29.07.1991

Volk verdummt

Gegen den neuesten und umstrittenen Werbefeldzug des Münchner Autoherstellers BMW wollen jetzt auch die Verbraucherverbände vorgehen. Unter dem Titel "Klartext zum Ozon" hatte BMW in Zeitungsannoncen behauptet, "das meiste Ozon" entstehe aus "Stoffen, die von der Natur selbst erzeugt" würden. Für den gesundheitsbelastenden Sommer-Smog sei deshalb "das Auto nicht das Problem". Schon im Frühjahr hatte der bayerische Autobauer mit falschen Aussagen über die Luftbelastung in München operiert und verbreitet, Pkw trügen "nur minimal" zur Smoggefahr bei. Der größte Teil der jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Kohlenwasserstoffe und Stickoxide, die allein in der westlichen Bundesrepublik anfallen und zur Ozon-Bildung beitragen, entsteht jedoch durch den Straßenverkehr. Für den Sprecher des Umweltbundesamtes ist es deshalb unverständlich, "daß sich so renommierte Unternehmen wie BMW diese Volksverdummung leisten". Der Berliner Verbraucherschutzverein mit 17 deutschen Unterverbänden will BMW jetzt abmahnen und wegen "Irreführung" notfalls verklagen. BMW hat mittlerweile fürs erste auf eine weitere Veröffentlichung der Ozon-Anzeige verzichtet.


DER SPIEGEL 31/1991
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