptom.

Natürlich blühen auch etliche schöne und weniger schöne Träume.

Bonn diente als Symbol der Integration der Deutschen in Westeuropa - Berlin sei ein Synonym für die Verlagerung nach Mitteleuropa, dekretierte Brandt im Bundestag. Zuviel der Ehre für die Geographie, zumal am Ende des 20. Jahrhunderts. Zwar liegt Warschau oder Prag näher bei Berlin als Paris oder London. Aber die Verträge auf gute Nachbarschaft mit Polen und der CSFR entstanden auf Bonner Boden.

Dennoch gibt es eine nationale Gewichtsverlagerung. Für Ost- und Mitteleuropa ist das neue Deutschland Tor zum Westen. Und alle Reformstaaten streben hindurch. Deshalb, und weniger dank der Hauptstadt Berlin, wächst das Gewicht der Deutschen in Ost wie West.

Weniger zweckdienlich sind die Träume konservativer Intellektueller vom Rheinischen Merkur bis zur FAZ. Sie ersehnen sich die Abkehr vom Provinzialismus, den sie in Bonn inkarniert wähnen. Wenn es nach ihnen geht, soll der ökonomische Riese Deutschland sich endlich auch politisch zu voller Größe erheben und sich weltweit zur Geltung bringen: als wahrer "partner in leadership" mit George Bushs USA; mit Bundeswehrsoldaten, wo immer sie gebraucht werden; und mit mehr Bellizismus als im Golfkrieg an den Tag gelegt, wie die deutschnationalen Träumer bewegt klagen.

Kaum jedoch zu glauben, daß Genscher im vorläufigen Zweitamtssitz Berlin den Genscheristen in sich vergißt und der Patriot Kohl im Kronprinzenpalais umstandslos zum Nationalisten mutiert.

Weitaus sachlicher reagierte das Ausland auf die neue, alte Hauptstadt Berlin: "Auf wiedersehen Bonn, Berlin here we come" kalauerte die Londoner Times. Das italienische Blatt La Repubblica mokierte sich über die Deutschen: "Die Welt ist beschäftigt mit Kriegen und Frieden, Völkerwanderungen, Finanzen und Katastrophen. Aber für die Deutschen existiert im Moment nur die Frage: Bonn oder Berlin."

Im Pariser Express prophezeite der britische Historiker Alan Bullock, daß Berlin "in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts eine ebenso große Rolle wie im ersten Teil des 20. spielen wird - diesmal, hoffen wir, nicht als Bedrohung für den Rest der Welt, sondern für das Wohlergehen aller".

Derlei Gelöbnisse hat Kanzler Kohl schon mehrmals abgelegt. Dem zweiten Teil der Wiedervereinigung widmete er sich aus pragmatischen und parteipolitischen Gründen äußerst vorsichtig.

Den Zusammenstoß der Weltanschauungen wollte der Kanzler vermeiden. Helmut Kohl hätte die Hauptstadt-Frage am liebsten noch ein paar Jahre ruhen lassen. In eine Zwangslage geriet er, als Bundespräsident Richard von Weizsäcker seinen Berlin-Vorstoß mit dem Ruf nach "politischer Führung" verband.

Die zu übernehmen, vermied der Pfälzer zwar sorgfältig. Doch als der Showdown zwischen Bonn und Berlin unausweichlich wurde, machte er sich kurz vor Toresschluß daran, die knappe Bonn-Mehrheit zugunsten Berlins zu drehen.

Ein Votum gegen Berlin, so CDU-Generalsekretär Volker Rühe, "wäre für die Union eine Katastrophe gewesen" - in Ostdeutschland nämlich, wo die satte Mehrheit der Union unaufhaltsam bröckelt.

Der Kanzler, von Niederlagen bei den Wahlen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem rapiden Stimmungsumschwung in den neuen Bundesländern gebeutelt, konnte am vorigen Donnerstag erst einmal aufatmen, denn die Entwicklung der Hauptstadt-Debatte war Helmut Kohl gar nicht recht gewesen.

Mit Milliardenspritzen aus der Bundeskasse wollte er zunächst die um ihre Existenz bangenden Ostdeutschen wieder hinter seiner Fahne sammeln. Ein offener Streit um die Hauptstadt, so warnte Kohl bereits im vorigen Jahr, könne nur Schaden anrichten.

Selbst in der Woche der Entscheidung fiel Kohls Berlin-Engagement so diskret aus, daß sich der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und seine Gefolgschaft beklagten.

Am Tag vor der Abstimmung warb Kohl in der Unionsfraktion, aber auch bei seinem Kritiker Diepgen und 30 als Pressure-group angereisten Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses für ein sogenanntes Zeitschienen-Modell. Wichtigstes Merkmal: Erst im Jahre 1996, also in der Mitte der nächsten Legislaturperiode, sollte über den endgültigen Sitz von Bundestag und Bundesregierung entschieden werden. Bis dahin sollten "alternative Planungen" für beide Städte vorliegen.

Der Kompromiß sollte in letzter Minute das Finale verhindern. Attraktiv waren allein seine Erfinder: Berlin-Befürworter Innenminister Schäuble (CDU) und Bonn-Anwalt Wolfgang Clement (SPD), Minister in der Staatskanzlei des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau.

Rasch waren sich beide einig, daß die Konfrontation im Bundestag nur noch zu stoppen wäre, wenn alle Schlüsselfiguren in der Hauptstadt-Diskussion - Bundespräsident, Kanzler, Bundestagspräsidentin, die Fraktionsvorsitzenden und die Prominenz beider Lager - gemeinsam in letzter Minute an die Abgeordneten appellierten, die Entscheidung zu vertagen.

Noch am Abend vor der Abstimmung waren Clement und Schäuble zuversichtlich.

Kohl selber hatte am Nachmittag beim Berliner Diepgen Bewegungsspielraum ausgemacht, freilich nur für den Fall, daß auch die Berlin-Anhänger in der SPD, voran Fraktionschef Hans-Jochen Vogel, bereit gewesen wären, über eine Verschiebung mit sich reden zu lassen. Schäuble hatte sich vom Berlin-Freund in der Villa Hammerschmidt eine wichtige Zusage besorgt: Wenn ein Konsens eine Chance besitze, dann trage er, der Bundespräsident, dazu bei.

Gegen Mitternacht war die Illusion verflogen.

In einer Runde mit Vertretern beider Lager weigerten sich die Berliner Hans-Jochen Vogel (SPD) und Lothar de Maiziere (CDU) strikt, die Entscheidung hinauszuschieben. Besonders Vogel zerpflückte den Entwurf seines Parteifreundes Clement und des Bundesinnenministers: für Berlin unzumutbar. Ähnlich unerbittlich gegen Bonner Wünsche kämpfte ein Christdemokrat: Fraktionsvize Heiner Geißler.

Der auf dem Bremer Parteitag des Jahres 1989 von Kohl als CDU-Generalsekretär gefeuerte Geißler nutzte die Hauptstadt-Debatte, um sich als strategischer Kopf der Fraktion neu zu profilieren. Er arbeitete ein Modell aus, das der Hauptstadt Berlin das Parlament zuordnete, Bonn jedoch die Regierung beließ - ein Konzept, das auf der plausiblen Annahme fußte, ein nach Berlin umgesiedeltes Parlament werde am Ende die Regierung doch nachziehen.

Hätten "zehn Leute andersherum gestimmt", fühlte sich Geißler nach dem knappen Votum für Berlin bestätigt, "hätten wir einen Scherbenhaufen gehabt, auch für die CDU". Möglicherweise hätte sich sogar die Berliner CDU gespalten und eine deutsch-nationale Partei gegründet.

Noch am Abend der heroischen Entscheidung und erst recht am Tag danach machte sich Ernüchterung breit, wurden Termine relativiert und materielle Konsequenzen durchgespielt.

CSU-Finanzminister Theo Waigel, dessen Haus die Gesamtkosten des Umzugs bis zum Jahr 2005 auf 70 bis 90 Milliarden Mark beziffert, wies gleich nach dem Berlin-Beschluß säuerlich auf den Kassenstand hin: In seiner mittelfristigen Finanzplanung bis 1995 sei für einen Parlaments- und Regierungssitz Berlin noch "kein Pfennig" eingeplant.

Waigels kühles Diktum ist ein weiterer Beleg für die aufgeregte Nonchalance, mit der die politische Kaste der Republik in eine folgenschwere Entscheidung schlitterte. Für Bonn und Umgebung gibt es überhaupt keine Alternativplanung - konnte es auch nicht geben, weil ein Bekanntwerden solcher Entwürfe im Vorfeld des Bundestagsvotums "verheerende Wirkungen gehabt hätte", so Wolfgang Clement.

Klar ist einstweilen nur, daß "wir in Bonn keine Ruinen hinterlassen" (Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth). Die vor langem zur Zierde und Vollendung der Hauptstadt der Westrepublik geplanten und inzwischen weit gediehenen Großbauten Plenarsaal, Haus der Geschichte und Kunstmuseum werden termingerecht eingeweiht werden; und auch der nach der Einheit an der Kellerdecke gestoppte Fraktionsbau neben dem "Langen Eugen" soll wieder wachsen dürfen (siehe Seite 31).

Was aber herbeigeschafft werden könnte zum Ausgleich für die Verluste der kleinen Stadt, steht in den Sternen.

Wie schwer ein Ausgleich werden kann, ist im "gemeinsamen Bericht" von Innen-, Finanz- und Bauministerium "über mögliche Kompensationsmaßnahmen" für die jeweils unterlegene Stadt nachzulesen. Als Beispiel für den "ungewissen" Erfolg von Bemühungen etwa um Supranationales führt das Papier vom 29. Mai auch dies an: Selbst die Verlagerung des bereits in München ansässigen Europäischen Patentamtes "wird vom Bundesminister der Justiz für nicht durchsetzbar erachtet".

Die düstere Prognose der Autoren: "Insgesamt ist von einer spiralförmigen Abwärtsentwicklung für Stadt und Region in ganz erheblichem Umfang auszugehen."

Bonn-Fighter Norbert Blüm, als Arbeitsminister und Chef der NRW-CDU _(* Vor dem Schöneberger Rathaus am 26. ) _(Juni 1963. ) doppelt getroffen, fällt nur noch Sarkastisches ein: "Wir haben ja jetzt offensichtlich genug Geld, um auch noch zwei Städte zu bezahlen: den Aufbau von Berlin und den Abbau von Bonn."

Tatsächlich eröffnen die Deutschen ihren Hauptstadt-Reigen auf dem gigantischen Schuldenberg von inzwischen 1500 Milliarden Mark. Gravierender als die absolute Höhe ist das Tempo, in dem die Deutschen ins Minus rasen. Rund fünf Prozent des Bruttosozialprodukts frißt in diesem Jahr die neue Kreditaufnahme. Einmal gab es das nach dem Kriege schon, im Krisenjahr 1975. Doch damals war''s vorübergehend, jetzt droht ein stabiler Trend.

Wieviel Geld der Entschädigungsfonds für zwangsenteignete Osteigentümer brauchen wird, kann niemand schätzen, viele Milliarden werden es gewiß. Hunderte von Milliarden werden auch in den nächsten Jahren in die zusammenbrechende Wirtschaft der neuen Länder gepumpt werden müssen, sei es für Investitionen oder als Sozialhilfe. Die von den Deutschen im internationalen Konzert angestimmte Hilfe für die Sowjetunion wird nicht billig, Polen, Ungarn und die CSFR werden sich auch melden.

Dabei richten sich diese Forderungen an ein Deutschland, das nicht mehr zur Oberklasse zählt. War die alte Bundesrepublik unter Europas Reichen - gemessen am Bruttosozialprodukt pro Kopf - neben der Schweiz und den skandinavischen Ländern an der Spitze, liegt das neue, um die DDR-Ruine ergänzte Deutschland nur noch unmittelbar vor den EG-Armenhäusern Portugal und Griechenland.

Wieviel können diese verschuldeten Deutschen sich noch leisten? Geht noch die Unternehmensteuerreform, der Familienlastenausgleich? Und obendrein eine glanzvolle Hauptstadt an der Spree nebst Versorgungsfall am Rhein? Je nach Tempo des Umzugs von Regierung und Parlament kommen leicht weitere zweistellige Milliardenbeträge in den nächsten Jahren aufs Belastungskonto.

Die im siegreichen Berlin-Antrag genannten Terminwünsche - vier Jahre für die "Arbeitsfähigkeit" des Bundestages an der Spree, "volle Funktionsfähigkeit Berlins als Parlaments- und Regierungssitz in spätestens zehn bis zwölf Jahren" - wurden schon am Tag nach der Entscheidung in Frage gestellt.

Eine "Untergrenze" nennt SPD-Fraktionschef Vogel beide Fristen: "Das dauert sicher länger." Rita Süssmuth rechnet, weil der Reichstag "entkernt" werden müsse, mit mindestens acht Jahren bis zur Funktionsfähigkeit des Bundestags und wenigstens der Kernbereiche der Regierung. Zwölf Jahre für das Ende der Gesamtaktion gelten auch ihr als Minimum.

So lange gedenkt Berlin nicht auf die tatsächliche Erhöhung zur Metropole der neuen deutschen Republik zu warten. Es soll, es muß möglichst schnell gehen. An Vorüberlegungen und Denkspielen, reifen wie weniger reifen, hat es von jeher nicht gemangelt.

Schon Mitte der fünfziger Jahre, als es dem Westteil der Stadt besonders dreckig ging, hatten Bundestag und Senat einen gigantischen städtebaulichen Wettbewerb "Hauptstadt Berlin" veranstaltet - offen für alle europäischen Architekten, zur "Neugestaltung der Berliner Mitte" (die sich überwiegend im Herrschaftsbereich der Sowjets und der SED befand). Schirmherrschaft: Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundestagspräsident, Bundesratspräsident, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, der Regierende Bürgermeister, der Präsident des Abgeordnetenhauses. Im Geleitwort zur Ausschreibung im Jahre 1957 schrieb Konrad Adenauer:
" Eine besondere Bedeutung kommt der Neuplanung des "
" Regierungsviertels zu, damit Berlin seine zukünftigen "
" Aufgaben als Hauptstadt erfüllen kann. "

34 Jahre danach ist die Situation da. Und wenngleich sich das Wettbewerbsgebiet schon damals vom Tiergarten im Westen bis zum Alexanderplatz im Osten, vom Oranienburger Tor im Norden bis zum Mehringplatz im Süden erstreckte, ist von den 1958 eingereichten 151 Entwürfen natürlich nichts mehr zu gebrauchen - ebensowenig übrigens von den modischen Stadtgespenstern, die erst letztes Jahr auf Veranlassung der Frankfurter Allgemeinen von einer Handvoll internationaler Großarchitekten hurtig aufs Papier gefetzt wurden.

Erst jetzt, erst nach dem parlamentarischen Elfmeterschießen vom vergangenen Donnerstag, kann der Senat ernsthaft ans Planen denken, in enger Kooperation mit der Bundesregierung und der Landesregierung von Brandenburg. Erst jetzt könnten die Politiker präzise Grundlagenentscheidungen treffen, die künftige Stadtstruktur festlegen und entsprechende Vorgaben machen.

Nur so, meint der Städtebauexperte Ulrich Pfeiffer zu Recht, läßt sich ein weiteres "Architekturgeschnatter" wie in den achtziger Jahren verhindern, als der Senat Teile der Innenstadt mit postmodernen Putzigkeiten vollkleckern ließ. "Berlin 2010", so Pfeiffer, müsse anders aussehen als die Londoner Docklands mit ihrer "Papageienarchitektur" oder die "Tower-Ansammlungen" an der New Yorker Madison Avenue.

Berlin dürfe "weder im Siedlungsbrei noch in den Hochhausspargelfeldern westdeutscher Städte ersticken", sagt auch der neue Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Und: "Man muß Berlin nicht noch einmal neu erfinden."

Denn trotz aller Zerstörungen durch Krieg und Nachkriegsbauten, trotz Mauer und Todesstreifen, trotz abgehackter oder neu gelegter Verkehrsverbindungen ist die Stadtstruktur noch weithin intakt oder durchaus reparabel.

Vom Reichstag am Spreebogen bis zum Potsdamer Platz und weiter bis in die Nähe der Friedrichstraße erstreckt sich eine Stadtbrache, die nur bruchstückhaft mit Ruinen oder einigen kümmerlichen Neubauten versehen ist.

Korrekturen östlicher wie westlicher Fehlplanungen mittels Dynamit und Abrißbirne werden ohnehin unumgänglich sein - wie jetzt bereits für die sozialistische Bauruine der Friedrichstadt-Passagen _(* Zwischen Potsdamer Platz (l.) und ) _(Spreebogen (r.). ) beschlossen: Der hoffnungslos verunglückte Rohbau wird durch einen ansehnlicheren Komplex ersetzt.

Bei allen nun notwendigen Planungen trifft es sich gut, daß der Bund als Nachfolger des Deutschen Reiches der mit Abstand größte Grundstückseigentümer in Berlin ist. Der Bund besitzt mehr als die Hälfte aller Immobilien im Zentrum, mehr als eine Million Quadratmeter Bürofläche und rund 30 000 Wohnungen und Villen. Vor allem kann er über die Flächen und Bauten vom Reichstag bis zum Potsdamer Platz, die ehemaligen Ministergärten, sowie über ausgedehnte Liegenschaften am Ende der Linden verfügen.

Der Bund erbt so schöne Stücke wie das Kronprinzenpalais und das Palais am Festungsgraben, das Zeughaus und die Neue Wache - aber auch so problematische wie den Palast der Republik, das Staatsratsgebäude und das häßliche Außenministerium der ehemaligen DDR.

Der Versuchung, das weitläufige Areal im Spreebogen zu bebauen, haben alle West-Berliner Stadtregierungen seit 1949 widerstanden - immer in der Hoffnung, daß sich dort doch eines Tages das neue Parlaments- und Regierungsviertel erheben würde.

Nach den ersten vagen Vorstellungen des Senators für Stadtentwicklung,Volker Hassemer (der sich selbst zum "Durchlauferhitzer" ernannt hat), sollen dort, rund um den Reichstag, am Brandenburger Tor und im Tiergartengrün, nur die Bauten für die Parlamentarier entstehen - während das "Regierungsforum" sich am anderen Ende der Linden, gegenüber der Museumsinsel, herausbilden soll. Das Kanzleramt soll dann den Platz einnehmen, den jetzt noch der Palast der Republik innehat; sein Volumen soll in etwa dem ehemaligen Schloß entsprechen - schon um dem Bild der Linden den unerläßlichen Halt und Abschluß zu geben.

Alle anderen staatlichen Einrichtungen sollen locker über das Zentrum verteilt werden; mehrere Dutzend alte und neue Gebäude stehen dafür zur Verfügung. Der Entstehung eines Regierungsgettos wäre damit vorgebeugt.

Diese Vorstellung schreckt allerdings viele Berliner, die ihre Stadtmitte schon eingekreist sehen von lauter Bannmeilen, als Hochsicherheitszone, wie eine Zitadelle, vollgepackt mit Stacheldraht, mit Hunde- und Reiterstr eifen und womöglich noch Panzerspähwagen - entsprechende Schreckbilder sind aus Bonn hinlänglich bekannt.

Autokolonnen unter Blaulicht, mit lautem Tatütata und eskortiert von Funkwagen und "Weißen Mäusen", könnten den Flaneurs Unter den Linden vollends den Spaß verderben.

Wissen die Berliner, was im Gefolge von Parlament und Regierung auf sie und ihre Stadt zukommt? Berlin wird furchtbar ungemütlich werden.

Das provisorische Berlin der vergangenen Jahrzehnte gibt es nun nicht mehr, wie es keine heimliche, keine unheimliche, keine sogenannte Hauptstadt mehr gibt. Ab sofort gibt es tatsächlich nur noch: "Berlin. Die Hauptstadt."

* Mit Berlins Regierendem Bürgermeister Eberhard Diepgen im Bundestag. * Vor dem Berliner Reichstag am 3. Oktober 1990. * Soldaten hissen die sowjetische Flagge auf dem Reichstagsgebäude. * Vor dem Schöneberger Rathaus am 26. Juni 1963. * Zwischen Potsdamer Platz (l.) und Spreebogen (r.).

DER SPIEGEL 26/1991
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